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Maske auf! Ober-Friseur beklagt mangelnde Disziplin

Wasser im Desinfektionsspender & Co. : Ober-Friseur beklagt mangelnde Disziplin

Die Wirtschaft ist aus dem Lockdown mit strengen Hygienerichtlinien entlassen worden. Nun verdichten sich die Anzeichen, dass diese mancherorts nicht eingehalten werden – mit teils außergewöhnlichen „Tricks“.

Eigentlich gehört es für Guido Wirtz aus Körperich (Eifelkreis Bitburg-Prüm) zu seinen vordringlichen Aufgaben, die eigene Branche zu pushen und nach vorne zu bringen. Das ist der Landesinnungsmeister der Friseure und Kosmetiker in Rheinland-Pfalz in der Vergangenheit auch immer engagiert angegangen.

Doch diesmal gibt es von ihm ernsthaft Kritik am Verhalten einiger Friseure. „Ich erhalte Fotos und Beschwerden, dass einige Friseure sich nicht an die strengen Auflagen halten, die in Corona-Zeiten für unsere Branche gelten“, bemängelt Wirtz in einem Video-Interview mit dem Trierischen Volksfreund.

Für den Landesverband ein unhaltbarer Zustand. Landesweit sind rund 450 Friseur-Meister unter dem Dach der Landes-Innung organisiert.

Geschäftsführer des Landesverband Friseure & Kosmetik Rheinland ist Dirk Kleis. Er ist gleichzeitig Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft MEHR (Mosel-Eifel-Hunsrück-Region). „Ein solches Fehlverhalten wie in dieser Branche bekommen wir sonst nicht gemeldet“, erklärt Kleis.

Der Landesverband hat seine Mitgliedsbetriebe auf die Herausforderung Neustart vorbereitet. Informationen, Rechtsbeistand und Lobbyarbeit inklusive. Mit einer Kontrollmatrix für Friseurgeschäfte können Betriebe überprüfen, ob sie alle rechtlich relevanten Punkte für den Betrieb erfüllen (siehe Extra). Doch längst nicht alle Friseurbetriebe sind Innungs-Mitglieder. In der Region Trier, mit der Stadt und den vier Landkreisen, ist von den rund 600 eingetragenen Friseuren nur jeder vierte Innungs-Mitglied. Bei seiner Kritik geht Wirtz aber nicht dazu über, hier eine Trennlinie zu ziehen.

„Das Verhalten von Kollegen, die sich nicht an die Regeln halten, ist generell nicht hinzunehmen. Sie verschaffen sich eine Wettbewerbsvorteil, gegenüber Unternehmen, die die Hygienerichtlinien einhalten“, so der Landes-Innungsmeister. Die Kosten für Desinfektionsmittel, das Einziehen von Trennwänden, Schutzmasken und -visiere, die Schulungen – „da sind wir bei manchem Betrieb bei Mehrkosten von 5000 Euro“, rechnet Guido Wirtz vor.

Dabei scheinen einige Friseure sehr kreativ zu sein. „Mir hat eine Friseurin berichtet, dass ihr Chef Wasser in die Desinfektionsspender abfüllt und den Kunden erklärt, das ist geruchloses Desinfektionsmittel.“ Ganz offen könne man allerdings beobachten, dass Friseure die einfachsten Vorschriften nicht einhalten. „Man braucht nur an den Läden vorbeizugehen und sieht, dass weder Friseur noch Kunde beim Schneiden eine Maske tragen“, klagt Dirk Kleis. Und welche Strafen könnten folgen? „Prinzipiell drohen Strafen von 100 Euro bis in der Spitze zu 25 000 Euro“, erklärt der Geschäftsführer der Landes-Innung. Bei groben Verstößen im Friseurhandwerk schätzt er aber die möglichen Folgen auf 2000 bis 2500 Euro. So weit die Theorie: „In der Praxis müssen wir aber erleben, dass die Ordnungsämter kaum dazu kommen, die Friseurläden zu überprüfen. Wenn wir uns als Landes-Innung beschweren, heißt es, man habe zu wenig Personal“, sagt Guido Wirtz. Dass Läden, die sich an die Regeln halten, Nachteile haben, hat er selbst erlebt. „Eine Mutter mit Kleinkind hat bei mir einen Termin vereinbart und nachgefragt, ob das Kind auch eine Maske tragen muss. Ich habe das bejaht und zwei Tage später hat sie den Termin abgesagt, mit dem Hinweis, dass das Kind bei einem anderen Friseur ohne Schutz die Haare geschnitten bekommt.“

Für den Landes-Innungsmeister ein Unding: „Mit den strengen Sicherungsmaßnahmen schützen wir ja nicht nur unsere Mitarbeiter und uns selbst, sondern zu allererst doch unsere Kunden.“