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Mehr Sicherheit für Busreisende

Mehr Sicherheit für Busreisende

TRIER. Reisebusse gehören zu den sicheren Verkehrsmitteln. Passiert aber ein Unfall, werden oft viele Insassen verletzt oder gar getötet. Mit angelegtem Sicherheitsgurt könnte dies vermieden werden. Die Fachhochschule (FH) und die Uni Trier untersuchen diesen Sicherheitsaspekt in einem gemeinsamen Projekt. Ihr Ergebnis: Nur knapp 25 Prozent der Buspassagiere schnallen sich an. In PKW liegt die Quote bei über 90 Prozent.

An der FH in Trier herrscht aufgeregte Stimmung. Eine internationale Expertengruppe wird erwartet, die das Projekt zur Gurtnutzung in Reiseomnibussen bewerten soll: Seit 1999 müssen Fahrgäste in Deutschland Sicherheitsgurte tragen. Ab dem Jahr 2004 kann sogar ein Bußgeld in Höhe von 30 Euro verhängt werden. Mittlerweile gilt die Anschnallpflicht im Omnibus in ganz Europa. "Bislang existieren aber keine Untersuchungen zur Anschnallquote in Reiseomnibussen", sagt Teamleiter Peter Bach von der FH.Trierer unter den 13 besten Projekten weltweit

Gemeinsam mit vier Kollegen, Nils Carstengerdes, Benjamin Becker, Thomas Herold und Jana Walkowiak bildet er das Projektteam. Während solche Untersuchungen für PKW Standard sind, betritt das Trierer Forscher-Team weltweit Neuland. "Aus diesem Grund hat der Forschungsverbund Verkehrstechnik und Verkehrssicherheit in Eigenregie damit begonnen, dieser Fragestellung selbst nachzugehen", sagt Professor Norbert Bahlmann vom FH-Institut für Fahrzeugtechnik. Mit ihrem Projekt haben sich die Trierer auch an einem weltweiten Wettbewerb beteiligt. Zu den fünf besten Teams in Europa und den 13 besten in der Welt gehören sie schon. Das European Enhanced Vehicle - Safety Committee (EEVC) für Europa unter der Leitung von Dominique Césari kann nun das Projekt in die Endrunde der besten neun Teams in Lyon einziehen lassen. Was die Trierer Gruppe aus Studierenden und Doktoranden vorbereitet hat, kommt bei den Sicherheitsexperten gut an: Peter Bach und sein Team haben ein System für Omnibusse entwickelt, mit dem sich die Gurtanlegequote ermitteln lässt. In jedem einzelnen Sitz sind Sensoren eingelassen, die dem Team zeigen, ob und wann ein Passagier angeschnallt ist. Die Daten können direkt per mobilem Internet von dem Fahrzeug auf einen Rechner in Trier übertragen und ausgewertet werden. Die Firma Kylltal-Reisen aus Trier unterstützt das Vorhaben und stellt einen Omnibus zur Verfügung. 100 000 Messdaten wurden so zusammengetragen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur jeder vierte Mitfahrer in einem Reisebus schnallt sich an. In einem zweiten Schritt werden nun Maßnahmen geprüft und umgesetzt, wie das Verhalten verändert werden kann. Mit einer ersten Broschüre konnte das Anschnallverhalten schon leicht erhöht werden, sagt Nils Carstengerdes von der Uni Trier. Doch weitere Aktionen, wie etwa Piktogramme an den Plätzen oder ein einführendes Video analog zum Flugzeug, wären möglich. Die Kooperation zwischen FH und Uni, die seit 2003 auf diesem Gebiet besteht, zeigt also schon Früchte. Von Seiten der Fachhochschule sind an der Kooperation die Fachbereiche Technik (Institut für Fahrzeugtechnik mit Prof. Dr. Hartmut Zoppke und Prof. Dr. Norbert Bahlmann) und der Fachbereich Informatik (Prof. Dr. Rolf Linn) vertreten. Zum anderen wirkt der Fachbereich Psychologie (Abteilung Allgemeine und Kognitive Psychologie mit Prof. Wender) der Universität mit. Die Trierer sind optimistisch, den Sprung nach Lyon zu schaffen. Dort würden sie mit Gruppen aus Asien und Amerika konkurrieren, wie etwa der Stanford University oder der Tokyo University. Mit ihrem Beitrag haben sie jetzt schon den Grundstein gelegt, dass die Sicherheit in Reisebussen verbessert werden kann.