K.o. für Kuag?

MÜNCHEN/KONZ. (hw) Nur wenige Wochen, nachdem der Mutterkonzern des Konzer Kuag Werks, die Textilwerke Deggendorf (TWD), Insolvenz angemeldet haben, sieht Insolvenzverwalter Michael Jaffé kaum noch Chancen für den Standort in der Saar-Mosel-Stadt. 169 Mitarbeiter bangen um ihren Job.

"Wir kommen angesichts weiter laufender Verluste um eine Stilllegung dieses Betriebsteils bedauerlicherweise voraussichtlich nicht herum", sagte Insolvenzverwalter Michael Jaffé am Mittwoch in München. Es gebe keine Interessenten für das Werk, das Millionenverluste angehäuft habe. Vor Ort sehen die Beteiligten die Lage ganz anders. Roland Woelfl von der IG Metall Trier: "Ich habe das Gefühl, dass mit falschen Zahlen gearbeitet wird, um Konz dicht zu machen." Dabei hatten die Verantwortlichen in der Region noch bis zuletzt an einer Übernahme durch die Mitarbeiter gearbeitet. Der Betriebsratsvorsitzende Franz Zebe und sein Stellvertreter Xhelal Lokaj sehen immer noch Chancen für ein so genanntes Management-Buy-Out (MBO), bei dem Angestellte selbst die Geschicke des Unternehmens in die Hand nehmen. "Dafür bräuchten wir aber die Mitarbeit des Insolvenzverwalters", sagte Zebe dem TV. Auch IG-Metall-Bezirkschef Woelfl glaubt, dass Kuag in Konz noch eine letzte Chance hat. "Wenn die Mitarbeiter in eine Berufs-Qualifizierungsgesellschaft gehen würden, könnten wir fast aus dem Stand mit der Arbeit beginnen. Vielleicht könnten wir dann 60 Jobs retten." Der Betriebsrat in Konz glaubt nämlich, dass die Mitarbeiter gewinnbringend arbeiten könnten. Viele Beschäftigte sind eher skeptisch. "Die in Deggendorf wollen doch gar nicht, das wir hier in Eigenregie den Betrieb aufrecht halten", sagt ein Mitarbeiter. Ein anderer fürchtet, man wolle lästige Konkurrenz aus dem Weg schaffen. So mancher Kuag-Mitarbeiter will wissen, dass die TWD-Gruppe, sobald sie durch ein Insolvenzverfahren saniert sei, an die Daun-Gruppe (einer der größten europäischen Textilhersteller) veräußert wird. Insolvenzverwalter Jaffé sieht indes für die Betriebe in Seebach bei Deggendorf (877 Mitarbeiter) und im sächsischen Glauchau (157) Zukunftsperspektiven. "Wir arbeiten mit Hochdruck an der Sanierung und kommen hiermit gut voran." Die Löhne und Gehälter der 1200 Beschäftigten seien auch nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. Mai erst einmal gesichert. Es gebe konstruktive Gespräche mit strategischen Investoren über einen Einstieg, als Alternative sei aber auch eine Eigensanierung mittels Insolvenzplan denkbar.