Obstbau: Frühe Ernte, weniger Ertrag

Obstbau: Frühe Ernte, weniger Ertrag

Weil April und Mai reichlich Sonnenschein beschert haben, fangen die Obstbauern der Region zwei Wochen früher als sonst mit der Ernte an. Wegen des Frosts nach der Blüte wird die Menge aber geringer sein als 2010.

Merzkirchen/Trier. Über Rommelfangen brennt die Sonne. Sie lässt das mäßige Wetter der vergangenen Wochen fast vergessen. 20 Obstbauern aus der ganzen Region und aus Luxemburg begutachten eine Apfelplantage am Ortseingang von Merzkirchen-Rommelfangen. Die Obstbäume unter den grauen Hagelschutznetzen gehören Stefan und Kornelia Samson, die im Ort den gleichnamigen Obsthof betreiben. Lässt der großzügige Sonnenschein der vergangenen Tage auf eine gute Ernte hoffen?
Reifetest auf der Plantage


Hans-Josef Weber, Obstbauberater beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz (DLR), teilt mit einem Taschenmesser einen Gala-Apfel in zwei Hälften, besprüht die Schnittflächen mit einer Flüssigkeit und gleicht die Färbung mit einer Tabelle ab. Mit diesem Jod-Stärke-Test bestimmt er den Reifegrad. "In der kommenden Woche kann es mit der Ernte dieser Sorte losgehen", sagt Weber. Äpfel der Sorte Elstar sind bereits in dieser Woche erntereif.
Eine sehr frühe Ernte, aber weniger Ertrag als 2010: Das erwarten die Obstbauern in der Region. Bis zu zwei Wochen früher als sonst wird das Obst gepflückt, weil die Monate April und Mai fast sommerlich waren, die Bäume intensiv blühten und die Früchte gut gedeihen konnten. Anfang Mai funkte allerdings Kälte dazwischen. Frost mit bis zu minus fünf Grad ließ etliche Früchte kaputtgehen.
Besonders Obstbauern an der Mosel und im Raum Wittlich seien betroffen gewesen, sagt Franz-Josef Scheuer, ebenfalls Berater beim DLR. Er erwartet in diesem Jahr für die Region eine um etwa zehn Prozent geringere Ernte im Vergleich zu 2010.
"Die Schäden hängen stark von der Lage ab. In der Eifel gibt es einen Hof mit einem Ausfall von 100 Prozent. Im Raum Saarburg sieht es dagegen gut aus", sagt Scheuer.
Die Ernte der unterschiedlichen Sorten wird sich bis in den Oktober ziehen. Zu warm sollte es allerdings nicht werden. "Tagestemperaturen um 25 Grad und Nachttemperaturen um 12 Grad sind optimal für die Entwicklung von Fruchtzucker im Apfel", sagt Weber. Liegen die Temperaturen darüber, wird der Stoffwechsel gestört. Die Früchte werden weniger süß und die Farbe bleibt blass.
Bis jetzt erwartet Scheuer aber einen "insgesamt guten Apfeljahrgang".
Der Experte sieht noch Ausbaupotenzial: "Die Nachfrage nach regionalem Obst ist größer als das Angebot. Der Markt kann noch weitere Anbieter vertragen."
Die Stärke der Betriebe sieht er in den kurzen Wegen der Ware zum Verbraucher. "Wir bieten keine Lagerware an, die nachreift, sondern ausgereiftes Obst", sagt Scheuer. Etwa ein Drittel der Obstbauern bewirtschafte ihre Bäume hauptberuflich. Die Flächen variieren zwischen einem Viertel Hektar (bei einem Fußballfeld etwa die Fläche zwischen Halbkreis und Strafraum) bei Nebenerwerbsbetrieben und 20 Hektar (entspricht 20 Fußballfeldern) bei großen Betrieben.
Wirklich schiefgehen kann in diesem Jahr nichts mehr, wie Scheuer glaubt. Nur ein heftiges Unwetter mit viel Hagel könnte den Bauern noch einen Strich durch die Rechnung machen. Allerdings sind nirgendwo sonst in Deutschland so viele Obstbäume von Schutznetzen behütet wie in der Region.
Viele Betriebe veranstalten Hoffeste oder Probiertage. Nähere Informationen und Termine finden sich unter www.obstbau.rlp.de
Etwa 80 Betriebe nehmen am Beratungsprogramm des DLR teil. Nach Angaben der Behörde sind das nahezu alle Betriebe in der Region. 90 von 160 Hektar werden nach Richtlinien der Arbeitsgemeinschaft Inte grierter Obstanbau Rheinland-Pfalz (Agio) bewirtschaftet. Die Agio garantiert, dass umweltschonende Anbaumethoden eingehalten werden, und vergibt ein Siegel. Das grüne Zeichen zeigt einen Obstbaum, Trauben und einen Hahn auf einem Zaun. thie Die Landwirte in der Region bauen vorwiegend "neue" Sorten an. Dazu gehören etwa Delbarestivale, Elstar, Gala, Rubinette, Pinova, Braeburn Fuji, Pilot, Topaz, Boskoop und Jonagold. Das sind Sorten, die sich wegen des guten Geschmacks besonders als Tafelobst eignen und in der Region gut gedeihen. Die Tafelobstfläche ist laut DLR inzwischen auf etwa 100 Hektar in der Region angewachsen. Auf jedem Hektar wachsen zwischen 2000 und 3000 Bäume. Dazu kommen noch etwa 60 Hektar mit intensivem Wirtschaftsobst (600 bis 800 Bäumen pro Hektar). Dieses Obst wird hauptsächlich für Most, Viez oder Brände verwendet. Wirtschaftlich unbedeutend sind Streuobstwiesen, die hauptsächlich aus Tradition gepflegt werden. Betriebe in Luxemburg, die mit dem DLR zusammenarbeiten, bewirtschaften zusätzlich etwa 40 Hektar Tafelobstfläche. thie

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