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Konjunktur auf Talfahrt

Konjunktur auf Talfahrt

Knapp drei Viertel der Unternehmen im Land bewerten ihre Geschäftslage trotz der Finanzkrise noch als gut oder zufriedenstellend. Allerdings blicken die Firmen überwiegend pessimistisch in die Zukunft. Das ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage der Arbeitsgemeinschaft der vier Industrie- und Handelskammern.

Mainz. "Es geht abwärts mit der Konjunktur", sagt Peter Adrian, Präsident der IHK Trier und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Kammern im Land. Vor allem die Auftragsrückgänge aufgrund des lahmenden Exports machen vielen Unternehmen zu schaffen. Die Krise trifft besonders die weitgehend exportabhängige Industrie hart, etwas besser sieht es beim Handel und bei den Dienstleistern aus. Zum Jahresbeginn erwartete die Hälfte der Firmen einen Rückgang der Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten, nur 14 Prozent sind optimistisch. Bei der IHK-Konjunkturumfrage wurden Mitte Dezember bis Mitte Januar und damit vor dem Beschluss der Bundesregierung zur Verabschiedung des Konjunkturpakets II 1080 Firmen mit rund 154 000 Beschäftigten befragt.

Die Region Trier schneidet zur Zeit etwas besser ab als die drei anderen Kammerbezirke Pfalz, Koblenz und Rheinhessen: Grund: Hier ist die Exportabhängigkeit der Unternehmen nicht so hoch. IHK-Präsident Adrian erwartet jedoch "eine Annäherung im Jahresverlauf". Ein positiver Aspekt ist, dass 62 Prozent der Unternehmen an ihrer Belegschaft festhalten oder neue Mitarbeiter einstellen wollen. Allerdings planen 38 Prozent der Firmen einen Personalabbau. Nach Einschätzung des Trierer IHK-Hauptgeschäftsführers Arne Rössel werden vor allem Leiharbeiter sowie gering Qualifizierte von der Arbeitslosigkeit bedroht sein. "Es kann aber auch Festangestellte treffen." Nach Branchen betrachtet, sehen der Maschinenbau und die Zulieferbetriebe (Chemie, Kunststoff) die größten Probleme und bewerten die Aussichten überwiegend schlecht. Im Baugewerbe sind zwei Drittel der Firmen zwar noch mit ihrer Geschäftslage zufrieden, blicken aber sorgenvoll in die Zukunft. Vom Konjunkturpaket II und den geplanten Investitionen in die Infrastruktur erhofft man sich mehr Aufträge, hier wird es aber nach Einschätzung des IHK-Konjunkturexperten Sebastian Saule "noch einige Monate dauern, bis das sichtbar wird".

Im Einzelhandel beurteilen drei Viertel der Unternehmen ihre Wirtschaftslage noch als gut oder zufriedenstellend. Hier wird der Inlandskonsum als Hoffnungsträger gesehen, die niedrige Inflationsrate und das die Nachfrage stützende Konjunkturpaket II des Bundes sorgen für verhaltenen Optimismus. Dem Abwärtstrend trotzen die unternehmensorientierten Dienstleister: 63 Prozent erwarten eine befriedigende bis gute Entwicklung.

Trotz der Finanzkrise haben die meisten Unternehmen im Land keine Probleme, Kredite zu bekommen, wenngleich zu verschlechterten Konditionen. Das Kreditgeschäft bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken laufe normal, berichtet IHK-Präsident Peter Adrian. Erst ab einer Kreditsumme von 50 Millionen Euro, wenn Privat- oder Hypothekenbanken ins Spiel kämen, werde es schwierig.

Der weitere Konjunkturverlauf wird laut IHK-Experten maßgeblich von der Entwicklung in den USA abhängen und davon, ob es gelingt, das Weltfinanzsystem neu zu ordnen. Anlass zu Optimismus böten die gesunkenen Energiekosten und die niedrige Inflationsrate. Die Kammern beurteilen die Konjunkturprogramme des Bundes hingegen zurückhaltend. Sie setzten an den richtigen Stellen an, doch es bestehe allgemein "die Gefahr einer wachsenden Staatsgläubigkeit", sagt Peter Adrian. Deshalb müssten zügig die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessert werden, etwa durch eine Unternehmenssteuerreform.