1. Region
  2. Wirtschaft

Mit zu feuchtem Holz rußt auch der teuerste Ofen

Mit zu feuchtem Holz rußt auch der teuerste Ofen

Im Zweifelsfall helfen der Schornsteinfeger und das Feuern mit trockenem Holz. So lassen sich die Empfehlungen in der Diskussion um Holzöfen und Feinstaubbelastung auf den Punkt bringen. Aber natürlich greifen die Folgen der verschärften Immissionsschutzverordnung tiefer.

Trier. Das Umweltbundesamt (UBA) sieht die Zunahme von Kaminen und Holzöfen wegen der hohen Schadstoffbelastung kritisch. "Wir empfehlen Kamine grundsätzlich nicht zum Heizen", sagt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Schrittweise sollen ab 2015 besonders schadstoffintensive alte Öfen per Gesetz verboten werden.
Gerade in Regionen wie der Eifel und im Hunsrück, wo das Heizen mit Holz Tradition hat, sorgt die Aussage der UBA-Präsidentin für Aufregung. Wenn dann auch noch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks vorschlägt, bei bestimmten Wetterlagen mit lokalen Aufrufen vor einer zu starken Nutzung von Holzöfen zu warnen, klingeln bei den Schornsteinfegern in der Region die Telefone häufiger als sonst. "Die Leute sind verunsichert", sagt Innungsobermeister Klaus Kwiatkowski aus Mettendorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Pellet öfen würden nach wie vor finanziell bezuschusst. "Und daran, dass Holz- und Pelletheizungen umweltneutral zu betreiben sind, hat sich aus unserer Sicht nichts geändert."
Die verschärften Umweltschutzbestimmungen mit Blick auf den Schadstoffausstoß ab 2015 sind nach Aussage des Schornsteinfegermeisters nichts Neues. "Der richtige Ansatz der Politik wäre es jetzt, sich mehr um die Dämmung der Gebäudehüllen zu kümmern und auch zu kontrollieren. Das würde den Energieverbrauch senken und damit auch die Schadstoffimmissionen." Feuerstätten, die zwischen 1950 und 1975 in Betrieb genommen wurden, müssen bald stillgelegt werden, sofern sie die vorgegebenen Grenzwerte nicht erfüllen.
Überprüft wird das von dem zuständigen Schornsteinfeger, der mindestens einmal im Jahr die Kamine reinigt, an denen Öfen angeschlossen sind.
Klaus Kwiatkowski: "Alle Öfen werden erfasst und regelmäßig kontrolliert. Wer seinen Ofen nicht anmeldet, gefährdet seinen Versicherungsschutz und muss zum Beispiel bei einem Kaminbrand für den Schaden selbst aufkommen." Alte Öfen müssten gegebenenfalls nachgerüstet werden, heißt es in der Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz. Darüber muss der erfahrene Schornsteinfegermeister lächeln. "Es gibt keine praktische Lösung für eine kostengünstige Nachrüstung", sagt er. "Ein neuer Ofen kostet im Zweifelsfall auch nicht mehr."
Aber auch mit einem neuen Ofen könne bei schlechter Bedienung mehr Ruß entstehen als zulässig. Denn jeweils zu einem Drittel seien für die Ruß- und Schadstoffentwicklung beim Heizen mit Holz die Qualität des Ofens, die Fähigkeiten des Betreibers und die Feuchtigkeit des Brennstoffes maßgeblich. Als ideal gilt ein Feuchtigkeitsgehalt von weniger als 20 Prozent.
Ist das Holz zu feucht, steigt auch beim Heizen mit modernen Öfen die Rußentwicklung. Und diese führt nach Erkenntnissen des Umweltbundesamtes auch in ländlichen Regionen bei bestimmten Wetterlagen zu einer Feinstaubkonzentration über 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft am Tag, dem von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwert.
Zu viel Feinstaub kann laut UBA zu Entzündungen der Atemwege und Blutgefäßverstopfungen führen. In Deutschland gilt derzeit, dass ein Grenzwert von 50 Mikrogramm Luft an 35 Tagen überschritten werden darf.
Der Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI) nutzt derweil die Diskussion, um Empfehlungen für den Austausch von Holzöfen zu geben. Im Spätsommer sei es wesentlich einfacher, bei Ofensetzern und Heizungsbauern einen Termin für die Montage zu bekommen. Zudem habe der Austausch eines älteren Gerätes Vorteile: Eine verbesserte Verbrennungstechnik führe zu einem deutlich geringeren Brennstoffverbrauch. Das entlaste nicht nur die Haushaltskasse, sondern trage auch zum Umwelt- und Klimaschutz bei.Extra

Trotz aller Fortschritte ist immer noch gut jeder dritte Bundesbürger besonders starken Schadstoffbelastungen ausgesetzt. Dabei handelt es sich vorrangig um jene knapp 30 Millionen Einwohner, die in Ballungsgebieten leben. An rund zwei Drittel aller verkehrsnahen Messstationen überschreite die mittlere jährliche Belastung mit Stickstoffoxid den EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter zum Teil erheblich. Autos, Lastkraftwagen und Busse sind für den Ausstoß von 37 Prozent der schädlichen Stickstoffoxide und 16 Prozent der Feinstaubpartikel-Emmissionen verantwortlich. Holzfeuerungsanlagen wie Kamine und Holzöfen tragen nach einem Bericht des Umweltbundesamtes allerdings im Winter mit bis zu 25 Prozent zu der Feinstaubbelastung bei. Das übertrifft in dieser Jahreszeit sogar die Emission von Autos. Kommunen können deshalb notfalls nach dem Vorbild der Verkehrs-Umweltzonen örtliche Grenzwerte erlassen. vet/r.n.