Nachfolgeprobleme in Luxemburg

Nachfolgeprobleme in Luxemburg

Mit einem Wachstum von sechs Prozent war Luxemburg wieder einmal die Konjunktur-Lokomotive für die Großregion. Bei den Insolvenzen ist die Lage anders: Im ersten Halbjahr 2007 gab es dort eine Steigerung um 25 Prozent.

Luxemburg. Seit Jahren beobachtet die Creditreform die Situation der Unternehmen diesseits und jenseits der Grenze. Herbert Eberhard, Chef der Creditreform Trier und Luxemburg, hat im ersten Halbjahr eine deutlich entgegengesetzte Entwicklung in der Region Trier und in Luxemburg festgestellt: "Während in der Region Trier die Zahl der Unternehmens-Insolvenzen zurückgeht, stellen wir im Großherzogtum eine deutliche Steigerung fest."380 insolvente Firmen im ersten Halbjahr

Seine Einschätzung: "Im Großherzogtum sind verstärkt ältere Unternehmen betroffen. Die Nachfolge-Problematik hat gravierende Folgen." Bis 30. Juni stieg die Zahl der im Großherzogtum Luxemburg in Konkurs gegangenen Firmen auf 380 oder um knapp 25 Prozent. Im ersten Halbjahr 2006 waren es nur 306 Firmen (2005: 304 Firmen), hat die Creditreform recherchiert. Schon 2002 war einmal die Insolvenzzahl zur Jahresmitte exakt so hoch wie jetzt. 2002 führte dies dann am Jahresende zu 695 Konkursen (2006: 638).Während im Bezirk Diekirch die Zahlen leicht stiegen, im langjährigen Mittel aber konstant blieben, stieg die Zahl im Bezirk Luxemburg im Mittelwert von fünf Jahren von 281 auf 330 Firmen. Eberhard sagt: "Gute Konjunktur, Spitzenreiter bei den Wachstumsraten und steigende Konkurse. Wie passt das zusammen, haben wir uns gefragt." Bei einem genaueren Blick in die Statistik seien die wesentlichen Indikatoren gleich geblieben: die Dominanz des Dienstleistungssektors, der Bau bleibt bei sechs Prozent aller Konkurse."Weitere bekannte Namen dürften verschwinden"

"Bemerkenswert ist der starke Anstieg der Konkurse bei Firmen, die länger als sechs Jahre bestehen. Während sich in den Nachbarländern die Konkurse mehrheitlich auf Firmen, die nicht älter als sechs Jahre sind, konzentriert, ist in Luxemburg seit Jahren der gegenteilige Trend festzustellen", sagt der Creditreform-Chef. Waren 2004 noch fast 60 Prozent der Unternehmen weniger als sechs Jahre alt, als sie in Konkurs gingen, sind es im ersten Halbjahr fast 60 Prozent, die älter als sechs Jahre sind. Von 222 älteren Unternehmen sind 123 seit zehn oder mehr Jahren am Markt tätig gewesen. "Ungelöste Nachfolge, das ,Nicht-loslassen-können' und die damit oft verbundene fehlende Marktanpassung sind in der Regel die Hauptursachen. So dürften in Zukunft noch bekannte Namen, die keinen Nachfolger haben oder sich nicht rechtzeitig für eine geordnete Liquidation entscheiden konnten, vom Markt verschwinden", glaubt Wirtschaftsfachmann Herbert Eberhard.