1. Region
  2. Wirtschaft

Netzwerke im Fadenkreuz

Netzwerke im Fadenkreuz

Auf der Computermesse Cebit in Hannover wird derzeit das Trierer Computerprogramm "VennMaker" präsentiert: Es kann Beziehungsnetzwerke von Personen grafisch darstellen und wurde von den Universitäten Trier und Mainz entwickelt. Das Programm ist vielfältig einsetzbar - auch zur Spurensuche.

Hannover/Trier. Krimi-Fans suchen jede Woche den Mörder bei der Serie "Tatort". Während sich viele im Gestrüpp der Indizien verlieren, hat Linda Reschke, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Trier, den Durchblick. "Problematisch sind häufig Dreiecksbeziehungen", sagt Reschke und zeigt auf einen Computerbildschirm. Zu sehen sind Kreise, Vierecke, bunte Linien - ein grafisches Netz, das sie für die Tatort-Episode "Märchenwald" erstellt hat. "Bevor die Auflösung kommt, erhöht sich die Kontaktdichte des Täters", erklärt sie und deutet auf das Symbol für den Mörder.

Farbige Linien als Symbol für Beziehungs-Qualitäten



Um mit dem Programm arbeiten zu können, trägt Reschke den Namen der Protagonistin und aller anderen Personen der "Märchenwald-Episode" in die Daten-Eingabemaske ein. Im Viertelstundentakt ermittelt sie, ob die Figuren einander positiv, negativ oder neutral gegenüberstehen. Farbige Verbindungslinien symbolisieren die Art der Beziehung. Allmählich zeichnen sich Konflikte und Allianzen ab.

Professor Michael Schönhuth, Ethnologe an der Universität Trier, leitet das Projekt VennMaker. Es ist eines von vier übergreifenden und 19 Teilprojekten der Exzellenz-Initiative "Gesellschaftliche Abhängigkeiten und soziale Netzwerke" der Universitäten Trier und Mainz. Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt die Initiative bis 2011 mit 5,6 Millionen Euro. Derzeit arbeiten in Trier 13 Professoren und 18 wissenschaftliche Mitarbeiter an dem Projekt.

Die Software ist sehr unterschiedlich einsetzbar. Im Deutschunterricht kann sie den Schülern helfen, die Hauptfiguren des jeweiligen Buches samt ihrer Kontakte abzubilden. Auch die Psychotherapie ist ein mögliches Anwendungsgebiet. Dort kann der systemische Ansatz von VennMaker helfen, soziale Konflikte aufzudecken. Unternehmen können mit der gleichen Methode die Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungen und der Mitarbeiter analysieren.

Problematisch ist, dass bei VennMaker häufig sensible Daten von Personen verwendet werden. Professor Schönhuth räumt ein: "Wie bei allen ,fähigen' Forschungsinstrumenten wächst mit ihren Möglichkeiten auch die Möglichkeit des Missbrauchs." Sein Team arbeitet daher eng zusammen mit Dr. Stefan Brink, Landesbeauftragter für den Datenschutz in Rheinland-Pfalz. Die Daten der jeweiligen Personen werden nur mit ihrer Einwilligung erhoben und weiterverarbeitet. Die Software verfügt zudem über eine Anonymisierungsfunktion.

Vandad Sohrabi ist Stipendiat der journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung.