Massendelikt: Kartenbetrug

TRIER. Der Betrug mit Plastikgeld blüht. Durch Verlust von Schecks, Scheck- und Kreditkarten entstand im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz ein Schaden von 2,8 Millionen Euro.

Als Elfriede F. aus dem Urlaub zurückkam, bekam sie einen Schock, als sie ihre Kontoauszüge studierte. Über 1000 Euro wurden ohne ihr Wissen abgebucht. Die Erklärung: Ihre von der Bank zugesandte Geldkarte wurde aus dem Briefkasten geklaut. Der Dieb ging mit der gestohlenen Karte einkaufen und kritzelte eine Unterschrift auf den Bon - nach dem Ausweis fragte ihn niemand, ebenso wenig nach seiner persönlichen Geheimnummer (Pin). Selbst als Elfriede F. ihre Karte sperren ließ, wurde weiter damit bezahlt, die Beträge gingen von ihrem Konto. Zwar konnte sie nachweisen, dass das Geld unrechtmäßig von ihrem Konto abgebucht wurde, und es wurde ihr dann zurücküberwiesen, doch den Ärger hatte sie. Wie in diesem Fall geht es in Deutschland vielen EC-Kartenbesitzern. Bezahlen mit geklauter Karte und gefälschter Unterschrift ist zum Massendelikt geworden. Allein im vergangenen Jahr wurden 40 346 Betrugsfälle mit EC-Karten beim elektronischen Lastschriftverfahren registriert. Den Betrügern wird es auch relativ einfach gemacht. Zu selten wird beim Zahlen mit EC-Karte nach der Pin gefragt, auch ein Ausweis muss selten vorgelegt werden. 17,1 Prozent des Gesamtumsatzes im deutschen Einzelhandel wurde im vergangenen Jahr durch EC-Kartenzahlung erzielt. Auf das sicherere electronic cash-Verfahren, bei dem die Eingabe der persönlichen Geheimzahl notwendig ist, entfielen nur 6,2 Prozent. Im Gegensatz zumkostenlosen Lastschriftverfahren muss der Händler beim electronic cash pro Zahlung eine Bearbeitungsgebühr von 0,3 Prozent des Umsatzes, mindestens aber acht Cent, bezahlen. Allerdings bekommen sie im Betrugsfall dann auch auf jeden Fall ihr Geld erstattet. Trotzdem bezeichnet Stefan Schneider vom Hauptverband des deutschen Einzelhandels die Situation als "relativ entspannt". Es gebe keinen Handlungsbedarf in Sachen electronic cash. Weniger als ein Prozent vom Gesamtumsatz machten die Totalausfälle, wenn die Händler wegen Kartenmissbrauchs kein Geld bekommen, aus. Auch Verbraucherschützer favorisieren das Lastschriftverfahren gegenüber dem electronic cash, weil Kunden, mit deren geklauter Karte bezahlt wird, bis zu sechs Wochen nach Abbuchung, das Geld wieder zurück verlangen können - falls die Karte rechtzeitig gesperrt wurde. Bezahlt der Betrüger aber mittels Pin, dann muss der Geschädigte bezahlen. Daher die Tipps: Karte und Geheimnummer immer getrennt aufbewahren.Bei Verlust oder Diebstahl Karte sofort sperren lassen unter Telefon: 01805-021021. Sperrung schriftlich bestätigen lassen. Kontoauszüge regelmäßig genau kontrollieren.

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