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Neujahrsempfang der Vereinigung Trierer Unternehmer: Ministerpräsidentin erteilt Moselaufstieg klare Absage

Neujahrsempfang der Vereinigung Trierer Unternehmer: Ministerpräsidentin erteilt Moselaufstieg klare Absage

Das Neujahrstreffen der Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU) ist traditionell der Startschuss für das Wirtschaftsjahr in der Region. In angenehmer Atmosphäre werden Kontakte gepflegt und geknüpft. Politik und Wirtschaft nutzen das Treffen aber auch zur Standortbestimmung.

Für Ministerpräsidentin Malu Dreyer war das Neujahrstreffen der VTU in diesem Jahr eine Premiere. Zum ersten Mal nahm die Triererin als Landeschefin an dem Treffen teil. Malu Dreyer nutze die Gelegenheit, die Bedeutung der mittelständischen Wirtschaft für das Land herauszustellen und versprach den Unternehmen die Unterstützung der Landesregierung. In zwei Punkten zog sie aber recht deutlich einen Trennungsstrich. "Ich bin eindeutig für einen gesetzlichen Mindestlohn in Deutschland." Ebenso eindeutig erteilte sie auch dem Moselaufstieg eine Absage: "Der Moselaufstieg wird von dieser Koalition nicht in den Bundesverkehrswegeplan angemeldet."

Lob für Lückenschluss

Zuvor hatte der VTU-Vorsitzende Frank Natus die Arbeit der Ministerpräsidenten gelobt. Vor allem für den A?1-Lückenschluss gab es von dem Arbeitgeberverband Applaus - verbunden mit der Hoffnung, dass nun auch der Moselaufstieg folge. Auch der strikte Sparkurs, den Malu Dreyer als Ministerpräsidentin eingeschlagen habe, sei richtig. "Machen Sie weiter so", lobte Natus. Weniger Beifall seitens der VTU gab es allerdings für das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium: "Unsere Wirtschaftsministerin reduziert die Wirtschaftspolitik auf das Thema Energiewende und Verhinderung neuer Infrastrukturprojekte."

Für die knapp 600 Gäste gab es also genügend Diskussionsstoff an diesem Abend. CDU-Bundestagsabgeordneter Bernhard Kaster war zumindest kurz die Laune verdorben. "Ich bin etwas schockiert. In dieser Eindeutigkeit hat es diese Aussage zum Moselaufstieg noch nicht gegeben. Das Projekt soll wohl auf dem Altar der Koalitionsvereinbarung ohne sachliche Gründe geopfert werden." Der glühende Verfechter des Straßenbauprojekts ist sich aber sicher, dass das letzte Wort zum Moselaufstieg noch nicht gesprochen ist.

Deutschlands Rolle in Europa

Triers Sparkassenchef Remigius Kühnen und Triers Volksbank-Vorstand Norbert Friedrich talkten derweil gemeinsam mit der CDU-OB-Kandidatin Hiltrud Zock über Deutschlands Rolle in der Eurokrise. Die mögliche Verschiebung der Sepa-Einführung kann Remigius Kühnen nicht verstehen: "Wir haben in den vergangenen Monaten alles getan, um die Unternehmen auf die Aufgaben vorzubereiten." Eine neue Frist werde die jetzt bestehenden Probleme nicht lösen, sondern nur nach hinten verschieben. Mit dem abgelaufenen Jahr war der Sparkassenchef sehr zufrieden und hofft auf ein ähnliches Ergebnis in 2014.

Auch die Wirtschaftskammern stellen beim Neujahrsempfang dem abgelaufenen Wirtschaftsjahr beste Noten aus. Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Manfred Bitter sieht die Branche insgesamt gut aufgestellt, "wir haben allerdings ein Problem, genügend Fachkräfte zu finden".

Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Jan Glockauer, kann das bestätigen: "Wir werden in diesem Jahr weniger Probleme haben, genügend Aufträge zu bekommen, als vielmehr genügend Mitarbeiter zu finden."
Die positive Einschätzung der Betriebe kann der Chef des Finanzamtes Trier, Jürgen Kentenich, untermauern. "Die Steuereinnahmen 2013 werden nahe am Rekordergebnis des Vorjahres liegen", prognostiziert der Finanzamtschef. Festredner Professor Hennerkes sieht sowieso die deutschen Familienunternehmen weltweit in einer Spitzenposition. Doch er warnt, "wer glaubt, diese Position nur verteidigen zu müssen, für den beginnt schon der Abstieg". Mit seiner Stiftung Familienunternehmen und dem Haus der Familienunternehmen in Berlin betreibt Brun-Hagen Hennerkes beste und dringend nötige Lobby-Arbeit für den deutschen Mittelstand, lobte ihn Frank Natus.

Extra: Die VTU

 Festredner Professor Brun-Hagen Hennerkes lobt die hohe Innovationskraft deutscher Familienunternehmen und warnt die Unternehmer vor möglichen Gefahren, die Spitzenposition in der Welt zu verlieren.
Festredner Professor Brun-Hagen Hennerkes lobt die hohe Innovationskraft deutscher Familienunternehmen und warnt die Unternehmer vor möglichen Gefahren, die Spitzenposition in der Welt zu verlieren. Foto: Friedemann Vetter

Die Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU) kümmert sich seit 51 Jahren um die Belange der regionalen Unternehmer. Die VTU hat derzeit 480 Mitglieder, die insgesamt rund 50?000 Mitarbeiter beschäftigen. Vorsitzender ist Frank Natus.
Rund 84 Prozent der Mitgliedsbetriebe sind Familienunternehmen. Bundesweit sind sogar 90 Prozent aller Firmen Familienunternehmen, sie steuern 50 Prozent des Umsatzes der deutschen Wirtschaft bei und geben 60 Prozent der Erwerbstätigen. 80 Prozent ihrer Mitarbeiter arbeitet in Deutschland. Bei den 30 Dax-Unternehmen sind im Durchschnitt lediglich noch 42 Prozent der Mitarbeiter im Inland beschäftigt. hw