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Mit dem Berufsabitur zu mehr Nachwuchs im Handwerk

Mit dem Berufsabitur zu mehr Nachwuchs im Handwerk

Die Konjunktur im Handwerk brummt, die Fachkräfte fehlen. Allein in der Region Trier sind 1500 Arbeitsplätze und 800 Lehrstellen unbesetzt. Mit dem Deutschen Handwerkskammertag, der derzeit in Trier tagt, wollen die Kammern ein Zeichen setzen - und sehen im Berufsabitur eine neue Chance.

Trier. Das Handwerk hat derzeit keinen Grund zu klagen. So gut ging es den Betrieben noch nie seit der Wiedervereinigung. Und doch sehen viele der insgesamt 53 deutschen Handwerkskammern düstere Wolken über ihren Mitgliedsbetrieben mit rund fünf Millionen Mitarbeitern aufziehen, denn den meisten fehlen ausreichend Beschäftigte, um die Aufträge alle abzuarbeiten. "Wir registrieren inzwischen bereits mehrere Regionen, wo mehr Wachstum mit mehr Mitarbeitern möglich wäre", sagt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) beim Deutschen Handwerkskammertag derzeit in Trier.
Vorbild Österreich und Schweiz


Auch wenn im vergangenen Jahr erstmals seit langem wieder mehr Lehrverträge abgeschlossen worden seien: Mit einem Plus von 0,1 Prozent wüchsen die Bäume nunmal nicht in den Himmel.
Und mit so wenig Nachwuchs ist auch das neue Trierer Berufsbildungszentrum für neun Gewerke, das bis 2019 für rund 44 Millionen Euro gebaut werden soll, nicht zu füllen. "Es wird definitv immer schwieriger für uns", sagt der Trierer Kammerhauptgeschäftsführer Manfred Bitter. "Also müssen wir extrem kreativ sein, um zu neuem Nachwuchs und zu neuen Fachkräften zu kommen."
Als ein Mittel haben die deutschen Handwerker mit ihrem Aushängeschild Duale Ausbildung nun über die Grenzen nach Österreich und in die Schweiz geschaut und das Berufsabitur ausgemacht. Denn damit machen Jugendliche gleichzeitig eine Berufsausbildung - und ihr Abitur. "Wir arbeiten an einer höheren Bildungsmarke für leistungsstarke Jugendliche", sagt ZDH-Chef Schwannecke. Angesichts von 18 000 Bachelor-Abschlüssen allein in Deutschland "haben wir es bislang nicht geschafft, neue Wege in der Ausbildung zu gehen und über die duale Ausbildung hinweg mehr Angebote für Jugendliche zu machen".
Trierer Signale für Berlin


Doch den Handwerkskammern ist bewusst, dass sie dicke Bretter bohren müssen, sind doch Schulabschlüsse Aufgabe der Bundesländer - und da gilt es, 16 Länder mit verschiedenen Parteien und Regierungen unter einen Hut zu bringen. Deshalb muss Holger Schwannecke beim Handwerkskammertag in Trier alle 53 Kammern hinter sich scharen, um politisch aktiv zu werden.
Schon heute will er damit auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf seine Seite ziehen, wenn der Mittelstandsdialog in Berlin zum Abschluss kommt. Denn mit der Digitalisierung und Vernetzung der Wirtschaft will das Handwerk auf ein zweites Thema aufmerksam machen, das die kleineren Betriebe vor große Veränderungen stellt. "Wir können es uns nicht leisten, hier Abstriche bei Ausbildung und Qualifizierung zu machen", sagt er. "Die Politik muss den Mittelstand ernst nehmen. Dieses Signal soll von Trier ausgehen."