Meine Wirtschaftswoche

Der schwache Euro-Kurs wirkt wie ein Antriebsturbo für die Exportwirtschaft. Seinen Startkurs zum Dollar von 1,17 im Jahre 1999 hat der Euro bereits unterschritten.

Zwar lag er schon einmal noch niedriger, aber die Euro-Dollar-Parität rückt näher. Ob die Flutung der Kreditmärkte mit allzu billigem Geld die Wirtschaft der Krisenländer in Schwung bringt, ist ungewiss. Gewiss ist, dass die Geldflut und der Euro-Verfall manches Unternehmen über seine wahre Stärke täuschen, die Euro-Weichmacher die Importe aus dem Dollarraum und manche Fernreise verteuern. Das einstige Versprechen, der Euro werde so hart wie D-Mark, ist längst gebrochen. Nun kommen zur Enteignung der Sparer durch die Null-Zins-Politik die Kaufkraftverluste hinzu. Die verbotene indirekte Staatsdefizit-Finanzierung durch die EZB, die nach dreisten Provokationen gemachten Reformzusagen der griechischen Regierung verlängern nur das Schuldendrama. Solange Steuerbetrug ein griechischer Volkssport ist, fehlt jedes Vertrauen. Die Währungsunion ist eine krisengeschüttelte Union mit Billionen Schulden. Verlassen können die Deutschen sie nicht. Dazu sind die Euro-Länder zu weit miteinander verflochten und zu einer Schicksalsgemeinschaft geworden. Aber eines können sie: darauf bestehen, dass Vertragstreue und Haushaltsdisziplin nicht vollends zur Illusion werden, Reformzusagen eingehalten werden und dem bereits Hunderte Milliarden hohen Haftungsrisiko für den Steuerzahler nicht immer neue Risiken hinzugefügt werden. Kein Land darf über seine Verhältnisse und auf Kosten anderer leben. Parteien, die das zulassen, vertreiben ihre Wähler. Der Autor ist ehemaliger Handelsblatt-Chefredakteur. Diese und weitere Kolumnen finden Sie auch online unter volksfreund.de/kolumnen