Längster Streik im Land: Riva-Mitarbeiter seit drei Monaten im Ausstand

Streik geht weiter : „Mit Power durch die Mauer ...“

Seit zwölf Wochen sind die Beschäftigten der ehemaligen Drahtwerke in Trier und Horath im Ausstand. Für sie gibt es bei alle Mühen keinen anderen Weg.

Trier, Frankfurt, Berlin – alles in drei Tagen. Zuvor Rom und mehrfach Henningsdorf in Brandenburg und immer wieder Trier und Horath. Was sich liest wie die Reiseroute eines Politikers oder Fußballspielers, ist in Wirklichkeit der Terminplan der rund 130 Riva-Mitarbeiter aus Horath und Trier. Sie sind inzwischen seit zwölf Wochen im Streik, haben Aktion um Aktion gestartet, um endlich ihren Anerkennungstarifvertrag zu bekommen, wie die meisten anderen der Riva-Beschäftigten in Deutschland.

Drei Monate im Streik, wie fühlt sich das an? Der Betriebsratsvorsitzende des Werks in Trier, Rainer Kubitza, ist stolz auf seine Kollegen. „Anfangs dachten wir, dass wir nach einigen Tagen uns mit der Geschäftsführung einigen können.“ Schließlich zahlt der italienische Riva-Konzern mit Stammsitz in Rom und 4700 Mitarbeitern in 21 Produktionswerken fast überall Tarif. Eben auch in den anderen drei Werken in Deutschland. Die rund 100 Mitarbeiter im ehemaligen Drahtwerk Horath und etwa 36 Kollegen im Trierer Werk wollen dieses Recht nun auch für sich erkämpfen. Thomas, Anfang 30, und seit sieben Jahren im Unternehmen, gibt sich weiter kämpferisch: „Wir gehen nicht eher zurück, bis wir den Tarif haben.“

Die Kollegen stehen hinter ihm und skandieren: „Mit Power durch die Mauer – bis sie bricht!“ Das hört sich wie der Schlachtruf von Fußballfans an, doch für die Riva-Mitarbeiter und die IG Metall geht es um viel mehr. „Die Mitarbeiter verdienen 20 bis 30 Prozent weniger als Kollegen mit Tarifvertrag“, erklärt IG-Metall-Chef Christian Z. Schmitz. Teilweise verdienten selbst Leiharbeiter im Werk mehr als langjährige Beschäftigte. „Es ist enfach unaständig, was das Unternehmen mit uns macht“, wirft einer der Streikenden ein. Denn in den Verhandlungen herrscht Funkstille.

Die Solidarität steigt indes immer weiter. Während des Ausstandes bekommen die Streikenden lediglich einen Teil ihres Netto aus der Gewerkschaftskasse ersetzt. Doch die Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) hat ein Solidaritätskonto eingerichtet. Deren Geschäfstführer Andreas Luce: „Wir stehen voll hinter euch. Über das Konto sind bereits 54 000 Euro gespendet worden, 35 000 Euro haben wir bisher an die Streikenden ausgezahlt.“ Bei den Betroffenen kommt das gut an.

„Die Solidarität tut gut. Wir sehen, dass wir nicht allein sind, und wir brauchen die finanzielle Unterstützung.“ Solidaritätsbekundungen und die Beteiligung an Aktionen gibt es inzwischen aus ganz Deutschland und dem Ausland. Mit zwölf Monaten ist der Streik der bei weitem längste Ausstand in der Geschichte von Rheinland-Pfalz. „Auch die rheinland-pfälzische Arbeitsministerin unterstützt uns“, sagt Christian Z. Schmitz.

In einem Brief an den Vorsitzenden des Aufsichtsrates H.E.S. Riva Stahl GmbH, Claudio Riva, schreibt Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler: „Faire Lohn- und Arbeitsbedingungen für Männer und Frauen sind ein wichtiges Ziel der Landesregierung. Mir ist es ein ganz persönliches Anliegen, dass der Grundsatz der Tarifautonomie gelebt wird. Dazu gehört aber auch, dass ich als Arbeitsministerin die Beschäftigten unterstütze, ihre Rechte zu wahren.“ 

 Und weiter hofft sie auf eine einvernehmliche Lösung: „Ich bitte Sie daher nochmals darum, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um gemeinsam mit den Betriebsvertretungen und den Kolleginnen und Kollegen der IG Metall weiterzuverhandeln.“

Für die IG Metall ist diese Unterstützung wichtig. „Der Arbeitgeber macht gar nichts“, fasst IG Metall-Chef Schmitz die Ausgangslage in Streikwoche 12 zusammen. Eine von der Gewerkschaft vorgeschlagene Schlichtung wurde abgelehnt, Gespräche laufen derzeit nicht.

Die 130 Streikenden stehen aber wie ein Mann und eine Frau hinter ihrer Forderung. „Es sind keine einfachen Tage für uns. Die Schule hat wieder begonnen, die Kinder, die Familie und die Freunde leiden natürlich unter dem Druck“, sagt eine junge Frau. „Doch solche Aktionen wie vor der Porta schweißen zusammen“, sagt sie. Und die anderen skandieren: „Mit Power durch die Mauer ...“

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