1. Region
  2. Wirtschaft

Mehr Güter im Trierer Hafen als je zuvor

Mehr Güter im Trierer Hafen als je zuvor

In Deutschlands einzigem Güter-hafen der Mosel in Trier sind 2011 so viele Güter umgeschlagen worden wie noch nie in der 50-jährigen Geschichte. Und die Mengen sollen weiter zunehmen. Schon im Sommer wird ein neuer, 160 Meter langer Verlade-Kai eingeweiht.

Trier. Noch fahren die Schiffe bei Eiseskälte auf der Mosel; die Krähne löschen die Ladungen und hieven Container auf die leeren Transportschiffe. Wichtige Voraussetzungen, um den Kunden der Hafengesellschaft Trier ihre Arbeit zu ermöglichen. "Wir liefern die Infrastruktur für unsere Partner, die Gelände gepachtet haben und Nutzungsentgelte für die Löschung ihrer Ladung bezahlen", erklärt Volker Klassen, Geschäftsführer der Trierer Hafengesellschaft, das Prozedere. Klassen weiß, wovon er spricht. Immerhin ist er seit rund 16 Jahren bei der Hafengesellschaft aktiv, zu Jahresbeginn hat er das Geschäftsführeramt von seinem Vorgänger Lothar Weis übernommen.
2,4 Millionen Euro Umsatz


Dass die größten im Hafen ansässigen Unternehmen wie etwa das Groß-Tanklager Trevitank, die Trierer Container Terminal GmbH (TCT), die Theo Steil GmbH sowie das Trierer Stahlwerk (TSW) passgenaue Umschlagsmöglichkeiten zur Schiffseite wie zur Bahnseite haben, sichert den Betrieben die Geschäfte. Der Hafengesellschaft bescherten diese im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,4 Millionen Euro und den größten Güterumschlag in Trier-Ehrang seit Gründung des Hafens vor 50 Jahren mit rund 1,8 Millionen Tonnen. Wasserseitig kamen rund 1,1 Millionen Tonnen Güter in etwa tausend Schiffen an. Das waren - vor allem durch den hohen Ölpreis bedingt - zwar gut 100 000 Tonnen weniger als im Vorjahr. Auf Seiten der Bahngleise wurde jedoch das bislang beste Ergebnis überhaupt erzielt: 675 000 Tonnen Güter insgesamt auf 13 500 beladenen Waggons.
Und die Tonnage soll weiter steigen. So rechnet Volker Klassen mit einer Steigerung des Güterumschlags bis 2025 um 50 Prozent. "Die Binnenschifffahrt hat eine Menge Kapazitätsreserven", sagt der Hafen-Geschäftsführer. Folglich hat die Hafengesellschaft Trier mit ihren Anteilseignern - das Land Rheinland-Pfalz, die Stadt Trier und der Kreis Trier-Saarburg - vorgesorgt und will bis zur Feier des 50-jährigen Bestehens im September einen 160 Meter langen Kai auf der Westseite fertigstellen. Investitionssumme: 4,5 Millionen Euro. "Die Kaimauer ist kein Geschäft, mit dem wir heute Geld verdienen, sondern auf lange Sicht angelegt. Wir sind stolz darauf, alles ohne Zuschüsse zu finanzieren", sagt Klassen. "Dies ist eine Investition in die Zukunft und der Vorgriff auf die Kapazitätserweiterung." Dann werde es, so der Geschäftsführer, auch möglich werden, mehr Container und Massengüter umzuschlagen sowie Schwergut etwa in Form von Rotorblättern für Windkraftanlagen zu transportieren. Denn wenn es um Logistik geht, kommt es sowohl auf Masse als auch auf Schnelligkeit an. Und hier hat die Binnenschifffahrt nicht nur einen ökologischen, sondern auch einen ökonomischen Vorteil. Schon heute kann laut Klassen ein Diesel-Schiff die Strecke Rotterdam-Trier und zurück innerhalb von fünf Tagen erledigen. Die Alternative seien 50 Bahn-Waggons oder 20 Tank-Laster. So wird wohl auch in Zukunft Diesel und Öl das klassische Massengut der Schifffahrt bleiben (Anteil Ende der 90er Jahre: 90 Prozent, Anteil heute: 60 Prozent). Nichtsdestotrotz sucht die Hafengesellschaft nach Alternativgütern und neuen Kunden im Hafen. "Spannend wären die Themen Krankenhaus- und Getränkelogistik", sagt Volker Klassen. Sein größter Kummer sei jedoch die fehlende Vorratsfläche für interessierte Unternehmen. 3,5 Hektar Fläche sind derzeit noch frei. Zu wenig, um in Zukunft die Hafenaktivität auszubauen.Extra

Das vergangene Jahr war für die Güterschifffahrt auf der Mosel "kein so gutes Jahr", bilanziert Charlotte Kurz, stellvertretende Leiterin des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) in Trier. Gab es im Januar und Dezember gleich zweimal Hochwasser, so konnten die Schiffe im Herbst 2011 wegen des extremen Niedrigwassers nicht voll beladen werden. Da der Großteil der Güterschiffe vom Rhein her die Mosel zu Berg befahren, kamen auch weniger Rohstoffe über die Mosel nach Trier, Mertert (Luxemburg) und Neuves-Maisons (Frankreich). 2011 wurde insgesamt ein Gütertransportaufkommen von 12,6 Millionen Tonnen erreicht. Diese Gütermenge überschreitet zwar wieder deutlich die Kapazitätsgrenze der Mosel von zehn Millionen Tonnen, reicht aber nicht an die Spitzentransporte der Jahre 2006 und 2008 heran, wo teilweise mehr als 16 Millionen Tonnen über die Wasserstraße transportiert wurden. Was die Güterarten angeht, so unterscheidet das WSA nach den Transporten zu Berg, also moselaufwärts, und zu Tal, moselabwärts. So wurden fast ausschließlich zu Berg rund 3,7 Millionen Tonnen Braun-, Steinkohle und Koks transportiert. Ziel: die lothringischen Stahlwerke. Das macht fast ein Drittel des Gesamtgütertransports aus. Hinzu kommen bergwärts 1,6 Millionen Tonnen Erze und Metallabfälle sowie 1,2 Millionen Tonnen Erdöl und Mineralölerzeugnisse. Die Haupterzeugnisse zu Tal kommen aus der Landwirtschaft (2,8 Millionen Tonnen). Hinzu kommen 1,3 Millionen Tonnen Eisen, Stahl und Nichteisenmetalle sowie 0,5 Millionen Tonnen Sand, Kies, Steine und Erden. Schaut man auf die Personenschifffahrt, so hat die Schleuse Koblenz im vergangenen Jahr genau 1964 Fahrgastschiffe passiert. An der Schleuse Zeltingen gab es rund 5000 sogenannter Vorschleusungen. Noch in diesem Jahr soll in Fankel eine zweite Schleusenkammer ihren Betrieb aufnehmen. sas