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Lizenz zum Weinvermarkten

TRIER/BERNKASTEL-KUES. Vermarktungsmöglichkeiten zur Fußball-Weltmeisterschaft gibt es auf verschiedenen Gebieten. Auch die Weinanbaugebiete Deutschlands wollen sich präsentieren – mit WM-Wein. Von unserem Redakteur <br>MIRKO BLAHAK

Bier und Fußball - mit dieser Verbindung identifizieren sich viele Fans des runden Leders. Aber Wein und Fußball? "Zunächst waren wir skeptisch, ob sich das verbinden lässt. Inzwischen hoffen wir, dass dies einigermaßen geglückt ist und für unsere Kunden, Lebensmittelhändler und für die Weinbranche ein positiver Impuls gegeben ist", sagt Michael Willkomm von der Weinkellerei Peter Mertes GmbH & Co. KG in Bernkastel-Kues. Er spricht über das Lizenzierungs-Konzept, mit der sich die deutschen Weinanbaugebiete zur Fußball-Weltmeisterschaft präsentieren können. Das Deutsche Weininstitut (DWI) hat mit dem Fußball-Weltverband Fifa einen Lizenzvertrag abgeschlossen, mit dem Winzern die Möglichkeit eröffnet wird, das offizielle Emblem der WM oder eine Abbildung des WM-Pokals auf den Etiketten zu verwenden. Rund 50 Erzeuger haben bislang eine Sublizenz vom DWI zur Vermarktung von Weinen erworben, sieben davon aus dem Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer. Die Winzergenossenschaften, Kellereien und Familien-Betriebe erhoffen sich einen hohen Werbeeffekt - und auch ein Zusatzgeschäft. "Für uns bedeutet es in erster Linie Kundenpflege", sagt Albrecht Gietzen, dessen Winzerhof in Hatzenport seit November 2004 einen WM-Wein anbietet. Die Weinhandels GmbH Maringer-Reif in Piesport baut auf eine Umsatzsteigerung, "da diese Weine zusätzlich neben unserem Standard-Sortiment angeboten werden" (Karl-Heinz Reif). Neue Kundenkreise möchte auch die Peter Mertes GmbH ansprechen. Willkomm: "Unsere beiden Weine sollen den Verbraucher ansprechen, der sich für die WM interessiert und sich gerne mit Souvenirs und anderen Objekten, die auf dieses Ereignis abzielen, umgibt. Gerade unter den Fußballfreunden gibt es viele, die selten oder wenig Wein trinken." Vor möglichen Erträgen steht die Investition. Thomas Klaas, Bereichsleiter Inlandsmarketing beim DWI, erläutert die Lizenz-Möglichkeiten: "Es gibt eine kleine Version, die den Erzeuger 2000 Euro kostet. Dafür darf er 10 000 Flaschen WM-Wein anbieten. Die große Version kostet 10 000 Euro, sie beinhaltet 100 000 Flaschen." Neben dem Recht, offizielle WM-Weine in Europa vermarkten zu dürfen, schaffen die Erzeuger mit einer Lizenz die Voraussetzung, dass ihre Weine vielleicht bei WM-Spielen in den Stadien ausgeschenkt werden. Klaas: "Die Fifa kauft ausschließlich deutsche Weine. Wir übernehmen die Organisation der Ausschreibung. Sommeliers der Fifa testen die dann von Erzeugern angestellten Weine. Es kommen nur Weine zum Zug von Erzeugern, die Lizenznehmer sind." Bei der Gestaltung der Etiketten bleibt den Winzern wenig Spielraum, die Fifa pocht bei ihren Lizenzprodukten auf einheitliche Regeln - nicht immer zur Freude der Lizenznehmer. Gietzen: "Die Pflichten beinhalten die fast rechtlose Hinnahme der Auflagen bei der Etikettengestaltung - in unserem Falle zu sehen am viel zu kleinen Schriftzug des Betriebsbegründers Nikolaus G.." Das Weingut Reichsgraf von Kesselstatt in Trier verzichtete gleich ganz auf die Logos auf den Etiketten ihres WM-Weins. Michaela Bollig vom Vertrieb: "Das Logo passt nicht zu den Etiketten. Wir möchten den Wiedererkennungswert nicht aufgeben." Mit ihren als WM-Weinen auserkorenen Rebsäften gehen die Lizenzinhaber ganz unterschiedlich auf den Markt. Die Palette reicht vom Direktvertrieb über den Verkauf im Lebensmitteleinzelhandel bis hin zum Bemühen, in Hotels oder Geschenkartikel-Katalogen Eingang zu finden. Der WM-Wein der Römer Wein & Sekt GmbH in Traben-Trarbach zum Beispiel wird nach Auskunft von Jürgen Römer auch bei Fifa-, DFB- oder DWI-Veranstaltungen eingesetzt. Die Weinlizenz also eine Nische, die noch nicht von den Marketing-Exklusivrechten der nationalen und internationalen Sponsoren abgedeckt ist? "Eine Marktnische ist dies nur für eine geringe Zeitspanne, weil nur wenige Betriebe die hohen Lizenzgebühren zahlen wollten", glaubt Gietzen. Bollig lobt, dass die Fifa dem Wein eine Chance bietet, sich zu präsentieren: "Wer an Deutschland denkt, denkt auch an Wein."