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Milch-Preise: Sinkflug geht weiter

Milch-Preise: Sinkflug geht weiter

TRIER. Weil die Milch-Union Hocheifel (Muh) frühzeitig einen Vertrag mit dem Lebensmitteldiscounter Aldi abgeschlossen hat, hat sich die Pronsfelder Molkerei den Zorn des Bauernverbands zugezogen. Gemeinsam mit zwei anderen Firmen wird die Muh jetzt öffentlichkeitswirksam als Preisbrecher gebrandmarkt.

Wie es hätte laufen können, wenn sich alle an die Abmachungen gehalten hätten, zeigt nach Meinung des Deutschen Bauernverbands das Beispiel Käseproduktion. Dort sei es den Molkereien in der diesjährigen Verhandlungsrunde mit dem Lebensmitteleinzelhandel teilweise gelungen, deutliche Preiserhöhungen gegenüber dem Vorjahr durchzusetzen. 10 bis 20 Cent mehr als im Vorjahr zahle etwa das bei Käse führende Handelsunternehmen Metro. Einen ähnlich guten Abschluss hätten sich die Bauernfunktionäre in diesem Jahr auch bei der Milch erhofft. Dafür waren in den letzten Monaten tausende Landwirte bundesweit auf die Straßen gegangen, hatten mit Aktionen wie "Raus aus der Billig-Butter" oder "Wir geben keine Billig-Milch" gegen den Preisverfall ihrer Produkte in den Lebensmittelläden und gegen weitere Einkommenseinbußen protestiert. Seit einigen Tagen aber ist die Hoffnung, dass der "Käse-Musterabschluss" auch bei den laufenden Verhandlungen für frische und haltbare Trinkmilch Pate stehen könnte, dahin. Nach Informationen des Deutschen Bauernverbands haben die drei Molkereien Milch-Union Hocheifel, Campina und Müller-Milch frühzeitig neue Kontrakte mit dem Lebensmitteldiscounter Aldi abgeschlossen. "Zu den gleichen Konditionen wie im Vorjahr beziehungsweise bis zu einem Cent darunter", wollen Insider erfahren haben. Heißt im Klartext: Die Bauern, die den betreffenden Molkereien ihre Milch abliefern, werden dafür in den nächsten zwölf Monaten nicht mehr Geld bekommen, eher noch etwas weniger. Dabei klagen die meisten Milchlandwirte schon heute, dass ihre Erträge (im Schnitt etwa 27 Cent pro Liter) die Produktionskosten (32 Cent) nicht mehr decken. Die ganze Hoffnung ruhte daher auf der diesjährigen Verhandlungsrunde zwischen Molkereien und Lebensmitteldiscountern. "Gemeinsam hart bleiben", hatten sich die deutschen Milchunternehmen (rund 100 Firmen bundesweit sind genossenschaftlich organisiert, also im Besitz der Landwirte) auf die Fahnen geschrieben, um so ihre Verhandlungsposition gegenüber den Lebensmittelriesen zu verbessern. Nachdem Milch-Union, Campina und Müller-Milch allerdings vorgeprescht sind und erste Verträge abgeschlossen haben, dürfte die komplette Phalanx aus Molkereien, Bauernverband und Landwirten zusammenbrechen. Unternehmen, die für ihre Milch bis dato noch keine Verträge mit Abnehmern abgeschlossen haben (die Kontrakte werden in der Regel im Mai für zwölf Monate gemacht), müssen sich nun schleunigst darum bemühen. Grundlage aller weiteren Preisverhandlungen, das ist klar, sind die "Aldi-Abschlüsse". Dass Molkereien bei Lidl oder Penny bessere Konditionen für ihre Milch erzielen können, halten Experten für ausgeschlossen. "Die Preisspirale wird sich weiter nach unten drehen", prognostiziert ein Insider. Der Protest der deutschen Milchbauern war damit letztlich wohl nicht viel mehr als ein Sturm im Wasserglas.