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LuxairCargo am Puls der Weltwirtschaft

LuxairCargo am Puls der Weltwirtschaft

Die Wirtschaft ist heute global. An keinem anderen Ort ist der Pulsschlag des Welthandels deutlicher zu spüren, als an den Frachtflughäfen der Welt. Der Flughafen Findel ist ein solcher Ort, beim Frachtaufkommen Nummer sieben in Europa. Das Unternehmen LuxairCargo sorgt dafür, dass alles rundläuft.

Luxemburg. Seit fast 40 Jahren ist Jean-Claude Kowalsky bereits am Cargocenter am Flughafen Findel beschäftigt. Als Mann der ersten Stunde kennt er jeden Stein, jede Ecke und hat in den vergangenen Jahrzehnten jede Erweiterung mitgemacht. Für ihn ist das Frachtzentrum quasi sein zweites Wohnzimmer.
Von knapp 200 000 Tonnen Fracht im Jahr 1991 ist die Menge der umgeschlagenen Waren zwischenzeitlich auf fast eine Million Tonnen (2007) angestiegen und erreichte im vergangenen Jahr über 800 000 Tonnen. Auch deshalb musste das Zentrum mehrfach (1996/2001/2007) erweitert werden.
Diese Umschlagkapazität ist nur mit möglichst ausgeklügelter Logistik zu erreichen. Die Wege zum Be- und Entladen der Flugzeuge und der Lastwagen sind in Luxemburg kurz. Das Stapeln, Abrufen und Laden von bis zu maximal 1640 Ladeeinheiten (ULD) ist automatisiert. "Vom Flugzeug zum Truck sind es bei uns gerade einmal 108 Meter", erklärt Frachtexperte Kowalsky. Innerhalb von nur zwei Stunden kann ein Flugzeug mit bis zu 120 Tonnen Fracht abflugfertig gemacht werden. Rund 200 Flugzeuge werden so in jeder Woche von den LuxairCargo-Mitarbeitern in alle Welt geschickt. Allein die luxemburgische Cargolux fliegt beispielsweise 40 Länder in aller Welt an.
Schwieriges Umfeld


2013 war für LuxairCargo wieder ein schwieriges Jahr, wie der Präsident der Luxair-Gruppe, Adrien Ney, betont, "dennoch konnten wir von dem Konjunkturaufschwung profitieren, und nach einem Verlust von 3,4 Millionen Euro im Jahr 2012 die Gewinnzone erreichen. Vor allem die starke Steigerung des Frachtaufkommens bei der Cargolux erlaubte es LuxairCargo, die Erwartungen für 2013 zu übertreffen", sagte Adrien Ney. Dennoch bleibe die Lage gerade jetzt angespannt, da die Weltwirtschaftslage immer noch schwierig sei. Ney: "Die Entwicklung des Luftfrachtaufkommens zeichnet sich durch unmittelbare Abhängigkeit zur Weltwirtschaftslage und des daraus resultierenden Zusammenhangs von Tonnage und Finanzergebnis aus."
Um sich ein wenig aus dieser Abhängigkeit zu lösen, bietet das Cargocenter Leistungen an, die weit über das hinausgehen, was viele andere Frachtflughäfen im Angebot haben. Dazu gehört das Pharma- und Healthcare Center. Im Frühjahr 2013 wurde die 3000 Quadratmeter große Einheit eröffnet. "Wir haben hier auf gut 800 Quadratmetern die Möglichkeit, Medikamente und Arzneien auf zwei bis acht Grad gekühlt zu lagern", sagt Jean-Claude Kowalsky. Diese temperaturabhängigen Waren werden auch bis zum Flugzeug in ihrem Kühlprozess nicht unterbrochen. Dafür sorgen zusätzliche Boxen, von denen der Weg ins Flugzeug nur wenige Minuten dauert. In anderen Bereichen werden auf 1600 Quadratmetern Waren bei 15 bis 25 Grad gelagert, und 70 spezielle ULD können je nach Anforderung auf zwei bis 25 Grad eingestellt werden. Damit erfüllt das Cargocenter alle von der World Health Organization (WHO) geforderten Auflagen.
Doch das Luxemburger Cargocenter ist auch auf andere Spezialfälle eingestellt. "Wir haben einen eigenen Bereich für Tiertransporte, unter anderem 26 Pferdeboxen", erklärt Kowalsky. Gerade in diesen Bereichen, in denen höchste Zuverlässigkeit und Erfahrung nötig sind, habe sich das Unternehmen einen Namen gemacht.
Und in den vergangenen Jahren gab es für den erfahrenen Frachtexperten schon so manche Ladung, die auch für ihn noch etwas Besonderes war. Die schwerste Ladung ging beispielsweise 2007 von Luxemburg nach New York. "Wir benötigten zwei Krane zum Abladen vom LKW und zum Verladen ins Flugzeug. Weit über 100 Sicherheitsgurte, sogenannte Straps, waren notwendig, um die Ladung im Flugzeug zu sichern", erinnert sich Jean-Claude Kowalsky. Ein weiterer Höhepunkt war die Ankunft der weltgrößten Frachtmaschine 2003. Die Antonow AN-225 hat die gigantische Flügelspannweite von knapp 90 Metern.
Luxair-Chef Adrien Ney sieht LuxairCargo gut gerüstet für die Zukunft. Schnelligkeit, Zuverlässigkeit, eine gute Vernetzung mit den Kunden und die hohe Spezialisierung in einigen Bereichen wären Vorteile von Luxair-Cargo im internationalen Geschäft.Extra

Der Flughafen Findel ist der siebtgrößte Luftfrachthafen in Europa. Das Abfertigungsunternehmen LuxairCargo, das unter anderem für die Be- und Entladung der Maschinen zuständig ist, gehört zur Luxair-Gruppe. Die Frachtkapazität ist auf etwa eine Million Tonnen ausgelegt. Das Logistikzentrum wurde mehrfach erweitert und bietet in Lagerhallen auf 85 500 Quadratmetern Platz. Es gibt gut 140 Truck-Parkplätze. Das Gesamtgelände hat eine Größe von fast 300 000 Quadratmetern. Die Landebahn ist mit 4000 Metern für die größten Frachtflugzeuge ausgelegt. Zu den wichtigsten Kunden gehören etwa Cargolux, China Airlines, Qatar Airways, Panalpina und Frachtgesellschaften wie DHL, DB Schenker, Kuehne+Nagel. hw