Meine Wirtschaftswoche

Am kommenden Montag geht die Europäische Zentralbank als oberste Bankaufsicht in der Eurozone an den Start. Viele Kritiker sehen diese Konstellation allerdings sehr skeptisch.

Grund genug, einmal genauer hinzusehen. Was ist das Ziel der neuen Oberaufseher? Die Institution soll ganz genau hinschauen, welche Geschäfte mit welchen Risiken die 120 größten Banken in der Euro-Zone eingehen. Ursprung dafür ist - natürlich - die Bankenkrise von 2007, die das ganze Finanzsystem ins Wanken gebracht hat und die Steuerzahler noch heute Milliarden kostet. Unter die Lupe der Superaufseher geraten Institute mit mehr als 30 Milliarden Euro Bilanzsumme. Zwei Aufgaben unter einem Hut - geht das gut? Damit hat die EZB zwei Aufgaben vor der Brust, die sich gegenseitig behindern können. Zunächst einmal ist es Aufgabe der Europäischen Zentralbank, für die Wahrung der Preisstabilität in der Euro-Zone zu sorgen. Dafür pumpen beispielsweise die Eurohüter billiges Geld in die Tresore der Banken. Als Hüter der Finanzwirtschaft könnten Erkenntnisse über eine Bankenschieflage dann aber auch dazu führen, dass deshalb die EZB ihre weitere Geldpolitik lockert. Mit dieser Doppelrolle könnte die EZB schnell überfordert sein. Warum also nicht gleich eine eigenständige, unabhängige Aufsichtsbehörde?