Lehrjahr mit Familienanschluss

Lehrjahr mit Familienanschluss

In der Hektik des städtischen Alltags wächst bei vielen die Sehnsucht nach dem Landleben. Grüne Berufe sind aber vor allem harte Arbeit. Dass es bei der Ausbildung auch familiär zugehen kann, beweist ein Hof im Eifelkreis Bitburg-Prüm, der von der Landwirtschaftskammer ausgezeichnet wurde.

Kyllburgweiler. In einer Kurve kurz vor Kyllburgweiler, an der die Kreisstraße 85 auf die Landesstraße 34 trifft, schmiegt sich der Landmauerhof in die Umgebung. Die Kühe muhen im Stall, auf den Feldern und Wiesen ist es ruhig. Mitte der 1960er ist der Familienbetrieb vor die Tore des 100-Seelen-Örtchens im Eifelkreis Bitburg-Prüm gezogen. In diesem Jahr hat ihn die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz beim Wettbewerb zum Ausbildungsbetrieb des Jahres auf den geteilten zweiten Platz gewählt (siehe Hintergrund).
Ausbildung seit 1997


Ewald Milbert freut\'s. Der 48-Jährige hat nach seiner Lehre je zwei Semester die Wirtschafts- und die Technikschule besucht, ist seit 1987 staatlich geprüfter Techniker für Landbau. 1997 hat er sich entschlossen, auf seinem Hof auszubilden. Meist Jugendliche, die selbst aus einem Betrieb mit Milchviehhaltung stammen. Jungen und Mädchen hielten sich in den 16 Jahren ungefähr die Waage, sagt Milbert. Das Geschlecht sei auch nicht entscheidend, "entscheidend ist der Kopf". Für den 48-Jährigen bedeutet das, dass die Azubis zuverlässig, ehrlich und motiviert sind.
Damit sie wissen, worauf sie sich einlassen, müssen sie zunächst ein paar Tage als Praktikanten ran. Stimmt die Chemie zwischen Ausbilder und Auszubildendem, kann es losgehen. Der landwirtschaftliche Nachwuchs bekommt Fachwissen rund ums Tier und Tiergesundheit vermittelt, erhält Einblicke in Ackerbau, Pflanzenkunde und Pflanzenschutz sowie im kleinen Rahmen in (landwirtschaftliche) Maschinen. Insgesamt bleiben die Azubis ein Lehrjahr auf dem Hof. Für Ewald Milbert eine sinnvolle Lösung, denn "wenn sie in drei Betrieben arbeiten, bekommen sie mehr mit, als wenn sie drei Jahre nur auf einem Hof bleiben".
Was er seinen Lehrlingen seit 16 Jahren bietet, nennt Milbert "Ausbildung mit Familienanschluss". Die Azubis haben ihr eigenes Zimmer und essen drei Mal täglich gemeinsam mit der Familie, zu der neben Ewald seine Frau Gerlinde (49) und deren drei Kinder Luisa (16), Isabell (15) und Sebastian (13) gehören. Für Gerlinde Milbert, die selbstständig als Versicherungsfachfrau arbeitet, auf dem Hof mit anpackt und sich um den Haushalt kümmert, ist jeder neue Lehrling "wie ein viertes Kind".
Das aktuelle heißt David Schares, ist im ersten Lehrjahr und kommt aus Wiersdorf (Verbandsgemeinde Bitburg-Land). Die Belastung macht dem 16-Jährigen nichts aus. "Wir haben zu Hause selbst einen Milchbetrieb mit 60 Kühen", sagt er.
Frühes Aufstehen gehört dazu


Morgens bereits zwischen 6.30 Uhr und 7 Uhr zum Melken in den Stall zu gehen, war David bereits gewohnt. Auch die langen Arbeitstage, meist bis 19.30 Uhr oder 20 Uhr, steckt der Junge weg. "Einen Acht-Stunden-Tag gibt es bei uns nicht", sagt Gerlinde Milbert. Neben den 70 Milchkühen und den 50 Jungtieren aus der eigenen Nachzucht bewirtschaften die Milberts cirka 74 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, 40 Hektar davon Grünland. Nachdem die Kühe gemolken und versorgt sind, stehen Außenarbeiten auf dem Programm. Eine Abwechslung, die David besonders begeistert.
Für seine Mühe bekommt der 16-Jährige etwas zurück. So nimmt ihn Ewald Milbert mit auf Fortbildungen, hilft ihm bei Prüfungen mit seinem Wissen als Mitglied des Prüfungsausschusses oder überträgt ihm Verantwortung. Als Familie Milbert in den Herbstferien im Urlaub war, durfte sich David alleine um die Tiere kümmern, den Arbeitstag eigenverantwortlich planen. "Keine Selbstverständlichkeit", wie Ewald Milbert sagt. Wenn David in der Berufsschule Blockunterricht hat, bekommt er auch auf dem Landmauerhof frei. Auch was die Urlaubsplanung, Wochenenddienste oder zusätzliche freie Tage angeht, zeigen sich die Milberts flexibel.
So müssen die Azubis etwa an Rosenmontag und Karnevalsdienstag nicht zum Dienst antreten. Über Weihnachten und Neujahr möchte die Familie ihre Ruhe. "Da hat der Azubi sozusagen Zwangsurlaub", schmunzelt Ewald Milbert.Extra

Gemeinsam mit den Landjugendverbänden Rheinhessen/Pfalz und Rheinland-Nassau kürt die Landwirtschaftskammer (LWK) Rheinland-Pfalz den Ausbildungsbetrieb des Jahres. Gewonnen hat 2013 der Betrieb und Ferienhof Krause Lederbach GbR aus Hohenleimbach (Landkreis Ahrweiler). Gemeinsam mit dem Landmauerhof von Ewald und Gerlinde Milbert, die zum zweiten Mal am Wettbewerb teilgenommen haben, belegte der Lindenhof von Andreas Essisch in Bockenau (Landkreis Bad Kreuznach) den zweiten Platz. Als Bewertungskriterium zählte neben Ausbildungsinhalten und deren Vermittlung auch der menschliche Faktor, sprich wie gut der Azubi in die Familie integriert ist, sagt Frieder Zimmermann von der LWK. Davon überzeugt sich eine Kommission vor Ort. fas