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Ladendiebe gehen immer raffinierter vor

Ladendiebe gehen immer raffinierter vor

Obwohl der Verlust durch Ladendiebstähle im Einzelhandel zurückgegangen ist, geben die Unternehmen keine Entwarnung. Kaufhausdetektive in der Region beklagen eine Zunahme der organisierten Diebstähle und eine gestiegene Gewaltbereitschaft der Täter. Eine Ansicht, die die Polizei nicht teilt.

Köln/Trier/Bitburg. 2010 sind die Verluste im Einzelhandel durch Diebstähle und organisatorische Mängel um 4,8 Prozent gesunken. Dies gab das EHI Retail Institute bekannt. Das Institut mit Sitz in Köln erstellt Forschungsarbeiten zu wichtigen Zukunftsthemen des Einzelhandels. Trotz der rückläufigen Verluste geben die vom EHI befragten Unternehmen keine Entwarnung. Der Einzelhandel erwarte in allen Bereichen der Einzelhandelskriminalität eine Zunahme. Das Institut geht bei Ladendiebstählen von einer Dunkelziffer von über 95 Prozent aus, was bedeutete, dass bundesweit jedes Jahr rund 30 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt blieben.
Mehr Tarntüten benutzt


Klaus Mühlen teilt diese Einschätzung. Mühlen ist Chef der Firma Terminus, die sich auf Personenschutz, Observation und die Aufklärung von Ladendiebstählen spezialisiert hat. Mit seiner Firma beschäftigt er Hausdetektive in Karlsruhe, im Saarland und in Trier. "Laut Polizei und Behörden sollen die Diebstähle rückläufig sein. Der Meinung bin ich nicht. Meiner Meinung nach ist lediglich deren Aufdeckung rückläufig, weil die Täter raffinierter vorgehen", sagt Mühlen. So verwendeten sie beispielsweise vermehrt Tarntüten, um ihr Diebesgut unbemerkt aus dem Geschäft zu bringen. Bei den Tarntüten handelt es sich um konventionelle Einkaufstüten, die innen mit Alufolie ausgeschlagen sind. "Auf diese Weise umgehen die Täter die elektronischen Sicherungsanlagen an den Ausgängen", erklärt Mühlen.
Bei den Gelegenheitsdieben seien vor allem kleinere Artikel wie Kosmetik oder Schreibwaren beliebt. Auftragsdiebstähle konzentrierten sich hingegen auf teure Produkte wie Schmuck, Parfüm, Lederwaren und hochwertige Textilien. Ein Ergebnis, zu der auch die Umfrage des EHI kommt.
Sorge vor Bandendiebstahl


Nach Einschätzung der Handelsexperten gehören zu den am häufigsten bundesweit gestohlenen Artikeln im Lebensmittelhandel Rasierklingen, Spirituosen, Kosmetik und Tabakwaren.
Im Bekleidungshandel seien Jeans, Jacken, Accessoires, Markenartikel und Dessous beliebt. Konsolenspiele, CDs, DVDs, Speicherkarten und Druckerpatronen gehörten im Elektronikhandel zu den meist gestohlenen Artikeln.
Die Sorge des deutschen Einzelhandels vor zunehmenden Bandendiebstählen und Diebstählen auf Bestellung teilt auch Klaus Mühlen. "Auch wenn man es nicht wahrhaben will, organisierten Diebstahl gibt es auch in Trier", sagt Mühlen. Die Täter kommen meist in Gruppen. Während einer die Ware an sich nimmt, sichern die anderen das Umfeld ab. Da der Hausdetektiv in der Regel allein agiert, ist es schwer, alle Täter zu stellen. Zudem sei die Gewaltbereitschaft in den vergangenen fünf Jahren definitiv gestiegen, sagt Mühlen. "Früher haben die Diebe versucht wegzulaufen, heute werden sie viel schneller handgreiflich."
Polizei sieht kein Problem


Dieser Ansicht ist auch Alfred Thielen, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands (EHV) der Region Trier. "Statt auf eine Entdeckung der Täter setzen die Geschäfte vermehrt auf Warensicherung", sagt Thielen. Man wolle seine Mitarbeiter nicht unnötig in Gefahr bringen.
Die Kurse des EHV, die Angestellte gezielt zur Erkennung von Ladendieben schulen, sind mittlerweile alle gestrichen. "Die Kurse werden einfach nicht mehr nachgefragt", erklärt Thielen.
Von einer zunehmenden Gewaltbereitschaft der Diebe können Edgar Bujara und Christoph Höptner hingegen nicht berichten. Bujara, Vorsitzender des Gewerbevereins Bitburg, stuft die Anzahl der Ladendiebstähle in Bitburg generell als gering ein.
Höptner, Center-Manager der Trier Galerie, führt das Ausbleiben gewaltbereiter Täter auf die Präsenz der Sicherheitskräfte in der Galerie zurück. Auch das Polizeipräsidium Trier sieht darin kein Problem. "Bei nur 17 professionellen Ladendiebstählen von insgesamt 1145 Ladendiebstählen 2010 kann man aus unserer Sicht weder von einem Anstieg banden- oder erwerbsmäßiger Diebstähle noch von einer Zunahme der Gewaltbereitschaft sprechen", sagt Karl-Peter Jochem von der Pressestelle des Präsidiums.
Eine höhere Polizeipräsenz in der Innenstadt würden Alfred Thielen und Klaus Mühlen jedoch begrüßen.Die am meisten gestohlenen Artikel im deutschen Einzelhandel sind nach Auskunft von Handelsexperten in der Lebensmittelbranche Rasierklingen, Spirituosen, Kosmetik und Tabakwaren in der Textilbranche Jeans, Jacken, Accessoires, Markenartikel und Dessous im Elektrohandel Konsolenspiele, CDs, DVDs, Speicherkarten und Druckerpatronen red