1. Region
  2. Wirtschaft

"Mit Krawatte kann ich nicht besser arbeiten"

"Mit Krawatte kann ich nicht besser arbeiten"

Tee oder Kaffee? Fotos von der Familie oder Kunstdrucke? Schnitt- oder Topfblumen? In einer neuen Serie besucht der Trierische Volksfreund Chefs von Unternehmen der Region Trier in ihrem Büro - und lässt sie erzählen, warum sie ihren Arbeitsplatz so und nicht anders eingerichtet haben. Heute schaut der TV bei Hans-Peter Stang vorbei, Geschäftsführer der Mageba Textilmaschinen GmbH & Co. KG in Bernkastel-Kues.

I n meinem Büro, in dem ich seit 20 Jahren arbeite, ist es recht spartanisch, ich brauche nicht viel. Mir war es wichtig, die Möglichkeit zu haben, hier Gespräche mit Kunden und Mitarbeitern zu führen. Deswegen ist der Raum zweigeteilt: Auf der einen Seite mein Schreibtisch, auf der anderen ein großer Besprechungstisch. Der Raumteiler besteht aus Holzbalken, die im Fachwerkstil angeordnet sind. Oben sind die Gefache frei, man kann also von einem Bereich in den anderen schauen, unten sind sie mit Ziegelsteinen gefüllt.
Auch wenn bei mir eigentlich alles funktionell sein soll - ein bisschen Nippes muss sein. Auf den Holzbalken steht zum Beispiel eine kleine Figur, die mir eine ehemalige Mitarbeiterin zu ihrem Abschied geschenkt hat und eine Sanduhr, die mich daran erinnern soll, wie schnell die Zeit vergeht. In meinem Regal hebe ich Geschenke von Kunden auf, darunter eine Elfenbeinfigur aus China und eine Mütze aus der russischen Republik Tatarstan. Die große Stahlwand in meinem Rücken, auf die eine Weltkarte gelasert ist, hat mir die Belegschaft zum 60. Geburtstag geschenkt.
Ich verbringe zwischen acht und zehn Stunden am Tag im Büro, wenn ich nicht auf Geschäftsreise bin. Wenn ich keinen Besuch habe, steht die Tür immer offen, dann können alle jederzeit reinkommen. Anzug und Krawatte trage ich hier nicht - damit kann ich nicht besser arbeiten.
Über meinen Laptop höre ich immer - auch im Ausland - meinen Lieblingsradiosender SWR1. Beim Arbeiten trinke ich Wasser, Kaffee gibt es zu meinem ,11-Uhr-Loch\'. Auf meine beiden Kalender, eine Kladde und ein Wochen-Tischkalender, würde ich nie verzichten, ich finde sie übersichtlicher als die elektronischen und persönlicher. Jeder Mensch hat seine ganz eigene Art, etwas aufzuschreiben. Die Kladden verwahre ich etwa zehn Jahre in einem Schrank im Büro. Es kann für die Arbeit wichtig sein, noch einmal nachlesen zu können, aber es ist auch schön, zu sehen, was man so gemacht hat. Um die Pflanzen in meinem Büro kümmert sich Anita Lorenz, der gute Geist unserer Firma. Sie hält immer alles in Schuss.
Auf meinem Schreibtisch stehen zwei Fotos von meiner Frau - meine Tochter und meinen Sohn sehe ich ja ständig in der Firma. Dann gibt es noch ein Foto von einem lieben alten Freund, der leider gestorben ist. Von ihm habe ich fast alles gelernt, was im internationalen Geschäftsleben notwendig ist. Im Regal steht noch ein Bild von meinem Hund Hugo ,the Boss, ein Malteser-Yorkshire-Mischling. Manchmal kommt er mit in die Firma - genauso wie die drei Hunde meiner Tochter, wenn diese im Urlaub ist.
Mittags besuche ich normalerweise meine 88-jährige Mutter, die allein lebt. Sie hat den Betrieb mit meinem Vater von der Gründung an begleitet und zeigt immer noch großes Interesse an den Geschehnissen. Sie hält es für dringend notwendig sicherzustellen, dass ihr ,Jung\' regelmäßig isst. Und so bekomme ich immer eine Kleinigkeit. Manchmal trinken wir aber auch nur eine Tasse Kaffee zusammen." Aufgezeichnet von Ariane Arndt
Extra

Hans-Peter Stang wurde 1948 in Wuppertal geboren. Nach seiner Lehre zum Werkzeugmacher machte er mehrere Praktika in Textilwerken und Bandfabriken im In und Ausland, darunter in Frankreich, Großbritannien, Italien, in der Schweiz und fast ein Jahr in Mexiko. 1973 schloss er ein Studium zum Textilingenieur an der Fachhochschule Rheinland-Pfalz, Abteilung Kaiserslautern, ab. Danach stieg er im 1957 gegründeten Unternehmen ein, für das er zuvor bereits in den Semesterferien gearbeitet hatte. Geschäftsführender Gesellschafter ist Hans-Peter Stang seit 1973. Mageba produziert Maschinen, mit denen Bänder aller Art hergestellt werden können: Von Schnürsenkeln und Geschenkbändern über Autogurte bis zu Mullbinden. Der Exportanteil der produzierten Produkte liegt bei 94 Prozent. In Bernkastel-Kues arbeiten heute 130 Mitarbeiter. arn