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Lernpatenschaft: Schüler in der Eifel lernen die Praxis in Betrieben kennen

Ausbildung : Wasser filtern und Umwelt schonen: So lernen Schüler in der Eifel die Praxis in Betrieben kennen

In Lernpatenschaften von Betrieb und Schule lernen junge Leute die Praxis kennen. Das Beispiel von Zahnen Technik in Arzfeld zeigt, wie man auch in ländlichen Regionen für Spezialwissen erfolgreich werben kann.

Wenn im Modell einer Kläranlage des Eifeler Unternehmens Zahnen Technik in Üttfeld die Schülerinnen und Schüler das Wasser selbst filtern, merkt man schnell: „Die jungen Leute lernen am meisten in der Praxis“, sagt Sabine Zahnen, Personalentwicklerin des Unternehmens. Deshalb hat eine Gruppe von zwölf Schülerinnen und Schülern der Grund- und Realschule plus aus Neuerburg (auch Eifelkreis Bitburg-Prüm) ein komplettes Projekt von der Kalkulation über die Planung und den Einkauf bis hin zum Bau durchgespielt. Zum Abschluss darf das Team eine große Kläranlage besichtigen und das Projekt zum Schulfest vorstellen.

Zwar stammt dieses Projekt noch aus der Vor-Corona-Zeit. Doch auch jetzt suchen einzelne Experten unter den rund 130 Mitarbeitern, davon 38 Azubis, den Kontakt zu den Schulen der Umgebung. Ob Wasserversorgung, Abwasserklärung und Anlagenbau: Zahnen Technik – vor wenigen Tagen mehrheitlich von der Frankfurter Kapitalgesellschaft HBL Investment Partners übernommen – kann gerade in den Fächern wie Biologie, Chemie oder Mathematik aktuelles Wissen in die Schulen bringen. „Wasser ist unser Kerngeschäft.

Nur wenige junge Leute wissen überhaupt, wohin ihr Brauchwasser fließt. Lehrkräfte sind oft nicht so spezialisiert wie unsere Mitarbeiter“, sagt Sabine Zahnen und verweist darauf, dass schon bald zwei IT-Experten des Unternehmens in einer Schule Computerprogramme schulen werden.

Auch Christina Schmitz, Berufsorientierungs-Koordinatorin der Grund- und Realschule plus in Neuerburg weiß, wie die Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler von der Bildungs- und Lernpartnerschaft profitieren. „Sie ermöglicht Erfahrungen, die über den Schulalltag hinausgehen. Berufsorientierung und die Vermittlung von Expertenwissen stehen als gleichberechtigte Ziele nebeneinander“, sagt sie. In einem Kooperationsvertrag zwischen Schule und Unternehmen seien nachhaltig Ziele, Projekte und Ansprechpartner festgelegt worden. „So bleibt die Arbeit nicht an Einzelnen hängen und wird fester Bestandteil des Berufswahlkonzeptes.“ Und Alexander Oster, Ansprechpartner für Schulen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier, unterstreicht: „Eine Kooperation mit einem Unternehmen ist ein wichtiger Baustein im Berufswahlfahrplan einer Schule. Je mehr Erfahrungen Schülerinnen und Schüler mit Betrieben machen, desto mehr Überblick, Entscheidungsfreiheit und Entscheidungsfähigkeit haben sie in Bezug auf ihre Berufswahl.“

Doch lohnt sich das Projekt nicht nur für Schülerinnen und Schüler, sondern auch für Unternehmen: „Wir haben eine enorm hohe Ausbildungsquote und wollen diese auch halten, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, sagt Personalentwicklerin Zahnen. Deshalb stelle man auch zahlreiche Praktikanten ein. „Aus jeder Klasse können wir so in der Regel ein bis zwei Azubis gewinnen, das ist ein tolles Ergebnis.“

Doch das Unternehmen denkt noch weiter, zumal das Thema Umweltschutz und Umweltbewusstsein derzeit bei jungen Leuten angesagt ist. Sabine Zahnen: „Mit diesem Thema liegen wir gut im Kurs und können den Schülern einiges mit auf den Weg geben. Unser Ziel ist es, den Spaß an der Umwelt und Technik zu vermitteln, aber auch zu zeigen, dass man durch eine gute Ausbildung ohne Studium sehr erfolgreich sein.“