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Notanrufe bei Vermittlung

Notanrufe bei Vermittlung

TRIER. Die Not mancher Betriebe ist groß: Trotz Meldung beim Arbeitsamt, den Kammern und Zeitungsannonce finden sie keine Fachkräfte. Und es könnte noch schlimmer kommen, befürchten Stellenvermittler.

Vor allem Fachleute mit Handwerkswissen rund ums Haus, aber auch industrielle Facharbeiter wie Fräser und Mechatroniker, Verkaufsleute, neue Berufe aus der IT-Branche sowie Berufe aus regionalen Schwerpunkt-Betrieben wie Druckereien suchen händeringend nach Personal. "Es gibt verstärkt Anrufe, und diese sind auch dringlicher als in der Vergangenheit. Aber wir werden den Teufel tun und Leute abwerben", macht Hans Dieter Kaeswurm, Direktor der Trierer Arbeitsagentur deutlich. Es gehe der Behörde darum, die vorhandenen Arbeitslosen so zu qualifizieren, dass sie wieder einen Beruf finden. "Oft gibt es von Betriebsseite aus falsche Vorstellungen. Die ausgebildeten Fachkräfte mit Erfahrung und neuester Technikkenntnis sind bereits in Beschäftigung", sagt der Agentur-Chef. Da sei es sinnvoller, die vorhandenen guten Kräfte in eine Fortbildung zu schicken. Das sieht Anton Herzog genauso: "Die auf dem Markt gefragten Kräfte sitzen bei uns in den Weiterbildungskursen und sind bereits beschäftigt", sagt der Leiter der Personalagentur der Beratungs- und Qualifizierungsgesellschaft des Handwerks in Trier. Darunter gibt es auch Branchen, bei denen man nicht davon ausgeht, dass es Schwierigkeiten gibt, etwa bei den Heizungsbauern, Sanitärfachleuten oder KFZ-Mechanikern. Dass in manchen Betrieben die Not groß sei, belegt die Arbeitsagentur auch damit, dass inzwischen viele Betriebe sogar bereit seien, bei dringlichen Aufträgen mit Just-In-Time-Lieferung zu einem bestimmten Zeitpunkt Stellen mit erfahrenen Hilfsarbeitern zu besetzen. Und Anton Herzog berichtet von Notanrufen zwei- bis dreimal im Monat, wo Mitarbeiter von heute auf morgen kündigten und etwa nach Luxemburg abgewandert seien. "Das ist schon Besorgnis erregend", sagt der Vermittler. "Vor allem im Boom-Bereich Industrie und Transport, wo flexibler Personaleinsatz erforderlich ist, ist es schwer, Leute zu finden", bestätigt auch Matthias Schmitt von der Trierer Industrie- und Handelskammer (IHK). Allerdings sei der Mangel derzeit noch nicht flächendeckend so gravierend, er könnte sich aber langfristig zu einem Problem auswachsen. Während die IHK derzeit noch von nur zehn Prozent der Betriebe spricht, die über akuten Fachkräftemangel klagen, findet im Handwerk bereits jedes fünfte Unternehmen keine geeigneten Kräfte. "Die demografische Prognose wird die Unternehmen zu Qualifizierungsoffensiven für ältere Arbeitnehmer zwingen", ist Jürgen Tilk, Weiterbildungsberater bei der IHK, überzeugt. Vor allem bei den mittleren Jahrgängen sieht die Arbeitsagentur Bedarf. "Gerade die 40- und 45-Jährigen müssten gezielt fortgebildet werden. Denn die müssen fit bleiben und künftig länger im Beruf bleiben", sagt Direktor Kaeswurm. Leider fehle vor allem kleineren Betrieben die Konsequenz, personalorientiert für die Zukunft vorzusorgen. "Die Herausforderung der Zukunft wird sein, ältere Mitarbeiter stärker mit Fortbildungen zu konfrontieren." Über Projekte wie "Projekt 50plus" oder "Wegebau" der Arbeitsagentur versuchen Behörden und Kammern nicht nur ältere Arbeitslose zu qualifizieren, sondern auch wieder in den Job zu bringen. In neun Monaten sind immerhin bereits über 250 Vermittlungen von älteren Langzeitarbeitslosen in der Region Trier gelungen - Spitze im Vergleich zu den anderen deutschen Regionen. Dabei stehen die Vermittler noch am Anfang der Bewusstseinsveränderung bei den Betrieben. "Es dauert lange, Vorurteile abzubauen", sagt Herzog, denn die Ansprüche seien vielfach zu hoch. "Es braucht künftig mehr Geduld, die vorhandenen Kräfte zu nutzen."