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Noch fehlt eine ausgeprägte "Willkommenskultur"

Noch fehlt eine ausgeprägte "Willkommenskultur"

Die Fachtagung im Rahmen des "Europäischen Jahrs des interkulturellen Dialogs" machte deutlich: Die Region Trier ist als ländlicher Standort in direkter Nähe zu Luxemburg besonders stark vom Fachkräftemangel betroffen. Zugleich ist hier die kulturelle Vielfalt als Wirtschaftsmotor nur unterdurchschnittlich ausgeprägt.

Trier. In Sachen Integration und grenzüberschreitende Beschäftigungschancen besteht dringender Handlungsbedarf seitens der Politik und der Unternehmen selbst, wie die einzelnen Referate und die anschließende Diskussion zeigten. Die Grunderkenntnis: Der EU-weite Fachkräftemangel ist in keinem Land allein aus eigenen Ressourcen behebbar, sondern auch Deutschland muss sich - ebenso wie Luxemburg - klar als Einwanderungsland positionieren und sich im globalen Wettbewerb um die klugen Köpfe behaupten.

"Je mehr kulturelle Vielfalt in einer Region integriert ist, desto besser ist ihre messbare Wirtschaftsleistung", betonte Hans Dietrich von Loeffelholz, Chefvolkswirt und Leiter der ökonomischen Migrations- und Integrationsforschung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, die positiven Auswirkungen einer ausgeprägten "Willkommenskultur", die allerdings in Deutschland noch fehle. "Zudem wissen viele Unternehmen, vor allem Mittelständler, zu wenig von der Qualität ausländischer Ausbildungsabschlüsse. Hier bleibt viel Potenzial ungenutzt."

Die Erläuterungen von Carlo Thelen, Vorstandsmitglied der Luxemburger Handelskammer, zur Zuwanderungs- und Integrationspolitik des Großherzogtums, belegten allerdings umso klarer, dass sich die deutsche Nachbarregion nicht erlauben könne, auf die Arbeitskraft auch von Ausländern, Frauen oder Älteren zu verzichten. "Ich werde mich hüten, den Deutschen ‚Tipps' zu geben", sagte er. "Aber die Rahmenbedingungen für die Arbeitskräfte müssen stimmen. Es geht darüber hinaus um langfristige Strukturverbesserungen im Bildungssystem und um mehr Offenheit für Fremdsprachen."

Luxemburg selbst, das sich in direkter Konkurrenz mit London, Paris, Dubai oder Singapur sieht und in allen Segmenten weiterhin offensiv um Arbeitskräfte auch aus der Region Trier wirbt, wirft als Argument nicht nur attraktive Löhne, sondern auch die hohe Lebensqualität und gute Infrastruktur in die Waagschale.

Unternehmer Manfred Klever von der GFU-Maschinenbau GmbH in Bitburg legte aus seiner Praxis dar, wie wichtig ein Betriebsklima der Wertschätzung ist. Mit firmeneigener Kindertagesstätte und gezielter Integration ausländischer Mitarbeiter kann sein Unternehmen Fachkräfte halten und auf Wachstumskurs bleiben.