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MAN bleibt in WIttlich: Interview mit dem regionalen IG Metall-Chef Christian Z. Schmitz

Interview mit regionalem IG Metall-Chef Christian Z. Schmitz : Nach der Entscheidung für den MAN-Standort Wittlich macht sich wieder Zuversicht breit

Es war ein Riesen-Schock im vergangenen September 2020: Der MAN-Konzern kündigte deutschlandweit den Abbau von fast 10 000 Stellen an und nannte explizit drei Werke, die dicht gemacht werden. Darunter auch das eigentlich kleine Werk in Wittlich.

Nun sieht es so aus, als würde Wittlich weiter bestehen. Über diese Entwicklung sprach TV-Redakteur Heribert Waschbüsch mit dem IG Metall-Chef in der Region, Christian Z. Schmitz.

Im vergangenen September kam die Hiobsbotschaft, dass das MAN Truck Modification Center Wittlich mit seinen rund 90 Beschäftigten von der Schließung bedroht ist. Nun scheint sich alles zum Besten zu Wenden. Wie kommt es dazu? Ist die Schließung vom Tisch?

SCHMITZ Es gab Verhandlungen auf verschiedenen Ebenen. Unser MAN-Aufsichtsratsmitglied Jürgen Kerner, der dritte Mann der IG Metall auf Bundesebene, ist beispielsweise direkt mit den Anteilseignern (VW und Scania, Anm. der Red.) in Verhandlung getreten. Danach hat man mit dem MAN-Vorstand nun ein sogenanntes Eckpunktepapier unterzeichnet. Darauf gibt es noch keinen Rechtsanspruch. Aber alle Beteiligten sind sich darüber klar, dass die formulierten Grundlinien einzuhalten sind. Dort ist festgehalten, dass Wittlich als Standort bleibt. Darauf sind wir stolz. Es gibt bei einem Kampf nie eine Garantie für einen guten Ausgang, aber wenn das einer schafft, dann nur eine starke Arbeitnehmerseite. IG Metall und Betriebsrat hatten zudem Rückenwind durch die Landesregierung. Wir hatten eine sehr gute Betriebsversammlung bei der große Teile des MAN-Vorstands nach Wittlich gekommen sind. Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler und alle, die wir hier in der Region aufbieten konnten, haben uns dort mit ihrer Anwesenheit unterstützt.

Die Krise bei MAN ist aber auch nach dem harten Einschnitt mit Tausenden Jobverlusten nicht vorbei. Wie sehen Sie in diesem Umfeld die Perspektive für Wittlich?

SCHMITZ Bei MAN war uns klar, dass etwas passieren würde. Die Frage ist aber, wie etwas passiert. Es gab eine überraschende Pressemitteilung, dass drei Werke schließen werden und fast 10 000 Kolleginnen und Kollegen deutschlandweit und in Österreich ihren Job verlieren sollten. Das ist keine Art und Weise, wie man miteinander umgeht. Deswegen gab es von unserer Seite eine sehr heftige Reaktion. Wir haben gezeigt, dass wir bereit sind, zu kämpfen und das hat beeindruckt und der Vorstand ist auf konstruktive Gespräche eingegangen.

Und die Zahl der Jobs, die jetzt zur Disposition stehen, sind auf rund 3500 geschrumpft und der Standort Wittlich bleibt erhalten ...

SCHMITZ In Wittlich ist dies gelungen, weil ein starker Betriebsrat, eine starke IG Metall und ein Gesamtbetriebsrat daran gearbeitet haben, dass man an dem Geschäftsfeld Truck Modification festgehalten hat. Dafür gibt es einen Markt und das Unternehmen erzielt gute Margen. Viele LKWs werden nur verkauft, weil die Kollegen in Wittlich sie modifizieren. Wittlich ist das Leitwerk der Truck Modification und wir setzen alles daran, dass das mittel- und langfristig ausgebaut wird. Die Solidarität gilt aber allen MAN-Beschäftigten. Die Werke im sächsischen Plauen (150 Mitarbeiter) und im österreichischen Steyr (2400 Mitarbeiter) werden bei MAN wohl keine Zukunft haben. Und der Abbau in den großen Werken in Deutschland – Nürnberg, Salzgitter, München – wird zwar nicht so groß sein wie angekündigt. Aber trotzdem sind das Tausende Jobs die wegfallen. Das ist hart und schwer zu verkraften, auch wenn die Sozialbedingungen das etwas abmindern können.

In Wittlich gibt es viel zu tun, das Werk ist profitabel, es fehlt nicht an Aufträgen. Dennoch werden auch dort Jobs abgebaut. Wie kann das funktionieren?

SCHMITZ Man muss es differenziert sehen. Es gibt am Standort Wittlich rund 90 Beschäftigte, dazu gehören die Azubis, der Vertrieb und Leiharbeiter. Die Stammbelegschaft, die gerechnet wird, beträgt 66 Stellen und davon müssen sechs Stellen sozialverträglich abgebaut werden. Wenn aber die Arbeit bleibt oder vielleicht noch mehr dazukommt, werden wir darum kämpfen, dass dies in Zukunft nicht durch Leiharbeit geleistet wird. Es wird kein Ewigkeitsverbot geben, wieder Leute einzustellen.

Nach den guten Nachrichten für das Truck Modification Werk – wie sieht es bei den MAN Service Niederlassungen in der Region aus?

SCHMITZ Ursprünglich sollte die Hälfte der 180 Niederlassungen in Deutschland wegfallen. Dann waren mindestens 30 Niederlassungen im Gespräch. Nun heißt es, die Niederlassungen sollen geschlossen werden, die keine schwarzen Zahlen schreiben. Wir sind aber hier mit den Verhandlungen noch nicht so weit. Wir können deshalb keine komplette Entwarnung geben. Wenn der Vorstand zu seinem Wort steht, müssten wir mit den vier Niederlassungen in Wittlich, Bitburg, Trier und Gerolstein aber gute Chancen haben.