Meine Wirtschaftswoche

Erstmals in der Schuldenkrise der Euro-Zone hat auch Deutschland bei einer Versteigerung von Staatsanleihen seine Grenzen aufgezeigt bekommen. Bei einer Auktion neuer Bundesanleihen blieb die Bundesfinanzagentur auf etwa einem Drittel der Papiere sitzen.

Nun ist die Aufregung groß. Nicht gänzlich ohne Häme sprechen die anderen Eurostaaten von einem Misstrauensvotum gegenüber der Bundesrepublik. Das ist zwar kein Grund, die Refinanzierung Deutschlands als gefährdet anzusehen. Aber der Flop zeigt, dass die Zeiten der Bundesanleihen als sichere Anlage zu Ende gehen. Seit diesem Mittwoch ist es eine Tatsache, dass nicht mehr alle risikoscheuen Investoren ihr Geld aus anderen Staaten abziehen und es gerne in deutschen Anleihen parken, sei der Zins auch noch so niedrig. Die neue Bundesanleihe war mit einem Kupon über zwei Prozent ausgestattet. Laut der Bundesfinanzagentur war das der niedrigste Zinssatz, der jemals für Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren angeboten wurde. Damit kann Deutschland Schulden zu sehr günstigen Konditionen machen. Genauer gesagt verlieren Investoren viel Geld, da der Zinssatz der Anleihe unter der aktuellen Inflationsrate liegt. Doch das unbedingte Vertrauen in deutsche Staatspapiere ist nicht mehr da. Den Investoren wird bewusst, dass auch die Bundesrepublik nicht unantastbar ist. Dass die beste Bonität nicht gottgegeben sein muss, haben schon die USA und Frankreich erfahren. Sie stehen auf der Beobachtungsliste der Ratingagenturen. Je stärker die Euro-Zone in Richtung Abgrund schlittert, desto eher stellen sich die Investoren die Frage, wer das alles am Ende bezahlen soll. Für viele von ihnen scheint die Antwort klar: Deutschland. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch unter www.volksfreund.de/kolumne