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Mit Bommelmützen auf den dritten Platz beim "Junior"-Bundeswettbewerb in Berlin

Mit Bommelmützen auf den dritten Platz beim "Junior"-Bundeswettbewerb in Berlin

Sie haben geplant, kalkuliert, produziert, vermarktet und verkauft: 16 Zwölftklässler der Trierer Berufsbildenden Schule (BBS) Wirtschaft managten ein Jahr lang ihr eigenes Unternehmen - und das so erfolgreich, dass sie für ihre Wollmützen-Geschäftsidee beim "Junior"-Bundeswettbewerb in Berlin mit dem dritten Platz ausgezeichnet wurden. In ihrer heutigen Hauptversammlung ziehen die Jungunternehmer Bilanz.

Trier. ReBo, das steht für "reflektierende Bommelmützen". Und es ist der Name des Unternehmens, das neun Oberstufenschülerinnen und sieben -schüler der BBS Wirtschaft im nun zu Ende gehenden Schuljahr ins Leben gerufen und geführt haben. Für ihre Leistungen sind die Zwölftklässler in Berlin beim Bundeswettbewerb des Schülerfirmenprogramms "Junior" (siehe Extra) ausgezeichnet worden: Nachdem sie sich im Mai auf Landesebene durchgesetzt hatten, reisten sie Ende Juni zur Preisverleihung im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie - und wurden zur drittbesten Schülerfirma Deutschlands gekürt.
Ein krönender Abschluss für das Projekt: Heute zieht die Firma in ihrer letzten Hauptversammlung Bilanz. Dabei müssen die Jungunternehmer auch vor ihren Anteilseignern Rechenschaft ablegen. An die 80 Personen haben das Projekt mit dem Kauf von Anteilen unterstützt, darunter die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die SPD-Bundestagsabgeordnete Katarina Barley, der CDU-Landtagsabgeordnete Arnold Schmitt, Horst Schreiber, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Trier, sowie Volksfreund-Geschäftsführer Thomas Marx.Wie in der Wirtschaft


Das ist das Prinzip des Schülerfirmenprogramms "Junior": Alles ist so wie im echten Wirtschaftsleben. Einen Geschäftsplan sowie Marketingstrategien zu entwickeln gehörte ebenso dazu wie die Errechnung der Lohnkosten. Im Fall von ReBo betrug der Stundenlohn der Firmenmitarbeiter 50 Cent netto. Auch die Lohnneben- sowie Produktionskosten kalkulierten die Schüler und führten Körperschaftsteuer ab. So kamen sie schließlich auf einen Preis von 15 Euro pro Wollmütze, wobei ein Euro an den Trierer Förderverein krebskranker Kinder ging. Den Gewinn haben die Jungunternehmer stets reinvestiert - zum Beispiel, um allen die Berlinfahrt zu finanzieren.
Vorstand, Verwaltung, Finanzbuchhaltung, Marketing- und Technik-Abteilung: Die Aufgaben waren klar verteilt. Die Produktion der Mützen, deren Bommeln im Dunkeln leuchten, wurde "ausgelagert": Bewohnerinnen von Seniorenresidenzen, Mitglieder der Frauengemeinschaft Konz und weitere Privatpersonen, alle sogenannte "helfende Elfen", strickten für ReBo. Die Bommeln, versetzt mit reflektierendem Garn, entstanden in der Technik-Abteilung. Die mehr als 200 Mützen, darunter auch eine Sonderedition, sind bereits alle verkauft.
"Die größte Herausforderung war es, das ganze Projekt zum Laufen zu bringen", erinnert sich der erste Vorsitzende Thomas Schleimer. Schließlich kümmerten sich die Schüler neben ihrem regulären Unterricht um die Firma. Die zwei Schulstunden pro Woche, die ihnen zur Verfügung gestellt wurden, reichten nicht aus: Oft trafen sie sich zusätzlich nachmittags oder abends. Und das vollkommen freiwillig: Bei vielen anderen Schülerfirmen schlägt sich das Engagement in Zeugnisnoten nieder. An der BBS ist das nicht der Fall - was gewährleistet, dass allein die Sache selbst die Schüler motiviert. "Dadurch bekommt das Projekt eine ganz andere Qualität", sagt Berufsschullehrer Jürgen Schmidt, einer von vier Projektpaten. Alle erhalten aber eine Teilnahmebescheinigung, die Engagiertesten mit herausragenden Leistungen zudem ein Arbeitszeugnis.
Gelernt haben die 16 jede Menge - und zwar nicht nur angewandte Betriebswirtschaft. Schmidt, der die Schülerfirmen seit 1999 betreut, bemerkt immer wieder eine "ganz außergewöhnliche persönliche Entwicklung" bei den Teilnehmern. Im Unterricht sei jeder Schüler ein Einzelkämpfer, im gemeinsamen Unternehmen aber Teil eines Teams. Vor allem die Problem- und Konfliktlösefähigkeit werde gestärkt, so Schmidt. Auch die Schüler selbst berichten von manch interner Diskussion über Vorgehensweisen. Sich selbstständig zu machen sei gar nicht so einfach, wie man vielleicht immer denke, merkt der zweite Vorsitzende Joël Piegsda an. Und Thomas Schleimer ergänzt: "Wir haben Erfahrungen gesammelt, die uns haben reifen lassen. Das kann uns keiner mehr nehmen."
Bei der heutigen Hauptversammlung wird sich ReBo offiziell auflösen. Im nächsten Schuljahr beginnen die Nächsten mit ihrer eigenen Geschäftsidee, während sich die ehemaligen ReBo-Mitarbeiter ihrem Abitur widmen.
Und danach? Auf die Frage, wer sich vorstellen kann, später sein eigenes Unternehmen zu gründen, meint Pauline Kühlwein, ReBos Marketingchefin, mit einem vieldeutigen Lächeln: "Man weiß ja nie, was kommt."

www.rebo-trier.jimdo.comExtra

"Junior" ist ein Schülerfirmenprogramm der Institut der deutschen Wirtschaft Köln Junior gemeinnützige GmbH, das bundesweit seit 1994 angeboten wird. Seit 1994 haben mehr als 85 000 Schüler an den Programmen teilgenommen. Sieger des diesjährigen Bundeswettbewerbs ist die Schülerfirma Rauteck aus Schleswig-Holstein mit der Geschäftsidee, aus alten Autoteilen Flaschenöffner und Taschen herzustellen. Die Schüler aus Eckernförde vertreten nun Deutschland beim Europawettbewerb. Die Trierer BBS Wirtschaft ist seit dem Jahr 1999 dabei. "Sneecs", das Unternehmen des Schuljahres 2001/02, schaffte es mit seinen Breitschnürsenkeln, die so bedruckt waren, dass beim Schnüren Motive und Muster auf dem Schuh entstehen, bis zum Europawettbewerb. arn www.iwjunior.de