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Künstliche Intelligenz und Fenster-Chip

WITTLICH-WENGEROHR : Künstliche Intelligenz und ein Chip im Fenster

Wie der Wittlicher Fensterbauer Helmut Meeth dank Kooperation mit dem Mittelstand-Kompetenzzentrum auf Digitalisierung setzt.

Digitalisierung, künstliche Intelligenz und ein neuer Innovationsassistent – wer glaubt, solche Bereiche würden nur von Großindustrie angegangen, liegt falsch. Viele kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) aus der Region haben vielleicht keine eigene Abteilung für Forschung und Entwicklung, stehen aber für zahlreiche innovative Projekte, Verfahren und Produkte, bei denen sie wissenschaftlich unterstützt werden.

Ein Beispiel ist der Fensterbauer Helmut Meeth aus Wittlich-Wengerohr, ein Unternehmen mit rund 150 Mitarbeitern, das aktuell gleich zwei Digital-Projekte am Start hat: den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Qualitätskontrolle sowie einen Fensterrahmen mit eingebautem Chip, mit dem Besitzer und Händler per Smartphone Zugriff auf alle relevanten Daten haben.

Künstliche Intelligenz zur Qualitätskontrolle: Tausende Tonnen Glas werden jedes Jahr beim Wittlicher Fensterbauer angeliefert und in die Fenster verbaut – sowohl beim Zulieferer als auch bei Helmut Meeth werden die Scheiben von Mitarbeitern auf Beschädigungen oder Mängel kontrolliert. Diese Aufgabe soll künftig durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz im automatisierten Prüfprozess erledigt werden. „Der Mitarbeiter kann noch so gut geschult sein, irgendwann wird er etwas übersehen, das ist trotz Wechseln in einer Schicht ganz normal. Mit dieser Technologie kann die Fehlerquelle minimiert, wenn nicht sogar ausgeschaltet werden, die Mitarbeiter werden entlastet“, sagt Markus Jungbluth, Leiter IT, Entwicklung und Prozesse bei Helmut Meeth.

Daher nahm das Wittlicher Unternehmen Kontakt zum Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern auf, das man von anderen Kooperationen bereits kannte. Das Kompetenzzentrum bietet kleinen und mittleren Unternehmen aus Rheinland-Pfalz Informationen und Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Projekte – unter der Überschrift Mittelstand 4.0. Das Meeth-Projekt war, die Glasprüfung durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zu automatisieren. Der Fensterbauer gab die Vorgaben für Glasqualität und Abweichungen vor, die Mitarbeiter der KI-Ideenwerkstatt präsentierten verschiedene Verfahren und Technologien. Am Ende standen alle nötigen Kriterien für eine Machbarkeitsstudie in einem so genannten Lastenheft.

Mit diesem wurde dann ein Unternehmen gesucht, das diese Verfahren im Auftrag von Meeth austestet – gefunden wurde es abermals in Rheinland-Pfalz: PSI Technologies in Urmitz bei Koblenz verfügt über das know-how und die Erfahrung mit KI, Kameras und Sensoren. Eine Vielzahl potenzieller Glasfehler wurde eingespeist, das selbstlernende System erkennt, ob diese noch toleriert werden können oder das Glas nicht verwendet werden kann.  „Wenn wir einmal eine fehlerhafte Scheibe in einem bereits eingebauten Fenster austauschen müssen, entstehen trotz viel niedrigeren Materialwerts Kosten bis zu 1000 Euro für uns“, sagt Jungbluth. Zudem sei die Akzeptanz für Fehler bei Kunden immer weiter gesunken. „Wir planen das System der Qualitätskontrolle auch so auszuweiten, dass unsere Außendienstler mit einer Smartphone-App das System ansteuern und vor Ort analysieren können, ob die Scheibe gemäß der Richtlinien des Bundesverbands Flachglas in Ordnung ist oder ausgetauscht werden muss.“

In den kommenden Wochen ist die Machbarkeitsstudie beendet, mit den Erkenntnissen und den Details daraus wird das Unternehmen den Auftrag für die automatisierte Anlage ausschreiben. Parallel soll der Bereich der Glasanlieferung im Werk umgeplant werden. „Die Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum hat uns begeistert, da wurde aus unserer Idee sehr schnell eine fundierte Planung und Umsetzung“, sagt Jungbluth.

Dass durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz Stellen gestrichen werden könnten, verneint der Firmenchef vehement: „Wir haben genug Arbeit, auch für jene, die in der Glasprüfung tätig sind. Im Gegenteil, wir planen sogar eine zusätzliche Schicht in unserer Fertigung“, sagt Helmut Meeth.

Cloudwindow: In diesen Fenstern wird ein NFC-Chip eingebaut, wie er analog zum Beispiel in EC-Karten verwendet wird. Die Daten des Chips können von registrierten Nutzern mit einem Smartphone ausgelesen werden. Mit der Cloudwindow-App kann sich der Besitzer des Fensters oder der Fachhändler in die Cloud einwählen, wo die Daten des Fensters hinterlegt sind, so kann zum Beispiel, wenn eine Scheibe zerbricht, sofort das richtige Glas bestellt werden oder dem Kunden kann das passende Insektengitter angeboten werden.

Eine weitere Möglichkeit ist das Hinterlegen aller Daten, wann und von wem das Fenster eingebaut wurde. Oder Wohnungsverwalter können über die App Wartungstermine mit den Wohnungsbesitzern arrangieren. Der Chip ist in der Fensterfalz integriert und kann von außen oder Unberechtigten, zum Beispiel von Einbrechern, nicht ausgelesen werden. „Mit dem Cloudwindow-System liefern wir unserem Außendienst, Fachhändlern, aber auch dem Endkunden einen Zusatznutzen, denn alle Daten zu einem Fenster stehen sofort zur Verfügung“, sagt Jungbluth. Zudem können ältere Fenster aus dem Hause Helmut Meeth, die ab 2011 bestellt wurden, mit dem Cloudwindow-Chip nachgerüstet werden.

Am 26. März veranstaltet das Wengerohrer Unternehmen einen virtuellen Infotag/Webinar, um das Cloudwindow-System vorzustellen.