Mit 60 ist bei vielen Schluss

Geht es nach den Plänen der Bundesregierung, dann müssen die deutschen Arbeitnehmer künftig bis 67 Jahre arbeiten. Das wird viele Unternehmen in der Region vor Probleme stellen. Denn ältere Beschäftigte sind selten.

Trier. "Mit 66 ist noch lange nicht Schluss", sang einst Udo Jürgens. Auch die Bundesregierung ist der Meinung: "Mit 66 Jahren, da kommt man erst in Schuss." Sie will das Renteneintrittsalter von derzeit 65 schrittweise auf 67 Jahre anheben. Das setzt aber voraus, dass überhaupt noch solange gearbeitet wird. Schaut man sich nämlich die Beschäftigungsstatistiken an, stellt man fest, dass es nur wenige Arbeitnehmer gibt, die älter sind als 60. In der Region sind gerade mal rund 4,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten 60 Jahre und älter. Offenbar schicken noch immer viele Unternehmen ihre Beschäftigten weit vor der Rente in den Ruhestand.

Altersstruktur hängt auch von der Branche ab



Laut Statistik der Trierer Arbeitsagentur waren Ende vergangenen Jahres von rund 149 000 Arbeitnehmern 6300 ältere Arbeitnehmer über 60. Gleichzeitig sind rund 10 000 Ältere in geringfügig bezahlten Jobs beschäftigt.

In Trier waren laut Angaben des Statistischen Landesamtes im vergangenen Jahr von knapp 28 000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten 950 zwischen 60 und 65 Jahren, im Kreis Bernkastel-Wittlich waren es 1334 von rund 38 000, im Eifelkreis Bitburg-Prüm 938 (26 000), in Trier-Saarburg 1386 (41 000) und im Vulkaneifelkreis 648 (19 500). Hinzu kommen in der gesamten Region noch rund 1000 Beschäftigte, die trotz Überschreitung des offiziellen Rentenalters von 65 noch arbeiten.

Betrachtet man die einzelnen Branchen, fällt die Zahl der über 60-Jährigen, die noch aktiv im Berufsleben stehen, sehr unterschiedlich aus. Mit insgesamt knapp über 13 000 Beschäftigten stellt das Gesundheitswesen mit den Krankenhäusern und Arztpraxen die größte Branche in der Region dar. Doch gerade einmal 371 dort Beschäftigte waren Ende vergangenen Jahres über 60. Die verhältnismäßig meisten älteren Arbeitnehmer finden sich in der öffentlichen Verwaltung. Von den dort 10 000 Tätigen waren rund 750 in dieser Altersgruppe. Auch im Einzelhandel, dem zweitgrößten Arbeitgeber in der Region, sind nur wenige Beschäftigte, die 60 Jahre und älter sind. Von rund 13 000 Arbeitnehmern sind es 470.

Trotz allem liegt die Region im landesweiten Vergleich bei der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer nicht schlecht. 2008 waren rund 17 Prozent aller Arbeitnehmer zwischen Eifel und Hunsrück älter als 55 Jahre - landesweit lag der Anteil bei 15 Prozent.

Einen Beleg für den geringen Anteil der Älteren an Werkbänken und Schreibtischen liefern auch Zahlen der gewerkschaftsnahen Hanns-Böckler-Stiftung. Nach Berechnungen von vor sechs Jahren lag das durchschnittliche Alter, in dem Arbeitnehmer altersbedingt ihren Arbeitsplatz verlassen haben, bei knapp über 60 Jahren. In Trier lag es bei 60,4 Jahren, in Trier-Saarburg bei 61, im Eifelkreis Bitburg-Prüm bei 60,6, im Vulkaneifelkreis bei 61,1 und im Kreis Bernkastel-Wittlich bei 60,9 Jahren.

Zwischen dem Eintritt in den Ruhestand und dem Erhalt der vollen Rente liegen in der Regel noch ein paar Jahre. Nach Auskunft der Rentenversicherung Rheinland-Pfalz liegt das tatsächliche Rentenalter in der Region bei 63,5 Jahren, im landesweiten Durchschnitt sind es 63,3 Jahre, bundesweit liegt das Rentenalter bei 63,1 Jahren. extra Mit Streiks hat gestern in Frankreich ein neuer Protesttag gegen die von Präsident Nicolas Sarkozy geplante Rentenreform begonnen. Die Gewerkschaften wollen Änderungen an den Reformplänen erzwingen, die eine Anhebung des Renteneintrittsalters vorsehen. Wer mindestens 40,5 Jahre Beiträge gezahlt hat, kann derzeit in Frankreich mit 60 Jahren die volle Rente kassieren. Diese Altersgrenze soll bis 2018 auf 62 Jahre angehoben werden. Wer nicht lange genug gearbeitet hat, soll künftig erst mit 67 eine volle Rente erhalten. Bislang war dies mit 65 Jahren möglich. Laut einer Umfrage unterstützen 63 Prozent der Franzosen die Streikenden.