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Mit viel Platz in die Zukunft

Trier. Ein vollautomatisches Holzlager auf drei Etagen und eine neue Lagerhalle sollen das Trierer Unternehmen Leyendecker Holzland in die Zukunft führen. Investitionssumme: rund fünf Millionen Euro. Sabine Schwadorf

Trier. Wer durch das Trier-Eurener Gewerbegebiet fährt, sieht das zwölf Meter hohe Gebäude von Leyendecker Holzland schon von weitem. Was sich derzeit darin abspielt, ist in der Holzhandelsbranche deutschlandweit eine Neuerung. Auf 5000 Quadratmetern Fläche ist ein vollautomatisches Flächenlager entstanden. Auf drei Etagen kann es verschiedene Holzplatten lagern. Und dies über einen Vakuumsauger, einen sogenannten Maniputalor. Der lagert nicht nur Platten ein, sondern ruft sie auch wieder ab und verpackt sie sogar anschließend. "Das Komplizierte daran ist, dass es künftig keine manuellen Arbeiten mehr geben soll und alles über Roboter geschieht", sagt Edwin Steffen, geschäftsführender Gesellschafter von Holzland Leyendecker. So soll die neue Lagerfläche so effizient wie möglich genutzt werden. Das Unternehmen könnte dann insgesamt mehr als 300 Sattelzüge mit knapp 100 000 Holzwerkstoffplatten lagern.
Denn derzeit ist Platz Mangelware. Werden bislang zwar rund 50 von 250 im Handel befindlichen Holzarten aus allen fünf Kontinenten in Trier gelagert - aus Platzmangel liegen allerdings viele von ihnen in einem einige Hundert Meter entfernt liegenden Lager oder auf Außenflächen. "Das tut natürlich dem Holz nicht gut und bringt zusätzliche Logistikkosten mit sich", sagt Peter Leyendecker, Geschäftsführer der C. Th. Leyendecker-Heil GmbH, dem Mehrheitsgesellschafter von Leyendecker Holzland. Vielfach habe man sich mit Holz nach Bedarf versorgt oder Holzarten einfach nach Kundennachfrage getauscht. "Wir sind aus allen Nähten geplatzt."
Mit der Investitionssumme von rund fünf Millionen Euro investiert das Trierer Traditionsunternehmen nun so viel wie noch nie in der gut 150-jährigen Firmengeschichte. Denn Leyendecker Holzland hat viel vor. "Wir wollen neue Kundengruppen erschließen", sagt Geschäftsführender Gesellschafter Steffen.
Neue Kunden per Internet


Denn der Markt habe sich seit Jahren verengt. Gab es vor gut 30 Jahren allein in Trier noch sieben Holzhändler, so ist Leyendecker heute der einzige (siehe Extra). Und auch innerhalb der Region Trier-Saarland hat das Unternehmen kaum Konkurenz. "Unser nächster Vertriebsweg ist der Aufbau eines Onlinehandels", sagt Steffen. Unter dem Motto "Digitale Welten" soll neben Groß- und Einzelhandel ein dritter Absatzmarkt entstehen. Da sei es wichtig, in kürzester Zeit Holz verfügbar zu haben, sagt er: "Vom Volumen her gibt es sicher größere als uns, aber wir wollen mit Schnelligkeit punkten."
Schon im vergangenen Jahr hat Leyendecker Holzland seine Logistik flexibilisiert. Wer als Tischler, Zimmerer oder Holzbauer bis 18 Uhr seine Bestellung abgibt, hat am nächsten Morgen seine Ware geliefert bekommen. Mit dem Neubau soll nun in drei Schichten rund um die Uhr gearbeitet werden, damit die 14 eigenen Lastwagen auch deutschlandweit pünktlich beim Kunden sind. Derzeit läuft bereits ein Test, wonach eine zweite Lieferung pro Tag möglich werden soll. "Heutzutage hat kaum noch ein Schreiner Lagerkapazitäten, geschweige denn teure Maschinen. Da wird das Holz passgenau verarbeitet", weiß Peter Leyendecker. Und auch der Trend zu vorgefertigten Hölzern und damit zu Schnelligkeit am Bau werde zunehmen.
Bis mit dem zweiten Bauabschnitt ab Juli ein neues Lagerverwaltungssystem Einzug hält, muss sich die Umstellung von manueller auf automatische Lagerung erst bewährt haben. In diesen Tagen soll das Flächenlager nun in den Testbetrieb gehen. "Die Herausforderung dabei ist, dass beide Systeme zunächst parallel laufen, ehe wir komplett auf Automatik umstellen können", sagt Projektleiter und Mehrheitsgesellschafter Stefan Leyendecker.
Da lasse man sich auch Zeit, damit alles fehlerfrei ablaufe. Denn Abschluss des Bauprojektes soll erst 2016 sein - dann aber mit einem neuen Lagerbüro, einer neuen Anordnung der Regale und viel Kapazität für die Zukunft. Denn mit dem neuen Flächenlager auf drei Ebenen könnte Leyendecker Holzland seine Auslastung verdoppeln und sein Lagersortiment erweitern - neben Holz um Bauelemente, Türen und Böden.

Extra

1860 gründete Carl-Theodor Leyendecker eine Holz- und Baustoffgroßhandlung im damaligen Trierer Vorort Löwenbrück. Nach der Hochzeit mit Anna-Catherina Heil, Tochter eines Eisenhändlers, wurde die Firma in C. Th. Leyendecker-Heil umbenannt. Das Sortiment bot Holz und Rohre, Steine und Zement. Dies blieb so bis 1962 bestehen. Mit Peter Leyendecker kam die Spezialisierung auf Holz. Die Zuschnittabteilung zog gewerbliche wie private Kunden an. Damals entstand die Leyendecker Bastelstube. 1985 öffnete ein Neubau für Handwerk und Großhandel im Trierer Süden. Einen Rückschlag gab es 1995, als der Standort Saarstraße abbrannte. Mit dem neuen Leyendecker Holzland 1998 wurden die Flächen erweitert - und die Unternehmensgruppe C. Th. Leyendecker-Heil GmbH sowie die Töchter Holzland und Bastelstube entstanden. Heute gibt es 120 Mitarbeiter und einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro. sas