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Mehr als nur eine Feuerwehrfunktion

Trier. Die Betriebsratswahlen in der Region Trier sind gelaufen. DGB-Chef Christian Z. Schmitz, der IG-Metall-Bevollmächtigte Roland Wölfl und NGG-Chef Klaus Schu ziehen für die Region Trier eine positive Bilanz. Heribert Waschbüsch

Trier. Knapp 160 000 Menschen arbeiten in Voll- oder Teilzeit in den Firmen der Region. Etwa jeder Vierte von ihnen war in den vergangenen Monaten aufgerufen, seinen Betriebsrat zu bestimmen. Für die Gewerkschaften in der Region sind die Wahlen in den regionalen Betrieben gut verlaufen, DGB, die IG Metall und die Gewerkschaft NGG Nahrungs-Genuss-Gaststätten sind mit der Beteiligung zufrieden. "Die Betriebsratswahlen gehören zu den wichtigsten Rechten der Arbeitnehmer in Deutschland. Es ist das wichtigste demokratische Element, das die Mitbestimmung in den Betrieben regelt", sagt DGB-Regionsgeschäftsführer Christian Z. Schmitz.
Lange Tradition



Historisch gesehen hat die Mitbestimmung der Arbeitnehmervertretung in Deutschland eine lange Tradition. Bereits in der Weimarer Republik wurden die Rechte erstmals festgemacht - 1920 wurde das Betriebsrätegesetz ins Leben gerufen. Und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bereits 1952 das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) verabschiedet. Alle vier Jahre sind in der Regel Unternehmen mit einem Betriebsrat aufgerufen, ihre Vertreter neu zu wählen.
In den 40 Betrieben, die im Bereich der IG-Metall organisiert sind, wurden in den vergangenen Wochen so 250 Betriebsräte neu gewählt. "Es wurden über 8000 Beschäftigte zur Wahl aufgerufen und wir haben eine Wahlbeteiligung von 75 Prozent. Damit sind wir sehr zufrieden", sagt der IG-Metall-Bevollmächtigte für die Region, Roland Wölfl. Gerade in diesem Bereich ist auch die Quote der Gewerkschaftsmitglieder hoch. 83 Prozent der Betriebsräte sind auch in der Gewerkschaft organisiert. Traditionell gehören die IG-Metallbetriebe zu den Wirtschaftszweigen, die mehr Männer als Frauen beschäftigen. "Deshalb sind wir besonders erfreut, dass 41 der 250 neuen Betriebsräte Frauen sind." Positiv sei zudem, dass viele junge Mitarbeiter bis 35 Jahre den Sprung in die Arbeitnehmervertretung geschafft hätten. Die Tendenz, dass junge Arbeitnehmer Betriebsratsarbeit und gewerkschaftliches Engagement als wichtig ansehen, sieht auch DGB-Chef Schmitz. "Wir haben viele Neueintritte von jungen Leuten." Zudem belege eine Forsa-Umfrage die gute Reputation. "Gewerkschaften haben bei 71 Prozent der unter 30-Jährigen einen guten Ruf", sagt Schmitz (siehe Extra).
Im Bereich Nahrung, Genuss, Gaststätten sieht es nicht anders aus. "Wir haben im vergangenen Jahr 260 Neueintritte gehabt. Davon waren mehr als 40 Prozent unter 25 Jahren alt", sagt Klaus Schu. In den 29 NGG-Betrieben mit knapp 10 000 Mitarbeitern wurden insgesamt 193 neue Betriebsräte gewählt. "Auch wir sehen eine Tendenz zu Jüngeren", sagt Schu. In den meisten Fällen sind Betriebsräte auch gewerkschaftlich engagiert, bei der NGG sind drei Viertel der Betriebsräte auch Gewerkschaftsmitglieder. Und auch mit der Wahlbeteiligung ist Schu zufrieden. Mehr als 70 Prozent der Beschäftigten haben ihre Stimmen für Betriebsratsmitglieder abgegeben.
"Krisensichere Firmen"


Die Gewerkschaftsspitzen werben weiter für die Arbeit in den Betriebsräten. Roland Wölfl: "Betriebsräte haben weit mehr als nur Feuerwehrfunktionen." Natürlich käme ihnen in Krisen oder gar bei einer Insolvenz eine besondere Stellung zu. "Sie übernehmen dann oft ein Co-Management", sagt Wölfl. Doch darüber hinaus seien sie auch im täglichen Arbeitsalltag Vermittler zwischen den Vorstellungen der Geschäftsführer und den Belangen der Mitarbeiter.
Die Erfahrungen hätten zudem gezeigt, dass Firmen mit Betriebsrat besser die letzte Krise überstanden hätten, als Firmen ohne Vertretung, fügt Schmitz an. Einig sind sich die drei über die Wichtigkeit der betrieblichen Mitbestimmung: "Ein Betriebsrat in einem Unternehmen hilft natürlich den Mitarbeitern, aber auf jeden Fall auch der Firma."Extra

Das Vertrauen in Gewerkschaften ist in Deutschland hoch. Dies belegt eine Forsa-Studie aus dem Jahr 2013. Demnach sagen 86 Prozent der Befragten, dass Gewerkschaften heute noch gebraucht werden. Großes Vertrauen haben zu 71 Prozent die 18- bis 29-Jährigen, zu 53 Prozent die 30- bis 44-Jährigen, zu 44 Prozent die 45- bis 59-Jährigen und nur noch 37 Prozent die Befragten, die 60 Jahre und älter sind. hwExtra

Zu den Aufgaben eines Betriebsrates gehören unter anderem die Vertretung der Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber, die Mitbestimmung bei Arbeitszeit, bei der betrieblichen Lohngestaltung, bei der Aufstellung allgemeiner Urlaubsgrundsätze, bei der Unfallverhütung, bei der Gestaltung betrieblicher Sozialeinrichtungen oder Fragen der Berufsbildung im Betrieb und der Überwachung der Ausbildung. Vor allem in Krisen, also bei Einschränkungen, Stilllegung und Verlagerung des Betriebes kann der Betriebsrat die Aufstellung eines Sozialplanes erzwingen, in dem die wirtschaftlichen Nachteile für die Arbeitnehmer ausgeglichen oder abgemildert werden. Bei der Rettung von Jobs führt DGB-Chef Christian Z. Schmitz auch Beispiele aus der Region an: "Das Trierer Stahlwerk war eine große Aktion, Siegenia Aubi, Tectro, Telekom oder Ergocast weitere Fälle, wo Betriebsräte viel für Mitarbeiter erreicht haben." hw