Nicht nur Bankjobs gefährdet

Nicht nur Bankjobs gefährdet

Die Einführung des automatischen Informationsaustausches wird nicht spurlos an Luxemburgs Wirtschaft vorbeigehen. Laut dem luxemburgischen Statistikamt Statec könnten außerhalb des Bankensektors bis zu tausend Jobs verloren gehen.

Luxemburg. Tausende Stellen könnte die Einführung des automatischen Informationsaustausches kosten, fürchten Experten im Nachbarland. Am 1. Januar 2015 führt Luxemburg einen automatischen Informationsaustausch auf Zinserträge ein. Ausländische Steuerbehörden werden über die Kapitaleinkünfte informiert, welche die Bürger ihres Landes in Luxemburg erzielt haben. Die bisher an den Luxemburger Fiskus entrichtete Quellensteuer, die größtenteils an die ausländischen Steuerbehörden weitergereicht wurde, entfällt.Erster Kapitalabfluss


Bis zu 2000 Stellen könnten in einem Zeitraum von vier Jahren verloren gehen, rechnet Statec nun in einer Studie vor. Davon könnte etwa die Hälfte auf andere Bereiche als den Bankensektor entfallen. Ein Verlust, über den bisher recht wenig geschrieben wurde.
Der im vergangenen Jahr vom damaligen Finanzminister Luc Frieden (CSV) angekündigte Informationsaustausch hat bereits in den letzten Monaten zu einem Kapitalabfluss geführt.
Bis zu 15 Milliarden Euro könnten vom Bankenplatz abgezogen werden, rund fünf Prozent des Gesamtbestandes, schätzt Statec, das bei dieser Studie eng mit der Bankervereinigung ABBL zusammengearbeitet hat.
Ende 2012 wurde das in Luxemburg verwaltete Privatvermögen auf 321 Milliarden Euro beziffert. Davon entfielen 145 Milliarden Euro auf Privatpersonen: 41 Milliarden gehörten Luxemburger Gebietsansässigen, 56,1 Milliarden Euro Personen, die in Belgien, Frankreich und Deutschland leben, 24,4 Milliarden Euro anderen EU-Bürgern und 23,4 Milliarden Euro Bürgern aus Drittstaaten.
Der Verlust von Aktiva, die Zunahme der Kosten unter anderem durch einen höheren Verwaltungsaufwand in den Banken könnte zu einem Abbau von bis zu 1000 Stellen im Bankensektor führen.
Ganz so schwarz sieht Statec die Entwicklung jedoch nicht. Die negativen Effekte des Informationsaustausches könntendurch die positiven Folgen der Aufgabe des Bankgeheimnisses wettgemacht werden. Bereits heute würden neue Gelder nach Luxemburg kommen, sagt Ferdy Adam, beim Statec für Previsionen und Modellierung verantwortlich.
Die Entscheidung, den automatischen Informationsaustausch einzuführen, wirke sich positiv auf das Image Luxemburgs als sauberer Bankenplatz aus. Der Aktivitätsrückgang bei der Vermögensverwaltung könnte auch andere Effekte auslösen. Freiwerdende Büroflächen etwa könnten den Preisdruck bei den Immobilien reduzieren, wodurch Luxemburg wieder attraktiv für andere Wirtschaftsakteure werden kann.
Der Autor ist Redakteur beim luxemburgischen Tageblatt.

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