Millionenschaden durch Fälschungen - Zoll stellt mehr Plagiate sicher

Millionenschaden durch Fälschungen - Zoll stellt mehr Plagiate sicher

Mehr gefälschte Produkte, mehr Drogen: Die Fahnder des Hauptzollamtes Koblenz stellten im vergangenen Jahr deutlich größere Mengen von Plagiaten und Rauschgift sicher.

Koblenz/Trier. Die Taschen, Uhren, der Schmuck und die Kleider sollten nach Osteuropa gehen. Doch den Zöllnern auf dem Flughafen Hahn kam die Sendung im März 2013 verdächtig vor, sie vermuteten, dass es sich um gefälschte Markenprodukte handeln könnte. Die Beamten hatten damit einen guten Riecher. Über 1000 sogenannter Plagiate stellten sie vor einem Jahr sicher. Kein Einzelfall. Alleine am Flughafen Hahn stellte der Zoll im vergangenen Jahr 38 000 gefälschte Einzelartikel sicher. Insgesamt wurden im Bereich des Hauptzollamtes Koblenz, das für Gesamt-Rheinland-Pfalz zuständig ist, 2013 deutlich mehr dieser sogenannten Plagiate sichergestellt, als im Jahr zuvor, sagte Behördenleiter René Borm gestern bei der Vorstellung der Jahresbilanz. 8,8 Millionen Euro wäre der Wert der Originalware gewesen. Durch geschickte Fälschungen sind die Plagiate aber oft nicht von den echten Markenprodukten zu unterscheiden. Nur durch aufwendige Gutachten kann festgestellt werden, dass es sich um Produktpiraterie handelt. Die gefälschten Produkte werden täuschend echt den Originalwaren nachgeahmt und unter deren Namen verkauft. Den Markenherstellern entsteht dadurch ein Milliardenschaden.

Besonders beliebt seien edle Taschen, Kleider oder auch Sportschuhe, sagt Zollsprecher Thomas Molitor. Aber auch Medikamente. Immer wieder fische der Zoll aus Postsendungen von außerhalb der EU Packungen mit gefälschten oder in Deutschland nicht zugelassenen Medikamenten, wie etwa angeblichen Schlankheitspillen oder Potenzmitteln, heraus. In diesem Zusammenhang weist Molitor daraufhin, dass es verboten sei, sich Medikamente aus dem Ausland nach Deutschland schicken zu lassen. Auch aus EU-Ländern dürften keine Arzneimittel nach Deutschland geschickt werden.

Strafbar machen sich in erster Linie die Verkäufer - falls diese überhaupt dingfest gemacht werden können. Die Empfänger gingen in der Regel straffrei aus, wenn sie nachweisen könnten, dass sie nicht gewusst haben, dass es sich um gefälschte Produkte handelt und sie diese auch nicht weiter verkaufen wollten, so Molitor.

Erfolgreich waren die Zollfahnder auch bei der Bekämpfung der Drogenkriminalität. 37 Kilogramm der künstlich hergestellten Droge Amphetamin wurden im vergangenen Jahr sichergestellt, davon allein 30 Kilogramm bei einer Kontrolle in der Eifel. Die Eifel gilt wegen ihre Nähe zu Belgien und den Niederlanden immer noch als die Hauptdrogenroute im Land. Immer wieder greifen die Zöllner bei ihren regelmäßigen Kontrollen Drogenschmuggler auf. Daneben entwickelt sich der Hahn zunehmend zum Drogenumschlagsplatz. So stellten Zöllner im vergangenen Jahr bei drei Briten bei der Ausreise insgesamt 49 Kilogramm Marihuana sicher. Im Laptop eines Deutschen entdecken sie, dank eines Rauschgiftspürhunds, 50 Gramm Haschisch.

Nicht nur Drogen- sondern auch Schwarzgeldschmuggler jagen die Zöllner. Regelmäßig würden die bekannten Wege aus Luxemburg kontrolliert, sagt Borm. Über fünf Millionen Euro seien so im vergangenen Jahr sichergestellt worden. Insgesamt hat das Hauptzollamt 2013 rund eine Milliarde Euro eingenommen. Das meiste davon stammt aus sogenannten Verbrauchssteuern, also etwa aus Mineralölsteuern, oder der für Brauereien fälligen Biersteuer und der Schaumweinsteuer für die Sektherstellung. 692 Millionen Euro betrugen die Einnahmen aus diesen indirekten Steuern.

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