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Nach fünf Monaten Streik setzen die Verantwortlichen auf neue Akzente

Kostenpflichtiger Inhalt: Tarifstreit : Der längste Streik im Land kennt keinen Sieger

Der längste Streik, den es bisher in Rheinland-Pfalz gab, hat an diesem Wochenende ein vorläufiges Ende gefunden. Fünf Monate waren rund 100 Riva-Beschäftigte im Ausstand, bevor sie Mitte November eine Pause einlegten.

Nun haben sie einen vorläufigen Schlussstrich gezogen: Die Mitgliederversammlung der Riva H.E.S. (ehemals Drahtwerke in Trier und Horath) hat zu 100 Prozent dafür gestimmt, den IG Metall Vorstand zu bitten, den Streik unbefristet auszusetzen. Ein vorläufiges Ende also ohne ein Ergebnis für die rund 110 Beschäftigten. Eine Niederlage für die IG Metall und die Streikenden?

Das sieht der IG-Metall-Bevollmächtige für die Region Trier, Christian Schmitz, nicht so: „Wer kämpft kann verlieren, doch wer nicht kämpft, hat schon verloren. In diesem Fall gibt es aber gar keine Sieger. Doch die Menschen, die für eine faire, gerechte Bezahlung gekämpft haben, sind für sich und ihre Sache eingetreten. Das hat sie gestärkt. Und wir als Gewerkschaft haben gezeigt, dass wir auch einen solchen Arbeitskampf in dieser Region durchstehen.“

Worum geht es? Im November 2018 hat die IG Metall dem Arbeitgeber die Tarifforderung überreicht: Die rund 130 Beschäftigten sollen nach dem Metalltarif bezahlt werden. Denn während der Stahlkonzern RIVA mit Hauptsitz in Mailand und 4700 Mitarbeitern in 21 Werken in Italien, Spanien, Belgien, Frankreich und drei weiteren in Deutschland Tariflohn zahle, müssten die Beschäftigten in der Region mit 20 bis 30 Prozent weniger Lohn auskommen.

Die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und dem Stahlkonzern verliefen jedoch über Monate ins Leere, so dass die IG Metall im Sommer 2019 zum Streik aufrief. Die meisten der Beschäftigten folgten dem Gewerkschaftsaufruf. „Im Schnitt haben sich 90 bis 100 Beschäftigte den Aktionen angeschlossen.“ Was folgte war eine beispielslose Streikaktion in Rheinland-Pfalz: Die Riva-Mitarbeiter zogen vor die Porta Nigra in Trier, sie streikten vor den Werken in Trier und Horath, eine Delegation zog sogar vor eine Konzernzentrale in Rom. Die Unterstützung in der Region war riesengroß.

Beispielsweise aus der Politik – die Grünen-Bundestagsfraktion, die SPD-Landtagsfraktion, Bundestagsabgeordnete der Linken, die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerbewegung der CDU, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer bis hin zur Landesarbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler bewiesen in Stellungnahmen und in sozialen Netzwerken Solidarität und stellten sich hinter die Forderungen der Mitarbeiter. Unterstützung gab es teilweise auch von den anderen Riva-Werken, die sich hinter die Forderungen der Kollegen aus der Region Trier stellten. Zur Unterstützung der Streikenden hatte die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) Trier eine Streikkasse geschaffen, die mehrere Zehntausend Euro an Spenden einsammelte.

Doch seitens des Konzerns gab es wenig Gesprächsbereitschaft und viel Schweigen. Schmitz: „Es gab kein Einlenken der Geschäftsführung.“ Auch Presseanfragen blieben in der Regel unbeantwortet.

Mitte November legte die IG Metall mit ihren Mitgliedern eine Streikpause ein und die Beschäftigten kehrten zur Arbeit zurück. Christian Schmitz: „Damit wollten wir der Geschäftsführung die Möglichkeit geben, direkt mit den Mitarbeitern Verbesserungen zu vereinbaren.“

In der Abstimmungserklärung der Mitgliederversammlung von diesem Wochenende heißt es: „Wir haben die Arbeit wieder aufgenommen, um ein Zeichen der Deeskalation zu setzen. Wir haben damit der Geschäftsführung die Möglichkeit gegeben, selbst einen Lösungsweg zu beschreiten.“ Und weiter: „Das Verhalten der Geschäftsführung gefährdet die Standorte in Trier und Horath.“

Für IG-Metall Chef Christian Schmitz steht auch fest: „Der Streik hat die Mitarbeiter selbstbewusst gemacht. Viele denken: ,Wenn der Tarif nicht zu mir kommt, dann wechsle ich in ein Tarifunternehmen’.“