Luxemburgs harter Weg zum Imagewandel

Luxemburgs harter Weg zum Imagewandel

Harte Zeiten für den Bankenplatz Luxemburg: Nicht nur, dass die europäische Staatsschuldenkrise die Profite der Institute sinken lässt. Die Kosten steigen, das Ansehen der Steueroase ist am Boden, die Bedeutung der Finanzhäuser geht insgesamt zurück.

Luxemburg. Von Idylle und Beschaulichkeit ist am Bankenplatz Luxemburg kaum die Rede, eher von knallhartem Wettbewerb, Bedeutungsverlust und Imageschäden. Denn die Finanzkrise und die Verschuldung großer Euro-Staaten wirken sich auch auf die Institute im Großherzogtum aus.
"Der Finanzplatz hat die bisherigen Krisen gut überstanden", sagt Walter Koob von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG in Luxemburg. Weder Massenentlassungen noch massive Ertragseinbrüche seien bislang zu verzeichnen.
Wachsende Risiken


Der Experte für den Bankenstandort Luxemburg hat jüngst vor dem "International Bankers Forum" zum zehnten Mal seine Analyse vorgestellt und dabei wachsende Risiken ausgemacht: etwa die Abhängigkeit der luxemburgischen Töchter von ihren ausländischen Mutterhäusern oder schlechtere Wettbewerbsbedingungen. Dabei müssen die Banken mehr Geld als liquide Mittel selbst vorhalten, befinden sich aber gleichzeitig in großer Abhängigkeit von den Kapitalmärkten. "Globalisierung bedeutet auch, im Wettbewerb nicht nur mit Zürich und London zu stehen, sondern auch mit Singapur und Hongkong", sagt Ernst-Wilhelm Contzen, Präsident der Luxemburgischen Bankenvereinigung ABBL und Chef der Deutsche Bank Luxemburg. Das bedeute etwa, dem Mutterhaus klarzumachen, dass Luxemburg ein führendes Zentrum fürs internationale Kreditgeschäft sei. "Wir sind hier erstklassig."
Dennoch sieht auch Contzen Luxemburg-spezifische Probleme, nämlich steigende Lohnkosten und den gewachsenen Imageschaden durch den schlechten Ruf als Schwarzgeld-Zentrum und Steueroase. "Gerade gegenüber Deutschland verliert Luxemburg an Wettbewerbsfähigkeit", sagt der erste deutsche Banken-Präsident in Luxemburg. Angesichts der im Ländchen gesetzlich vorgeschriebenen Lohnerhöhungen infolge des Indexes könne man sich zwei Gehaltsrunden im Jahr nicht leisten. "Dann muss die Politik mal eine unpopuläre Entscheidung treffen und den Index abschaffen", fordert er. Ein Thema, das auch über die Zukunft des Bankenplatzes mitentscheidet, ist die neue "Weißgeld-Strategie". Denn noch immer belastet die luxemburgischen Finanzinstitute der Makel, es mit der Schweigepflicht genauer zu nehmen als mit der Steuerpflicht. "Dieses Image haftet Luxemburg immer noch an, obwohl das Luxemburger Bankgeheimnis OECD-konform und damit im Sinn der internationalen Gemeinschaft ist", sagt Contzen. Jeder Kunde werde vor einer Kontoeröffnung durchleuchtet. Sein Haus habe wie viele andere eine so genannte Compliance-Abteilung, die sich um die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien kümmert. "Das sind Kosten, die man nicht auf die Kunden abwälzen kann."
Die Strategie ist klar: Weg vom Schmuddel-Image, hin zu besserer Qualität. Und da haben die Bänker vor allem die Super-Reichen, Familiengesellschaften und Versicherungen im Blick, die Weiterentwicklung des Fondsstandortes Luxemburg (weltweit Nummer zwei nach New York) sowie den internationalen Kreditbereich. Und in diesen Kontext passt auch, dass sich das Großherzogtum scheinbar als Europa-Zentrale für asiatische und andere aufstrebende Finanzregionen mausert. So errichtet die "Industrial and Commercial Bank of China" als größte Bank Chinas mit 2,5 Millionen Geschäfts- und 150 Millionen Privatkunden ihren Europasitz in Luxemburg.
Extra

In den vergangenen elf Jahren ist die Zahl der Institute am Bankenplatz Luxemburgvon 202 auf nun 143 zurückgegangen. Ein Minus von 59 Einheiten oder 30 Prozent. Zu 30 Prozent handelt es sich dabei um deutsche Banken, zu 29 Prozent um luxemburgische und belgische Häuser und zu 28 Prozent um französische Banken. Dennoch bleibt der Anteil deutscher Banken am Finanzplatz bei rund 30 Prozent. Doch ihre Bedeutung wird künftig schrumpfen: Laut Auflagen der EU-Kommission wurden die IKB (Deutsche Industriebank AG) geschlossen, die LBBW (Landesbank Baden-Württemberg) wird abgewickelt, ihr Privatkundengeschäft übernimmt die DekaBank Luxembourg, und auch die EuroHypobank soll verkauft werden. Des weiteren fusionierten DZ Privatbank und WGZ Bank. Unklar ist die Zukunft von BHF Bank und Postbank, die beide zum Deutsche Bank Konzern gehören. Außerdem rechnet Walter Koob von KPMG Luxemburg mit weiteren Geschäftsaufgaben und Fusionen, weil Instituten entweder ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell fehlt oder die Häuser mehrfach im Großherzogtum vertreten sind. Was die Beschäftigtenzahl angeht, waren zur Mitte dieses Jahres 26 147 Menschen bei Banken beschäftigt. Dabei ist die Zahl der Bankangestellten im Vergleich zum Vorjahr nur leicht um 0,4 Prozentpunkte zurückgegangen. Rund 16 600 Mitarbeiter haben Fondsgesellschaften und andere Finanzfirmen, deren Zahl hat leicht zugenommen. Mit einem Rückgang der Beschäftigten ist im Zuge der weiteren Konzentration jedoch zu rechnen, nicht allerdings mit Massenentlassungen. sas

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