Mit kritischem Auge

TRIER. "Unternehmer in die Politik!" fordert Hans D.Barbier, Vorsitzender der Ludwig-Erhart-Stiftung und Festredner beim Neujahrsempfang zum 40-jährigen Bestehen der Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU). Ein Wunsch des Liberalen, der bei den Wirtschaftsvertretern der Region ankommt und Politikern Falten auf die Stirn treibt.

Sie sind Grundschullehrer, Sozialarbeiter oder Verwaltungsbeamte. Viele Volksvertreter und Regierungsmitglieder in den Parlamenten von Mainz und Berlin kommen erst dann mit ökonomischen Abläufen in Kontakt, wenn sie einmal einen eigenen Haushalt zu verwalten haben oder zig Millionen Euro Steuergelder effektiv und effizient einsetzen sollen. Grund für viele Unternehmer, auf die Politik zu schimpfen, weil das eine nicht recht zum anderen passen will. Einen anderen Lösungsansatz wählt Hans D. Barbier. Er ist Vorsitzender der Ludwig-Erhart-Stiftung in Bonn und glühender Verfechter von ökonomisch-rationalen Grundmustern. "Die Vernunft in der Politik braucht Hilfe von Unternehmern", sagt er und erntet beim Neujahrsempfang der Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU) zum 40-jährigen Bestehen in der Europahalle Trier Beifall. Nicht, dass es keine Vernunft in der Politik gebe. Sie folge lediglich einem anderen Strickmuster. Da müsse der Unternehmer eben aushelfen und der Politik den richtigen Weg weisen. Seit 40 Jahren "Anwalt" der regionalen Wirtschaft

"Während die Politik dem Gestaltungswillen folgt, die Details des Lebens zu regeln, geht es der Wirtschaft um Eigenverantwortung und Wettbewerb", analysiert der Liberale und folgert: Solidarität führe eben nicht immer weiter, wie das deformierte Gesundheitssystem, der Missbrauch der Arbeitslosenhilfe und die Regelungswut im Bildungssystem verdeutlichten. Doch weil Barbier weiß, dass die Bezahlung in der Politik nur wenig Unternehmer reizen wird, sich auch aktiv als Abgeordneter zu engagieren, setzt er auf Diskussion und Einflussnahme - nicht auf die einer bestimmten Branche oder Berufsgruppe, sondern auf die der Wirtschaft insgesamt. "Unternehmer müssen den Kontakt zu Politikern herstellen und sich als Gesprächspartner anbieten", gibt Barbier den VTU-Mitgliedern mit auf den Weg. Das ist nichts, was den rund 380 VTUlern unbekannt wäre, worauf mancher allerdings ab und zu noch mal gestoßen werden muss. Immerhin setzt sich die Vereinigung aus Vertretern der Region Trier seit 40 Jahren für die Interessen ihrer Klientel ein. Die Themen sind und bleiben dabei aktuell wie im Gründungsjahr 1963. Die Verkehrsanbindung der Region und die strukturellen Probleme zwischen Eifel und Hunsrück waren das Steckenpferd der Gründungsväter - und sind auch das der heutigen Führungsriege um VTU-Geschäftsführer Ingo Becker und den Vorsitzenden Hanns Rendenbach. Der Weiterbau der B 50 neu und der Moselaufstieg, nennt Rendenbach als Forderungen: "Es wäre schön, wenn diese Bauvorhaben nicht auch noch beim 50-jährigen Jubiläum der VTU ein aktuelles Thema wären." Getreu dem Selbstverständnis als politisches Sprachrohr der Wirtschaft geht der Vorsitzende denn auch nach 40 Jahren Interessenvertretung hart mit der rot-grünen Bundesregierung ins Gericht. Ob Arbeitsrecht, Subventionskürzung oder Lohnzusatzkosten: Die Aufbruchstimmung sei verpufft, wirkliche Reformen gebe es nicht, sagt Rendenbach. Außerdem erreiche ein möglicher Aufschwung die Region Trier erst mit Verspätung. "Ein hartes Jahr 2004 steht vielen von uns bevor." Eine Sorge, die Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) teilt, wie er der VTU in Trier sagt. Dennoch sei die Region Trier verkehrspolitisch noch nie so gut angebunden gewesen wie heute. Auch sei er "nicht so unzufrieden" mit der Politik. Schließlich sei Rheinland-Pfalz in der Rangfolge der Bundesländer auf Rang drei, was die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die Wirtschaftsleistung angehe. Vorn zu sei, darauf haben vor allem die VTU-Gründungsmitglieder Wert gelegt. "Wir waren der erste Verein dieser Art in Deutschland", erinnert sich Gründungsmitglied Gert Schaeidt. Die personelle und arbeitsrechtliche Vertretung der Unternehmer aus Trier und der Umgebung sei gestern wie heute wichtig, weil die Region nach wie vor in einer Randlage sei. Dennoch scheint auch die Arbeit der Unternehmervereinigung Vorbildcharakter gehabt zu haben. "Inzwischen gibt es selbst bei den großen Wirtschaftsverbänden Ableger unserer Art", sagt Schaeidt stolz. Und die Arbeit scheint den vier VTU-Juristen auch nicht auszugehen.Immerhin bis zu 600 Arbeitsrechts-Fälle haben sie inzwischen im Jahr im Auftrag ihrer Mitglieder zu bearbeiten.