Milchdurst der Chinesen hilft Landwirten

Pronsfeld/Thalfang · Der Milchpreis für die Landwirte marschiert auf die 40 Cent je Liter zu. Eine hohe, weltweite Nachfrage und ein knappes Angebot an Milch verspricht den Landwirten nach schweren, kaum einträglichen Monaten wieder bessere Zeiten. Verbraucher müssen indes mit Preissteigerungen bei Milch, Sahne, Quark und wohl auch noch bei Käse rechnen.

 Milch für China: Der asiatische Markt steht bei Arla Foods hoch im Kurs. Foto: Arla

Milch für China: Der asiatische Markt steht bei Arla Foods hoch im Kurs. Foto: Arla

Während so mancher Verbraucher beim Einkauf von Milch, Butter oder Quark etwas stöhnt, können Tausende Milchbauern in der Region derzeit wieder etwas durchatmen. Seit einigen Wochen klettert der Milchpreis für die Landwirte wieder. Im September haben die Bauern rund 27 Cent für den Liter Milch von ihrer Molkerei bekommen, derzeit liegt der Auszahlungspreis bei gut 34 Cent.

In vielen Fällen kommen noch Qualitätszuschläge von einigen Cent drauf: Es wird wieder Geld mit der Milch verdient, erzählt ein Landwirt. Bei den gestiegenen Futtermittelkosten und den hohen Energiekosten könne man erst ab 32 Cent auskömmlich wirtschaften. "Das ist sehr wichtig für die Landwirte", sagt Wolfgang Rommel, Pressesprecher der Arla Foods mit Standort Pronsfeld. Das vergangene Jahr sei für viele Landwirte enttäuschend und nicht kostendeckend gewesen.

Dabei gibt es viele Gründe, die den Milchpreis nach oben katapultiert haben. In den ersten Monaten des Jahres war es sehr kalt. Die Kühe haben weniger Milch gegeben. Aber auch international ist der Rohstoffmarkt eingebrochen. In Neuseeland, weltweit einer der wichtigsten Milchexporteure, hat eine große Dürre die Milchproduktion einbrechen lassen. Die weltweite Nachfrage nach Milch aus Europa und Deutschland ist gestiegen.Hochwald setzt auf Export


"Der Export ist bereits seit Jahren für unser Unternehmen ein wichtiges Standbein, das wir kontinuierlich weiter ausbauen", sagt Karl-Heinz Engel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hochwald Foods GmbH. Schon jetzt sei der Exportanteil bei fast 40 Prozent.
In Asien, insbesondere in China, wachse der Markt für Milchprodukte stark. Engel: "Hier spielt der Melamin-Skandal eine Rolle, der das Vertrauen in heimische Milchverarbeitung erschüttert hat. Hochwald exportiert seit mehreren Jahren nach China, unser Umsatz des ersten Quartals 2013 war höher als der gesamte Jahresumsatz 2012."

Aber China sei nur einer der Zielmärkte, 2012 habe die Hochwald-Gruppe in 122 Länder exportiert. Eine weitere Kernregion sei der arabische Raum. In Dubai habe das Unternehmen mit Hauptsitz in Thalfang (Landkreis Bernkastel-Wittlich) im vergangenen Jahr die Tochtergesellschaft Hochwald Foods DMCC gegründet, die sich um den Vertrieb in den arabischen Ländern und in Nordafrika kümmere.Arla: China-Geschäft ausbauen


Mit der Fusion der Milch-Union Hocheifel (Muh/Herbst 2012) mit dem Molkereikonzern Arla steht der Pronsfelder Molkerei die Welt offen. H-Milch aus Pronsfeld geht jetzt schon nach China und soll die Arla-Geschäfte dort weiter unterstützen. "Arla hat im vergangenen Sommer ein Abkommen mit der chinesischen Molkerei Mengniu abgeschlossen", erklärt Wolfgang Rommel. China sei mit seinen 1,3 Milliarden Menschen der am schnellsten wachsende Markt der Welt. Mit dem Abkommen sichert sich Arla Vermarktungswege. Doch gleichzeitig baut der europäische Molkereiriese auch mit seinem chinesischen Partner ein Wissenschaftszentrum auf, um die Milchwirtschaft in Asien zu unterstützen. 2011 hat Arla rund 100 Millionen Euro in China umgesetzt. "Bis 2016 wollen wir den Umsatz auf 500 Millionen steigern", sagt der Arla-Sprecher.

Die beiden Konzerne investieren -zig Millionen, um weiter am weltweiten Markt erfolgreich zu sein. Hochwald-Chef Karl-Heinz Engel ist von der Strategie überzeugt: "Wir konzentrieren uns nicht nur auf einen Markt oder ein Produkt, sondern setzen auf Diversifizierung. Alle Investitionen der letzten Jahre waren auf das Wachstum der Weltmärkte ausgerichtet", erklärt er.

Zum Beispiel werde der Standort in Thalfang ausgebaut, an dem neben Kondensmilch für den Export auch Butter und Milchpulver hergestellt werden. Derzeit wird eine weitere Dosenabfüll-Linie installiert. Im Herbst wird der Ausbau des Werkes abgeschlossen, die Kapazität nach der Erweiterung wird bei rund 300 Millionen Kilogramm Milch liegen.

Am Standort im hessischen Hünfeld würden ebenfalls die Produktionskapazitäten erweitert. Etwa 60 Millionen gehen in den Ausbau des Standortes. "In diesem Werk produzieren wir Pasta Filata und Mozzarella für den Export, zum Beispiel nach Italien. Darüber hinaus investiert Hochwald am Produktionsstandort in ein neues Werk zur Trocknung und Entmineralisierung von Molke, so Engel. Mit einem internationalen Hersteller von Babynahrung habe Hochwald einen langfristigen Liefervertrag geschlossen.Pronsfeld wird ausgebaut

"Am Standort Pronsfeld investiert Arla zwischen 80 und 90 Millionen Euro in den Ausbau", erklärt Arla-Sprecher Wolfgang Rommel. Im September 2013 soll der neue Trockenturm die Produktion aufnehmen, Anfang 2014 wird Milch in Pronsfeld in der neuen Butterei verarbeitet. Zudem ist der Standort für Arla das Kompetenzzentrum für H-Milch. Bereits seit November 2012 geht Milch aus Pronsfeld nach China.
Die beiden Molkereien setzten bei ihrer Strategie auf eine Vielfalt an Verwertungsschienen. Für die Landwirte ist das die Perspektive, dass die Molkereien Milch dort verarbeiten, wo die besten Preise zu erzielen sind. Für die Verbraucher könnte dies allerdings heißen, die Zeiten der absoluten Tiefstpreise sind vorbei.Extra

 Beim chinesischen Verbraucher sind Milchprodukte aus Thalfang von Hochwald gefragt. Foto: Hochwald

Beim chinesischen Verbraucher sind Milchprodukte aus Thalfang von Hochwald gefragt. Foto: Hochwald

Arla Foods ist eine Molkerei mit Produktionsstandorten in 13 Ländern. Weltweit ist es die viertgrößte Molkereigenossenschaft. Im Herbst 2012 trat die Milch-Union Hocheifel der Molkerei bei. Am Standort Pronsfeld arbeiten knapp 900 Mitarbeiter. Weltweit beschäftigt die Genossenschaft mehr als 18 000 Mitarbeiter und hat rund 12 300 Anteilseigner. Die Hochwald-Molkerei mit ihrem Hauptsitz in Thalfang beschäftigt in der Gruppe 1630 Mitarbeiter. Wichtige Marken sind Bärenmarke, Glücksklee und Lünebest, Elinas und Happy Joghurt sowie Poppenburger (Würstchen). Exportmarken sind Bonny, Milcow, Mana und Happy Day. Das Unternehmen verarbeitet Milch von etwa 6000 Lieferanten. hw

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