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Normalität in Zeiten der Insolvenz

Normalität in Zeiten der Insolvenz

Seit Montagmorgen ist es offiziell: Das Amtsgericht Dortmund hat die Insolvenz des Trierer Stahlwerks (der TV berichtete) veröffentlicht. Als vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Gericht Christoph Schulte-Kaubrügger aus Dortmund bestellt.

Trier. Der Betriebsratsvorsitzende Rudi Heinz hat in seinen 30 Jahren beim Trierer Stahlwerk (TSW) schon weitaus angenehmere Wochenstarts hingelegt. Gestern um 6 Uhr begrüßte Heinz die Frühschicht und diskutierte mit seinen Kollegen den überraschenden Insolvenzantrag der Geschäftsführung. Am Freitag war die Nachricht aus Dortmund durchgesickert, dass die Gesellschafter beim TSW die Notbremse gezogen haben.
Wochenendschicht gut gelaufen



"Die Informationspolitik am Freitag war sicher nicht optimal", sagt Heinz. Umso mehr hat es den Betriebsratschef gefreut, dass die Kollegen es nicht an Motivation fehlen lassen. "Trotzdem ist die Wochenendschicht gut gelaufen, wir haben ein ordentliches Produktionsergebnis hingelegt."
Am Montag rückte dann nach TV-Informationen der vorläufige Insolvenzverwalter Schulte-Kaubrügger mit einem vierköpfigen Team an, um sich die Situation beim Trierer Stahlwerk anzuschauen.
Viel Geld investiert


Für das Unternehmen geht es zunächst ganz normal weiter. Durch das sogenannte Insolvenzgeld ist der Lohn der 300 Trierer Stahlwerker für drei Monate, also bis einschließlich Januar, gesichert. "Wir sind optimistisch, dass die Arbeit hier weitergeht", gibt sich der IG-Metall-Bevollmächtigte Roland Wölfl optimistisch. "Das Stahlwerk ist für uns als Gewerkschaft seit Jahren eine Baustelle. Aber wir werden hier weiter um jeden Job kämpfen." Nach der ersten Insolvenz im Jahr 2001 gab es beim Stahlwerk immer mal wieder unruhige Zeiten. Dabei spricht Wölfl die Ausgangslage im Stahlwerk an. In den vergangenen Jahren wurden in Trier 70 bis 80 Millionen Euro in den Ausbau des Stahlwerks gesteckt. "Die Anlagen sind modern, das Team ist leistungsfähig", ist der IG-Metall-Chef sicher.
Fester Glaube


Auch Betriebsratschef Rudi Heinz glaubt fest an eine Zukunft des Stahlwerks. Nach TV-Informationen sind in den vergangenen Monaten schon intensive Verkaufsgespräche gelaufen. Die Gesellschafter Werner Pampus, seine Tochter Katja Pampus und Markus Weber hatten wohl mehrere Interessenten an der Angel, in einem Fall sollen die Verhandlungen sogar erst kurz vor dem Verkauf gescheitert sein.
Ob dies für den vorläufigen Insolvenzverwalter eine Option ist, ließ sich gestern nicht in Erfahrung bringen. Der Dortmunder Rechtsanwalt war am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Für die 300 Mitarbeiter des Trierer Stahlwerks stellen sich nun viele Fragen. Um die Menschen zu informieren und ihnen vielleicht einige Ängste und Sorgen zu nehmen, ist am Mittwoch, 14 Uhr, eine Betriebsversammlung anberaumt.Extra

Das Amtsgericht Dortmund hat Rechtsanwalt Christoph Schulte-Kaubrügger zum vorläufigen Insolvenzverwalter beim Trie rer Stahlwerk bestellt. Der Rechtsanwalt ist spezialisiert auf Insolvenzrecht. Er ist seit 1998 als Insolvenzverwalter bestellt; er erhält nach eigenen Angaben entsprechende Aufträge durch die Amtsgerichte Potsdam, Neuruppin, (Berlin-) Charlottenburg und Dortmund. Nach eigenen Angaben hat Schulte-Kaubrügger über 1500 Gesellschaften als Verwalter durch die Insolvenz geführt, darunter zuletzt den Automobilzulieferer AKT und große Immobilienfonds. Ihm gelangen zahlreiche sogenannte übertragende Sanierungen; er erstellte etliche Insolvenzpläne zwecks Sanierung von Unternehmen. Zu den Aufgaben eines vorläufigen Insolvenzverwalters gehört es etwa, die Insolvenzmasse zu sichern und zu prüfen, ob und wie ein Unternehmen weitergeführt werden kann. Dazu muss er dem Gericht einen Insolvenzplan vorlegen, dem die Gläubiger zustimmen müssen und der vom Gericht angenommen werden muss. hw