Kleine Schritte

TRIER. Die Großregion als Wirtschaftsraum voranzubringen ist mit dem Bohren dicker Bretter verbunden. Unter der Präsidentschaft von Rheinland-Pfalz will man zumindest den Bereich Verkehr entwickeln: Am ehesten könnte der ÖPNV davon profitieren.

Obwohl es eine Busverbindung von Bitburg nach Luxemburg gibt, fahren viele Grenzgänger mit ihrem Auto bis Echternach und steigen dann erst in den Bus Richtung Großherzogtum. Der Grund: der Preisunterschied von rund 80 Euro im Monat. Mit dem Zug braucht man von Trier nach Metz doppelt so lange wie mit dem PKW. Und die luxemburgische Direktbuslinie RGTR 188 von Trier nach Luxemburg ist im Internet gar nicht erst zu finden. Diese Beispiele führt Hans-Hermann Kocks, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Trier auf, um das "Kümmerdasein" des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in der Großregion zwischen Rheinland-Pfalz, Saarland, Luxemburg, Lothringen und der Wallonie zu belegen. Internetsystem und Gemeinsamer Verbund

Das soll sich nun ändern. Als Leiter der Arbeitsgruppe "Infrastruktur" des Wirtschafts- und Sozialausschusses der Großregion (WSAGR), einem die Politik beratenden Gremium aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Vertretern, stellte er erstmals öffentlich einen Bericht vor, der der Politik klare Empfehlungen für die Verkehrsentwicklung beim Gipfel der Großregion am 1. Juni in Trier gibt. Und dass man sich für den ÖPNV als Schwerpunkt entschieden hat, hat einen guten Grund. "Bei den bisherigen Gipfeln ist nie der große Wurf gelungen", sagt Kocks. Denn wenn es um Projekte gehe, die Geld kosteten, wie der Ausbau von Autobahnen, Bahntrassen oder Schifffahrtswegen, sei man bislang schnell am Ende der Kooperation angelangt. Aber beim ÖPNV sehe man kurzfristig Verbesserungsmöglichkeiten ohne großen Aufwand. So könnten bereits in diesem Jahr die Fahrpläne von Bussen und Bahnen der Regionen im Internet gebündelt und alle Tarife für Grenzgänger aufbereitet werden. "Immerhin 90 Prozent der 100 000 Pendler fahren mit dem Auto zur Arbeit. Ein Verkehrsaufkommen, das die Großregion, vor allem Luxemburg, nicht bewältigen kann", sagt Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer der Trierer Industrie- und Handelskammer (IHK) und derzeitiger Präsident des WSAGR. Neben dem elektronischen Info-System sollen auch die Fahrpläne attraktiver und aufeinander abgestimmt werden. Umsteigefreie Fahrten zwischen Trier und Metz sowie Saarbrücken und Luxemburg sind das Ziel. Und auch ein einheitliches Tarifsystem könnte den ÖPNV für Grenzgänger attraktiver machen. "Weil Bahntickets nicht für Busse der gleichen Verbindung gültig sind, ist die Harmonisierung gehemmt", sagt Rössel. Schritte, die in einem Halb-Jahres-Rhythmus umzusetzen wären. Innerhalb von fünf Jahren sei gar ein Verkehrsverbund für die ganze Großregion möglich. "Bislang fehlt es an Systematik." Nun hofft der WSAGR auf neue Dynamik, am 22. Mai soll das Thema "Infrastruktur" nicht nur ins Zentrum einer Verkehrskonferenz rücken. Auch die rheinland-pfälzische Präsidentschaft erhofft sich ein neues Bewusstsein. Harald Eiß von der Trierer Aufsichts- und Dienstleistungs-Direktion (ADD) sagte stellvertretend für die Landesregierung: "Bisherige Projekte wie der Sprachenerwerb haben sich eher mit der ,Software' beschäftigt." Der Bereich Verkehr biete greifbarere Projekte.