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Minijobs: Ländlich, westlich, weiblich

Trier. Etwa 155 000 Beschäftigte arbeiten in der Region Trier. Seit Jahren ist die Arbeitslosenzahl auf einem niedrigen Niveau, und die positive Entwicklung setzt sich fort. Doch daneben zeigt sich auch: Es werden immer mehr Jobs in Teilzeit geschaffen. Heribert Waschbüsch

Trier. Schon jede fünfte Arbeitsstelle in der Region Trier ist eine Teilzeitstelle. Damit liegt die Entwicklung in der Stadt Trier und in den vier Landkreisen der Region im Bundestrend. Zudem ist der Bereich der Teilzeit in den vergangenen fünf Jahren weitaus schneller gewachsen als die Vollzeitbeschäftigung, wie die Agentur für Arbeit in Trier berichtet. Thomas Mares, Pressesprecher der Arbeitsagentur: "In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Vollzeitbeschäftigten lediglich um 4,5 Prozent gestiegen, während bei den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Teilzeitkräften eine Steigerung um fast 24 Prozent zu verzeichnen war." Die gut 35 000 Unternehmen in der Region haben in dem Zeitraum 11 600 neue Arbeitsstellen geschaffen. Davon wurden 6100 als Teilzeitjobs angeboten und 5400 in Vollzeit.
Teilzeit ist Frauendomäne



Dabei ist Teilzeit ganz deutlich eine Frauendomäne: Von den etwa 32 000 Teilzeitkräften in der Region sind fast 28 000 Frauen nicht über die volle Wochenarbeitszeit im Einsatz. Für Claudia Manger, die Beauftragte für Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit, ist dies durchaus verständlich: "Teilzeitarbeit wird überwiegend in Dienstleistungsbranchen angeboten, und gerade in diesen Berufen arbeitet der größte Teil der Frauen. Für viele ist eine Beschäftigung in Teilzeit die Variante, bei der sich der Wunsch nach einem eigenen Einkommen mit den Aufgaben in der Familie kombinieren lässt."
Doch Vorsicht - der Job mit reduzierter Stundenzahl hat nach Ansicht von Expertinnen zwei Seiten. WSI-Forscherin (Hans Böckler Stiftung) Christina Klenner: "Einerseits hilft er, Erwerbsarbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Andererseits bleiben viele Frauen mit Teilzeittätigkeit eher am Rande des Arbeitsmarkts stecken."
Für Männer ist Teilzeit vielfach ein Fremdwort: nur 4200 von über 83 000 männlichen Arbeitnehmern sind in Teilzeit.
Auch im Bereich der geringfügig Beschäftigten ist die Zahl der Menschen deutlich gestiegen, von 48 500 (2006) auf 54 500 im vergangenen Jahr. Diese Zahl kommt zu den gut 150 000 sozialversichert Beschäftigten hinzu.
Besonders auffällig ist die Entwicklung im Landkreis Trier-Saarburg (siehe Extra II).
Nahezu zwei Drittel der Beschäftigten in den Minijobs sind Frauen. Bei den 400-Euro-Jobs zahlt der Arbeitgeber zwar eine Pauschale in die Sozialversicherung ein, der Arbeitnehmer hat aber daraus keine Rechte auf Rente oder Arbeitslosengeld.
37 000 Minijobber sind ausschließlich geringfügig beschäftigt. "Darunter sind aber eben auch Schüler oder Rentner mit kleinen Nebenjobs", erklärt Thomas Mares, und zu den 16 000, die einen Minijob neben einem Hauptjob hätten, zählten auch viele Trainer oder Betreuer in Sport- und Kulturvereinen. Doch darüber hinaus trifft es auch Menschen, die keinen anderen Job finden oder als Alleinerziehende keine Alternative zu einer zeitlich befristeten Beschäftigung haben.
DGB kritisiert Entwicklung


Christian Z. Schmitz, DGB-Geschäftsführer für die Region Trier, hat erst kürzlich den Anstieg bei Teilzeit- und Minijobs als Fehlentwicklung kritisiert. Die niedrigen Arbeitslosenzahlen in der Region würden darüber hinwegtäuschen, dass viele Arbeitssuchende nicht in Vollzeitbeschäftigung kämen, so der Trie rer DGB-Chef. "Die Zunahme an 400-Euro-Jobs in den letzten Jahren in der Region ist fast ausnahmslos an Menschen gegangen, die bereits arbeiten und die einen 400-Euro-Job zusätzlich als Nebenjob brauchen, um finanziell über die Runden zu kommen", so Schmitz. Die Menschen seien von der Politik in irgendeine Arbeit, wie etwa die Leiharbeit, getrieben worden. Hauptsache, sie seien aus der Arbeitslosenstatistik verschwunden. Hier fordert der DGB-Geschäftsführer ein Umdenken.Extra

Minijobs: Ländlich, westlich, weiblich, titelte die Hans Böckler Stiftung bei einer Untersuchung zur atypischen Beschäftigung. Demnach sei der Anteil der Minijobber im Westen besonders in den Landkreisen sehr hoch. Das liege daran, dass dort viele Paare eine traditionelle Arbeitsteilung pflegten - der Mann verdient Geld, die Frau kümmere sich um die Familienarbeit und steuere einen Teil zum Familieneinkommen bei. Den Spitzenwert fanden sie im Landkreis Trier-Saarburg: Dort werden 42,2 Prozent aller Frauenarbeitsplätze mit maximal 400 Euro vergütet. In den anderen Kreisen der Region liegt dieser Anteil bei etwa 37 Prozent. "Trier-Saarburg ist eine Ausnahme", sagt Agentur-Sprecher Mares, weil der Kreis wie ein Speckgürtel um die Stadt liege und sich die Fahrt dorthin bei wenig Stunden oft nicht lohne. hwExtra

Mehr als jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland arbeitet im Niedriglohnsektor (weniger als 9 Euro/Stunde), so das Institut der deutschen Wirtschaft (iwd). Daraus entstehe aber keine gesteigerte Armutsgefährdung. Davon seien vielmehr Arbeitslose, nämlich 56 Prozent, betroffen, aber auch jeder vierte Schüler und Student über 16 Jahre. Das Risiko, dass das Haushaltseinkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt, haben zudem zwölf Prozent der Rentner und über 16 Prozent der Geringverdiener. Nur 2,4 Prozent der Normalverdiener müssen Armut fürchten. Laut iwd ist "ein Niedriglohn für viele die einzige Chance, überhaupt wieder eine Arbeit zu finden". 59 Prozent der ehemals armutsgefährdeten Personen schafften es durch einen Niedriglohnjob, aus ihrer Lage herauszukommen. hw