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Kontrolleure entlarven Weinpanscher

Kontrolleure entlarven Weinpanscher

Die Weinkontrolleure des Landesuntersuchungsamtes haben 2013 jede siebte Probe beanstandet. Meist waren es harmlose Mängel wie falsche Bezeichnungen. Es gab aber auch gravierende Täuschungen und Verfälschungen.

Mainz. Die rheinland-pfälzische Weinministerin Ulrike Höfken, die einzige dieser Art in Deutschland, hat Verständnis für die Winzer. "Ständig ändern sich die teils komplizierten Kennzeichnungsvorschriften. Das lässt auch gutwillige Winzer den Überblick verlieren", sagt die Grüne. Die Weinüberwachung des Landes sichere die Qualität im größten weinbau- treibenden Bundesland.
Wie in der Vergangenheit gab es auch 2013 etliche Mängel, diese waren jedoch überwiegend harmloser Natur.
Meistens bezogen sie sich auf die Kennzeichnung. Dabei wurde der Alkoholgehalt falsch angegeben, es wurden unzutreffende amtliche Prüfungsnummern verwendet oder unzutreffende Herkunftsangaben. Bei den 5800 Kontrollen entdeckten die Spezialisten in den 4300 Proben mitunter auch, dass Hinweise auf allergieauslösende Inhaltsstoffe fehlten.
Neben diesen Mängeln gab es "schwerwiegende Täuschungen und echte Verfälschungen", zeigt die Ministerin auf. 147 Proben seien wegen Grenzwertverstößen oder unzulässigen Behandlungen aufgefallen. "Hier muss man von vorsätzlichem Handeln ausgehen. Diese schwarzen Schafe schaden der ganzen Branche", sagt Ulrike Höfken.
Tomasz Brzezina, Leiter der Weinüberwachung am Landesuntersuchungsamt (LUA), berichtet von reihenweise künstlichen Aromastoffen. Zum Beispiel habe man einen Abfüller aus Moldawien entlarvt, der die Barrique-Note seines Rotweins synthetisch erzeugt habe. Die Kontrolleure kamen auch Panschern auf die Schliche, die ihre Weine unzulässig gezuckert oder mit Wasser gestreckt hatten.
Für Aufsehen sorgte im vergangenen Jahr ein riesiger Wein-Rückruf: Im Dezember musste die Kellerei Zimmermann-Graeff & Müller aus Zell an der Mosel, kurz ZGM, 4,9 Millionen Flaschen aus dem Handel nehmen. Grund: In den Flaschen gärte Hefe nach, dadurch bestand Explosionsgefahr.
Die Spätfolgen des umstrittenen Eiswein-Jahrgangs 2011 waren nach Angaben der Weinüberwachung noch zu spüren. Der Eiswein habe weiter im Fokus der Öffentlichkeit und der Kontrollen gestanden.
Ministerin Höfken begrüßt das "gute Signal" eines Urteils des Oberverwaltungsgerichts Koblenz. Dieses habe die Klage einer pfälzischen Kellerei abgewiesen, deren vermeintlicher Eiswein von den Behörden nicht anerkannt worden war.