Meine wirtschaftswoche

Nicht jeder Ärger im Betrieb ist Mobbing. Weil die Definition unklar ist, sollte man auch gegenüber Umfragen skeptisch sein.

Aber wenn ein Mitarbeiter vom Chef oder seinen Kollegen systematisch schikaniert, fälschlicherweise beschuldigt, gequält, lächerlich gemacht, beschimpft oder gedemütigt wird, dann wird er gemobbt. Schließlich lässt sich so der unliebsame Kollege am schnellsten aus dem Betrieb herausekeln und der Kündigungsschutz unterlaufen. Mobbing ist zwar eine Unternehmensunkultur, vergiftet das Arbeitsklima, provoziert Krankschreibungen und hohe Fluktuation, aber erscheint Arbeitgebern oder Kollegen manchmal als der leichteste Weg, Personalprobleme zu lösen. Ganz so leicht sollten es Mobbingopfer den Mobbern nicht machen. Sie sollten die Vorfälle ungerechter Behandlung schriftlich mit Datum festhalten und den Mobber um eine Aussprache bitten. Ein Mitglied des Betriebsrats oder ein allgemein respektierter Kollege sollte dabei sein. Manchmal ist dem Mobber seine verletzende Art nicht bewusst. Auf keinen Fall sollte ein Mobbingopfer Kontra geben. Das könnte einen Konflikt verschärfen, statt ihn zu lösen. Hilft ein klärendes Gespräch nicht, bleibt die Bitte um Versetzung oder der Vorschlag, sich gütlich mit einer Abfindung zu trennen, denn Mobbing macht auf die Dauer krank. Die Kündigung mag schwerfallen, wenn man seine Arbeit liebt und möglicherweise eine Abfindung riskiert. Aber Gesundheit ist ein hoher Wert. Ein mobbender Betrieb unterschätzt das Risiko. Sprechen sich seine Praktiken herum, wird er angesichts des Facharbeitermangels kaum noch gute Mitarbeiter finden. Der Autor ist ehemaliger Chefredakteur des Handelsblatts und Buchautor. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne