Noch kein "Liebesentzug" der Luxemburger

Noch kein "Liebesentzug" der Luxemburger

Die Luxemburger Kundschaft lässt im Handel der Region jährlich mehrere hundert Millionen Euro. Vor allem die Stadt Trier ist bei den Kunden des Großherzogtums beliebt. Was lockt die Luxemburger in die deutschen Geschäfte? Und was geschieht auf der anderen Seite der Grenze im Handel des Ländchens?

Trier/Luxemburg. Wer über den Handel in der Region Trier spricht, darf eine wichtige Komponente nicht außer Acht lassen: die Kundschaft aus dem benachbarten Luxemburg. Wie wichtig sie ist, zeigt vor allem das Beispiel des Oberzentrums, der Stadt Trier, die immerhin ein Siebtel ihres Umsatzes im Handel mit den kaufkräftigen Nachbarn aus dem Großherzogtum macht.handel im wandel

Luxemburger KaufkraftSchaut man sich die offiziellen Daten an, so gibt jeder Luxemburger Haushalt laut dem Statistikamt Statec im Jahr 17 500 Euro im Einzelhandel aus. Schaut man sich an, was davon allein in der Stadt Trier hängen bleibt, so sind dies entsprechend der Erhebung der Cima Beratungs + Management gmbH aus Köln aktuell immerhin zwischen 140 und 155 Millionen Euro im Jahr. "Die Luxemburger Kunden sind für den regionalen Einzelhandel - insbesondere für den in der Stadt Trier - unverzichtbar", sagt Alfred Thielen, seit nunmehr 22 Jahren Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands (EHV) für die Region Trier. Luxemburger Kunden seien von je her wichtig für die Händler im Grenzraum gewesen, weiß er. Dies habe Tradition und sei "nicht von einem bestimmten Moment" an besonders groß geworden. Mit dem Boom des Luxemburger Bankensektors in den 1990er Jahren und den daraus stetig gestiegenen Einkommen sind allerdings auch die Kaufkraftzuflüsse der Luxemburger hierzulande gestiegen. "Eine feste Größe für manche Händler", weiß Thielen. Und mit dieser rechnen viele. So befürchtet der Cima-Projektleiter Michael Karutz: "Wenn es einmal zum Liebesentzug der Luxemburger in Richtung Trier kommt, wird das für den Einzelhandel in der Stadt radikale Folgen haben."Luxemburger KundenSchon immer haben Luxemburger Kunden das Angebot und das Ambiente des Oberzentrums Trier zu schätzen gewusst. "Der erste Besuch geht auch heute noch traditionell in die Warenhäuser", sagt Verbandschef Thielen. Die dort gebotene Vielfalt auf engstem Raum gebe es so im Luxemburger Handel kaum. Dies bestätigt Thierry Nothum, Direktor des Luxemburger Einzelhandelsverbands (CLC), gar für das gesamte Warenangebot in der Innenstadt: "Trier lebt durch seine Stadt. Auf einer überschaubaren Fläche hat sie nicht nur touristische Highlights, sondern auch ein sehr breites Angebot." Stärken, die die Stadt ausbauen sollte, rät er. Denn trotz mehrerer Kampagnen des CLC und der Stadt Luxemburg, hat zwar die Attraktivität Luxemburgs als Einkaufsparadies zugenommen. Allerdings besagen Studien, dass nach wie vor jeder zweite Luxemburger lieber im Ausland einkauft.Was die Rangliste der beliebtesten Trierer Waren angeht, so liegen Bekleidungsläden und Schuhgeschäfte ganz weit vorn - vor allem Qualitätsmarken zu günstigen Preisen. Hinzu kommt laut EHV-Chef Alfred Thielen ein ausgeprägtes Luxus-Segment von Bekleidung über Schmuck bis zu Autos, "das sich vor allem auch wegen der Luxemburger Kundschaft halten kann", sagt er. Luxemburger HandelSchaut man sich nämlich das Angebot im Großherzogtum, vor allem in der Stadt Luxemburg und seinen Außenbezirken mit den großen Einkaufscentern etwa "La Belle Etoile" und "City Concorde" in Bertrange, an, so fällt auf, dass auf jeden Einwohner mit 2,26 Quadratmetern Verkaufsfläche nur etwa zwei Drittel der Fläche fallen, die die Einwohner Triers zur Verfügung haben. Heißt: Die Luxemburger Kunden haben in der eigenen Hauptstadt weniger Auswahl als in Trier. Die Cima bescheingt der Stadt Luxemburg gar in einigen Bereichen "einen gewissen Nachholbedarf". Während die Angebote bei Textilien und Schuhen sowie Schmuck teilweise größer als die Nachfrage sind, fehlen großflächige Buchhändler, Möbelgroßhändler, Baumärkte und Elektronik-Riesen fast völlig. Ein Pluspunkt für Trier also. Laut einem Gutachten der Stadt Trier fließt das Geld der Luxemburger nämlich vor allem in Bekleidung, aber auch in Lebensmittel und Reformwaren.Luxemburger PläneSo rüstet der Luxemburger Handel auf. Vor allem rund um die Hauptstadt. Werden alle Vorhaben umgesetzt, so könnten in den kommenden fünf Jahren bis zu 60 000 Quadratmeter Verkaufsfläche hinzukommen - dies ist allerdings nur halb so viel, wie ursprünglich angestrebt wurden. Zuversichtlich stimmt die Investoren, dass die Bevölkerung des Ländchens mächtig wachsen soll. Allein Luxemburg und sein Speckgürtel sollen im Jahr 2025 gut 23 000 Einwohner mehr haben. Dabei geht man von einer zusätzlichen Nachfrage für den örtlichen Einzelhandel für den privaten Konsum in Höhe von 266 Millionen Euro im Jahr aus. Optisch auffallen dürfte vor allem das Projekt "Royal Hamilius" von Stararchitekt Norman Foster mitten in der Innenstadt. Zwar erhält der Einzelhandel bis 2017 mit 18 000 Quadratmetern nur ein Drittel der Fläche, es wird allerdings ein Umsatz von jährlich 112 Millionen Euro erwartet.Wirtschaftlich spannender wird der auf dem Reißbrett entworfene neue Stadtteil Gasperich mit einem Gewerbepark und einem weiteren Auchan Shoppingcenter bis 2017 mit 37 500 Quadratmetern Fläche. Umsatzerwartung allein für dieses Projekt: 220 Millionen Euro jährlich. Während sämtliche Handelsprojekte in der Innenstadt begrüßt werden, ist CLC-Direktor Thierry Nothum beim Gaspericher Projekt abwartend: "Wir sind gespannt, denn es wird Verschiebungen geben." Inwiefern das für die Luxemburger Händler positiv ist und sich dies auch auf den Handel in Trier auswirken wird, bleibt anzuwarten. Alfred Thielen vom Einzelhandelsverband für die Region Trier bleibt ruhig: "Angesichts der Pläne müsste man sich zwar Sorgen machen. Aber ich rate zu Gelassenheit." Er sieht weniger die Gefahr, dass keine Luxemburger Kunden mehr kämen als die Möglichkeit, dass deutsche Kunden aus Neugier über die Grenze fahren. Auch sei die Wirtschaftsentwicklung Luxemburgs nicht absehbar: "Die Mehrwertsteuererhöhung Ende 2014 verteuert fast alle Waren, so dass sogar mehr Kaufkraft nach Deutschland fließen könnte."volksfreund.de/handel

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