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Neue Aufträge aus dem Ausland

Neue Aufträge aus dem Ausland

China-Krise, Ölpreisverfall und EU-weite Konjunkturschwäche: Während sich in den Absatzmärkten der Industrie außerhalb der Region Trier die Krisenzeichen mehren, zeigen sich die heimischen Betriebe ungewohnt optimistisch. Ein zusätzlich positives Zeichen in einer insgesamt schon gefestigten Konjunktur.

Trier. Wenn Unternehmer ihre Erwartungen einschätzen, stapeln sie in der Regel tief. Denn meist fällt die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung oftmals besser aus als angenommen. So auch bei der aktuellen Konjunkturlage als auch bei den Erwartungen der regionalen Wirtschaft für 2016.
Derzeit vermelden 92 Prozent der Betriebe in der Region Trier eine gute bis befriedigende Geschäftslage, leicht mehr als noch im Herbst. Und dies, obwohl sich gerade für die exportlastige Industrie in der Region die Situation im Ausland etwa durch einen schwachen Euro-Kurs und Krisen in China, den Schwellenländern oder auch in EU-Nachbarländern verschlechtert hat. Dies zeigt das Ergebnis der jüngsten Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier unter 184 von 550 Betrieben mit 16 000 von insgesamt 90 000 Beschäftigten. So haben mehr Betriebe als noch im Herbst ihren Umsatz steigern können. Und auch für dieses Jahr ist IHK-Konjunkturexperte Matthias Schmitt optimistisch: "In der Region Trier ist das Konjunkturklima solide. Es gibt keinen Boom, aber immer noch ein ordentliches Wachstum", sagt er. Und dies werde noch anhalten, wenn man sich die Geschäftserwartungen vor allem im Einzelhandel, in der Nahrungsmittelindustrie und bei den Zulieferern anschaue.
"Die Zahl der Optimisten für 2016 ist im Vergleich zur Herbstumfrage nochmals gestiegen", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer. Dies zeige sich auch daran, dass in diesem Jahr mehr Unternehmen als zunächst angenommen investieren und neues Personal einstellen wollten. Wenn das zur Verfügung stünde. "Derzeit könnten in der heimischen Wirtschaft bis zu 6000 Stellen besetzt werden. Wir sehen daher in den zu uns kommenden Flüchtlingen ein großes Reservoir an potenziellen Fachkräften", sagt Glockauer und plädiert für eine schnellere sprachliche Qualifizierung möglicher Kandidaten.
Rückendeckung geben den Kammeroberen die neuen Aufträge vor allem in der Industrie. "Mehr Betriebe haben ein Polster", sagt Schmitt. Das Überraschende dabei: Trotz der Krisenanzeichen haben vor allem Aufträge aus dem Ausland angezogen (siehe Extra): "Hier hätten wir einen Einbruch erwartet. Somit gehen wir 2016 von einem guten Wachstum aus", sagt Glockauer.

Asylsuchende auf dem Arbeitsmarkt, Fachkräftemangel, gute Auftragslage für Handel und Handwerk - lesen Sie in Macher, Menschen + Märkte, was regionale Experten zur Konjunkturentwicklung 2016 sagen. Das Wirtschaftsmagazin liegt am Donnerstag, 28. Januar, dem Volksfreund bei.
Extra

Angesichts der politischen Diskussionen um die dauerhafte Einführung von Kontrollen an den deutschen Grenzen wegen der Flüchtlingskrise geht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) von Kosten von jährlich zehn Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft aus. "Die LKW stehen länger, Handel und Logistik leiden. Früher oder später trifft das dann auch die Region Trier", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer. In der Folge sinke das Wirtschaftswachstum laut Schätzungen um rund zwei Prozent. Die politischen Folgen hält er allerdings für noch gravierender: "Damit würde Deutschland eine der Haupterrungenschaften in der EU aufgeben." sas