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Nicht jede gute Idee wird erkannt

Nicht jede gute Idee wird erkannt

Welchen Beruf soll ich später mal ergreifen? Eine Frage, die sich viele Schüler stellen. Zwei Auszubildende der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier haben Schützenhilfe geleistet. In Zusammenarbeit mit dem Hotel Deutscher Hof waren Schüler zum "Sterne schnuppern" eingeladen. Eine Einladung, der einige Dutzend Jugendliche gefolgt sind.

Trier. Zu Beginn waren Eda Cenikli und Gilda Orbon hoch motiviert. Die beiden Auszubildenden bei der Industrie- und Handelskammer Trier hatten ein Projekt ins Leben gerufen, das jungen Menschen eine Entscheidungshilfe bei der Berufswahl geben sollte. "Wir wollten Einblicke ins Berufsleben geben. Dazu hatten wir uns Partner in drei Branchen - im Metallbau, den gewerblich-technischen Berufen und im Hotel- und Gaststättengewerbe - gesucht, die Schülern mit einem Tag der offenen Tür Gelegenheit zum Reinschnuppern geben", berichtet Eda Cenikli. Und ihre Kollegin Gilda Orbon ergänzt: "Wir haben uns ganz bewusst Beruferausgewählt, die nicht gerade mit Bewerbungen überrollt werden, weil sie vielleicht nicht so sehr im Bewusstsein der Öffentlichkeit stehen oder weil man wenig darüber weiß."
Wenig Interesse bei Lehrern


Beim Trierer Hotel Deutscher Hof rannten die beiden jungen Frauen mit ihrer Idee offene Türen ein. Christian Henzler und Sophia Mühlen waren auf Anhieb Feuer und Flamme. Gemeinsam mit den elf Hotel-Auszubildenden entwickelte das Quartett einen Fahrplan, der Einblick in alle relevanten Bereiche vermitteln sollte. Mit dem Gesamtpaket traten die IHK-Azubis sowohl an die Hauptschulen plus, die Realschulen als auch an die Gymnasien heran.
Die Erwartungen waren groß - die Enttäuschungen noch größer. "Immerhin durften wir an allen Schulen unsere Plakate und die Flyer abgeben", versucht Eda Cenikli ihre Enttäuschung zu verbergen. Gilda Orbon wird da deutlicher: "Das Interesse an unserem Angebot war von der Lehrerseite aus äußerst gering." Entsprechend dünn die Rückmeldungen: Lediglich die Nelson-Mandela-Realschule plus übermittelte den beiden Frauen eine Liste mit Interessenten. "Wir haben dann gemeinsam per Mail und Telefon nochmals versucht, weitere Lehrer für unser Vorhaben zu gewinnen", berichtet Sophia Mühlen. Glücklicherweise hatte der Deutsche Hof eigene Kontakte zu Schulen. "Die hatten wir separat angesprochen", sagt Christian Henzler. Der gelernte Hotelfachmann und -betriebswirt ist voll des Lobes ob des Engagements der jungen Frauen: "Das war eine tolle Idee, die auch sehr gut umgesetzt wurde. Neben Plakaten und Flyern wurde die Info auch über youtube und Facebook verbreitet. Wenn solche Chancen von Lehrern nicht erkannt werden, ist das schade."
Die Jugendlichen, die an diesem Tag in das Hotel zum "Sterne schnuppern" gekommen waren, werden das wohl nicht bereut haben. Erst gab es einen Schluck Sekt zur Begrüßung, dann startete die etwa einstündige Entdeckungstour. Begleitet von den Hotel-Azubis ging es erst in den Keller, wo die hoteleigene Wäscherei mehrfach wöchentlich große Mengen an Wäsche reinigt und mangelt. Wie die frische Wäsche aufs Bett kommt, das erfuhren die Interessenten, die teilweise von ihren Eltern begleitet wurden, in den eigens dafür frei gehaltenen Zimmern. Logisch, dass dabei auch selbst Hand angelegt und eigene Fertigkeiten ausprobiert werden konnten.
Selbst Hand anlegen


Im Restaurantbereich hieß es dann, Tabletts mit Getränken zu balancieren und gefüllte Suppenteller an die Tische zu bringen. Den Abschluss bildete ein Besuch in der Küche, wo sich die Jugendlichen selbst einen hochwertig zubereiteten Burger anfertigen konnten. Ob Hendrik Zimmermann, Benedikt Hoffmann, Cathrin Lehnertz, Carmen Gonzales Schröder, Luisa Steil oder Caroline Fisch, um nur einige der Besucher zu nennen, später im Hotel- und Gastronomiebereich arbeiten werden, steht noch in den Sternen. Doch sie alle waren sich nach dem Rundgang in einem Punkt einig: "Das war interessant und sehr informativ."Extra

Ausbildung im Hotel Deutscher Hof: Basis sind hier die Ausbildung zum "Geschmacksdesigner" (Koch/Köchin), "Tellerjong leur" (Restaurantfachfrau/-mann) und "Mehrkämpfer" (Hotelfachfrau/-mann). Während für die beiden ersten Ausbildungsgänge mindestens ein Hauptschulabschluss vorausgesetzt wird, erfordert die Ausbildung zum Hotelkaufmann das Abitur. Abiturienten können darüber hinaus in allen drei Berufen eine Management-Zusatzqualifikation erwerben. Dabei werden die Kommunikations- und Managementkompetenz gefördert sowie wichtige Grundlagen in Betriebswirtschaft, Personalwesen, Recht, Rhetorik und Fremdsprachen vermittelt. Diese zusätzliche Ausbildung wird mit einer separaten Prüfung an der IHK Stuttgart abgeschlossen. flo