Molkerei Arla kommt gut durch schwieriges Jahr

Molkerei Arla kommt gut durch schwieriges Jahr

Die europäische Genossenschaftsmolkerei berichtet von "solider Entwicklung". Der Überschuss ist gestiegen, Milchpreis und Umsatz sind gesunken. Das Werk in Pronsfeld überzeugt mit positiven Zahlen.

Düsseldorf/Pronsfeld Das vergangene Jahr war für die Milchwirtschaft schwierig. Ein Über angebot an Milch ließ die Preise purzeln, vor allem in Europa. Auch die Milchbauern in der Großregion haben unter dieser Entwicklung stark gelitten.
Die harten ersten acht Monate 2016 haben auch ihre Spuren in der Bilanz der europäischen Genossenschaftsmolkerei Arla (siehe Extra) hinterlassen, zu der auch das Milchwerk in Pronsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) gehört.

Der Konzernumsatz ist um 6,8 Prozent auf 9,57 Milliarden Euro zurückgegangen. 2015 waren es noch 10,26 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss des Arla-Konzerns wuchs indes um 20,7 Prozent auf 356 Millionen Euro. Hier spielt aber mit hinein, dass der Konzern seinen dänischen Safthersteller Rynkeby an Eckes-Granini verkauft hat. Schwierig gestaltete sich für die Landwirte der Milchpreis. Peder Tuborgh, Vorstandsvorsitzender von Arla: "Die zweieinhalb Jahre andauernde Periode mit niedrigen Milchpreisen hat die meisten Betriebe schwer belastet. Aus diesem Grund waren die Erhöhungen von Arlas Milchauszahlungspreis, die wir in den letzten vier Monaten des Jahres vornehmen konnten, bitter nötig."

Insgesamt ging der Auszahlungspreis zum Vorjahr dennoch um 8,3 Prozent zurück: 30,9 Eurocent/kg waren es im vergangenen Jahr, 2015 gab es für den Liter 33,7 Eurocent. Doch damit sehen sich die Arla-Verantwortlichen in einem schwierigen Markt noch ganz gut aufgestellt. "Wir haben 2016 durchschnittlich einen um fünf Prozent höheren Mehrwert pro Kilogramm Milch unserer Genossenschaftsmitglieder geschaffen als unsere Wettbewerber", erläutert Natalie Knight von Arla Foods. Mit der Strategie Good Growth 2020 will Arla seine Konkurrenzfähigkeit weiter steigern. Dies sei 2016 unter anderem dadurch gelungen, dass rund "340 Millionen Kilogramm Milch aus dem Massengeschäft in die rentableren Verkaufskanäle des Einzelhandels" gebracht wurden. Hier nennt Arla beispielsweise die Produktreihen Arla Naturals, Arla Lactofree, Arla Skyr sowie Babynahrung.

"Auch in Deutschland sind wir im vergangenen Jahr einen Schritt nach vorne gekommen", sagt Winfried Meier, bei Arla Foods für das deutsche Geschäft verantwortlich. "Wir haben unser Markenwachstum gesteigert und mit unserem Produkt Arla Skyr eine neue Kategorie geschaffen."
Im Konzern spielt der größte und modernste Standort Pronsfeld eine wichtige Rolle. Täglich werden in der Eifel rund 4,6 Millione Kilogramm Milch angeliefert. Rund 2300 Milchlieferanten aus der Region, aus Nordrhein-Westfalen, Belgien und Luxemburg sind dafür verantwortlich. Damit liegt die verarbeitete jährliche Milchmenge in Pronsfeld bei 1,55 Milliarden Kilogramm Milch. Seit 2015 werden in der Eifel Butter und Butterstreichfette hergestellt. "Wir sind inzwischen bei 73 Millionen Verpackungseinheiten angekommen", sagt Arla-Pressesprecher Wolfgang Rommel dem Volksfreund.

Europa ist Arlas wichtigster Geschäftsbereich. 2016 steuerte Europa 66 Prozent des Konzernumsatzes bei. Arlas Wachstumsmärkte außerhalb der EU erreichten das bisher größte Umsatzwachstum in der Menge (knapp zehn Prozent). Dies sei in erster Linie auf die starke Entwicklung in China und Südostasien sowie in Afrika zurückzuführen. Auch im Nahen Osten und in Nordafrika sowie auf dem US-amerikanischen Markt habe Arla deutlich zugelegt.

Arla-Chef Tuborgh blickt deshalb recht optimistisch auf das laufende Jahr: "Wir sind davon überzeugt, dass die verbesserte Qualität unserer Geschäftstätigkeit sowie unsere Strategie Good Growth 2020 vorteilhaft für uns sind." Im vergangenen Jahr konnte der Konzern so seine Kosten bereits um 100 Millionen Euro senken. Bis 2020 sind 400 Millionen Euro Einsparungen eingeplant.MOLKEREIGENOSSENSCHAFT ARLA FOODS

Extra

(hw) Die europäische Molkereigenossenschaft gehört rund 12 500 Landwirten aus Schweden, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg. Die Genossenschaft hat in zwölf Ländern Produktionsstandorte und in 30 Ländern Vertriebsniederlassungen. Zu den bekanntesten Marken unter dem Arla-Dach gehören Castello, Lurpark und Arla. Die Arla-Produkte werden in über 100 Ländern verkauft. Weltweit beschäftigt der Milchriese gut 19 000 Mitarbeiter. 2012 fusionierte Arla mit der Milch Union Hocheifel in Pronsfeld. Das Milchwerk in Pronsfeld gehört zu den weltweit modernsten Produktionsstätten. Dort sind mehr als 1000 Mitarbeiter beschäftigt, davon etwa 55 Azubis. Die Molkerei in der Eifel feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen.