Lieferengpässe: Weniger Flieger auf dem Hahn

Lieferengpässe: Weniger Flieger auf dem Hahn

Die irische Fluggesellschaft Ryan air stationiert lieber auf ausländischen Flughäfen weitere Maschinen als etwa auf dem Hahn. Schuld daran seien Engpässe bei der Lieferung neuer Flugzeuge - und die deutsche Ticketsteuer.

Lautzenhausen. Als Ryanair-Sprecherin Henrike Schmidt Anfang Dezember in Mainz verkündete, es sollen bald schon weitere Maschinen der irischen Fluggesellschaft auf dem Hahn stationiert werden, hat sie wohl gewusst, dass es zunächst mal ein frommer Wunsch bleiben wird. Es habe sich da bereits angedeutet, dass es Lieferschwierigkeiten mit den beim Flugzeugbauer Boeing für 15,6 Milliarden Dollar bestellten 737-800 geben könnte, sagte Schmidt gestern unserer Zeitung. Man sei zu der Zeit noch in Verhandlungen gewesen. Doch nun sei klar: Boeing könne nicht wie geplant, die ersten der insgesamt 175 Neuen ab September 2014 liefern. Derzeit besitzt Ryan air 305 Boeing. 75 der neu bestellten Maschinen sollen alte ersetzen, mit den restlichen soll die Flotte bis 2019 auf 405 Flugzeuge aufgestockt werden.Auswirkungen auf Flugplan


Weil man aber vor allem auf den ausländischen Flughäfen, von denen Ryanair fliegt, ausreichend Flugzeuge brauche, würden Maschinen wegen der angeblichen Lieferengpässe hauptsächlich aus Deutschland abgezogen. Neben Hahn, auf dem ab Sommer statt neun nur noch sechs Flugzeuge der Iren stationiert werden sollen, seien auch Lübeck und Leipzig betroffen. Das hänge auch damit zusammen, dass die seit 2011 in Deutschland verlangte Ticketsteuer weiterhin eine Belastung darstelle und die Passagierzahlen in Deutschland deshalb zurückgegangen seien, sagte Schmidt. Daher stärke man derzeit vor allem ausländische Flughäfen und eröffne dort auch im nächsten Jahr neue Basen. Kürzlich hatte Ryanair zudem angekündigt, künftig auch größere europäische Flughäfen wie etwa Brüssel anzufliegen.
Der Abzug der Maschinen auf dem Hahn wird auch Auswirkungen auf den Sommerflugplan haben. Es würden wohl weniger Ziele angeflogen, bestätigte die Ryanair-Sprecherin. Welche Strecken betroffen seien, stünde noch nicht fest. Derzeit sind auf der Internetseite der Fluggesellschaft mindestens elf Ziele vom Hahn aus für kommenden Sommer nicht zu buchen. Darunter das italienische Bologna, das griechische Volos und auch die Kanareninsel Gran Canaria. Einige der Ziele würden vermutlich im kommenden Sommer gar nicht oder nur während der Sommerferien angeflogen, bestätigte Schmidt. Auf dem Flughafen Hahn rechnet man dadurch mit einem Passagierrückgang um 15 Prozent. Konkret bedeute das 300 000 Passagiere weniger, teilte der Flughafen gestern mit. "Wir kommen im Vergleich zu anderen Standorten noch ganz gut weg", wird Hahn-Geschäftsführer Markus Bunk in der Mitteilung zitiert. Ryanair habe aber signalisiert, ab Sommer 2015 seine Flotte auf dem Hunsrückflughafen zu verstärken. Der Abzug von Flugzeugen habe nichts damit zu tun, dass man dem Hahn den Rücken kehre wolle, sagte auch Ryanair-Sprecherin Schmidt. "Wir stehen weiter zu dem Flughafen."Minister bedauert Abzug


Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz bedauert den Abzug der Maschinen vom Hahn. Er geht aber davon aus, dass sich Ryanair weiter zum Hahn bekenne. Der Vize der CDU-Landtagsfraktion Alexander Licht kritisiert, Lewentz habe "seinen Zuständigkeitsbereich schon längst nicht mehr im Griff". Licht rechnet damit, dass es im nächsten Jahr bis zu 800 000 weniger Passagiere auf dem Hahn geben wird.
Der Flughafen schreibt seit Jahren rote Zahlen. Er gehört zu 82,5 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent Hessen.Extra

Um den hoch defizitären Flughafen Hahn zu sanieren, müssen Kosten gespart und Erlöse verbessert werden. Dazu will der Aufsichtsrat, der heute wohl zum letzten Mal in der alten Form tagt, ein umfangreiches Sanierungskonzept verabschieden. Salvatore Barbaro (SPD), der Chef des Kontrollgremiums, erklärte auf Anfrage der Rhein-Zeitung: "Die Geschäftsführung hat Vorschläge erarbeitet wie die Optimierung von Geschäftsabläufen und konkrete Personaleinsparungen." Anfang Oktober hatten die Hahn-Verantwortlichen angekündigt, das Defizit der Flughafengesellschaft nach Möglichkeit um zwölf Millionen Euro pro Jahr zu verringern. Die schwarze Null soll wohl erst 2023 erreicht werden. Zudem arbeitet die Landesregierung in Gesprächen mit der EU-Kommission daran, den Hunsrück-Airport von seinen Altschulden zu befreien. Das gilt als Basis dafür, dass Investoren gefunden werden können. Derzeit ist der Airport international zum Verkauf ausgeschrieben. DB

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