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Luxair-Gruppe in kräftigen Turbulenzen

Luxair-Gruppe in kräftigen Turbulenzen

Die Luxair-Gruppe steckt in Schwierigkeiten. Von 2015 an muss die Airline ihr Jahresergebnis um 25 Millionen Euro verbessern - durch neue Geschäfte oder Einsparungen. Die Unternehmensberatung Roland Berger, die Luxair durchleuchtet hat, spricht laut Fluggesellschaft von "extremer Fragilität".

Luxemburg. Die luxemburgische Fluggesellschaft Luxair steht in den kommenden Jahren vor einer Herkules-Aufgabe. Hohe Treibstoffkosten, immer mehr Konkurrenz durch Billiganbieter und die Belastungen durch die Tochter Cargolux (siehe Extra) bringen laut Beraterfirma Roland Berger den Konzern ins Trudeln. "In seinen Schlussfolgerungen bestätigt Roland Berger zunächst das derzeitige Strategiemodell des Geschäftsbereichs Airline, empfiehlt jedoch, das Ergebnis von Luxair ab 2015 um 25 Millionen Euro pro Jahr zu verbessern. Die empfohlenen Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen, betreffen vorrangig die Kostenstruktur und werden als wesentlich bezeichnet, um das Überleben des Geschäftsbereichs und der Gruppe zu sichern", heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Trotz dieser Ansage geht die Gesellschaft davon aus, dass man den Umschwung ohne Kündigungen und ohne Sozialplan umsetzen könne. Bei 2500 Mitarbeitern hätte der Unternehmensberater lediglich knapp 90 Stellen ausgemacht, die man einsparen könne.
Was will Luxair nun tun?


Das Unternehmen will die typischen Freizeitkunden besser ansprechen. Seit einigen Tagen schon werden Flüge zum Preis von 99, 129 und 149 Euro angeboten. Die Hoffnung beruht darauf, dass man so deutlich mehr Kunden anlockt. Laut einem Interview der luxemburgischen Zeitung Tageblatt erhofft sich Luxair in diesem Bereich eine Ergebnisverbesserung von rund vier Millionen Euro.
Der Konkurrenzdruck auf die Fluggesellschaft stiegt allerdings nicht nur in der Gesamtregion mit der Nähe zum Hahn und zu Ryan air, sondern auch zunehmend am Flughafen Findel. Easy Jet tritt dort als typischer Billigflieger auf, und die spanische Fluggesellschaft Vueling will ab Mai viermal die Woche ab dem Findel die katalonische Hauptstadt Barcelona anfliegen.
Luxair will weiter seine Kooperationen mit der Deutschen Lufthansa und der Air France verbessern, um Kosten einzusparen.
Auch will die Fluggesellschaft die Flotte auf einen Stand bringen. Derzeit steigen drei unterschiedliche Flugzeugtypen für Luxair auf, dies verursache hohe Wartungskosten, die vermeidbar seien. In diesen Bereichen könnte das Unternehmen zwischen vier und fünf Millionen Euro jährlich weniger ausgeben.
Vor allem aber muss Luxair sparen. Laut Tageblatt fordert Luxair-Verwaltungschef Paul Helminger die Arbeitnehmervertreter zum Einlenken und zur Mitarbeit auf: "Wir suchen das Gespräch mit den Gewerkschaften. Wenn wir alle zusammenarbeiten, hat die Luxair eine reelle Zukunft. Die Gewerkschaften müssen aber wissen, dass sie sich nicht mehr auf den Staat beziehen können", sagte er dem Blatt. Die Personalkosten seien in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent gestiegen, die Kosten pro Sitz und Kilometer lägen bei Luxair bei 18 Cent und bei Lufthansa Regional bei lediglich 12 Cent.
Luxair gehört nach Angaben des Unternehmens zu fast 40 Prozent dem Großherzogtum, zu knapp 22 Prozent der staatlichen Bank- und Staatssparkasse BCEE, die Dexia Bil und die Lufthansa halten je 13 Prozent, die Luxair-Gruppe und Kleinaktionäre zusammen auch 13 Prozent. Das Unternehmen ist beteiligt an Cargolux (43 Prozent) und an Luxfuel (40 Prozent).Extra

Die Europäische Union und die Gründung der Luxair haben gemeinsame Wurzeln. Mit der Bedeutung Luxemburgs für die Gemeinschaft wurde im Großherzogtum eine effiziente Fluggesellschaft notwendig. Aus der 1948 gegründeten Luxembourg Airlines Company wurde Anfang der 60er Jahre die Luxair, Société Luxembourgeoise de Navigation Aérienneum. 1962 startet der Flugverkehr mit einer Fokker F-27 auf der Strecke Luxemburg-Paris. Heute beschäftigt die Gesellschaft rund 2500 Mitarbeiter. Neben der eigentlichen Airline gibt es die Geschäftsfelder Frachtabfertigung, Touristik, Catering sowie die Bewirtschaftung der Flughafenshops. Das luxemburgische Tageblatt berichtet, dass die Luxair-Gruppe im vergangenen Jahr ein Defizit von 19 Millionen Euro eingefahren hat. Im Frachtgeschäft und bei den Linienflügen seien die Verluste deutlich. Lediglich LuxairTours steuerte einen Gewinn von fünf Millionen Euro bei. Das sei aber auch eine Million Euro weniger als 2011. Belastet wird die Luxair-Gruppe zusätzlich und in erheblichem Maße durch die Tochter Cargolux. Nach dem kurzfristigen Einstieg und umgehenden Ausstieg von Qatar Airways muss Luxair für zwei notwendige Kapitalerhöhungen tief in die Sparschatulle greifen. Insgesamt 120 Millionen Euro muss die Fluggesellschaft einschießen. Luxair und die staatliche Investitionsgesellschaft SNCI übernehmen vom Staat die 35 Prozent Anteile, die Luxemburg von Qatar Airways übernommen hatte. Dies soll auf Druck der EU geschehen, die in dem Staatsdeal eine wettbewerbsverzerrende Aktion sehe. hw