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Pendler-Arbeitsmarkt unter Druck

Pendler-Arbeitsmarkt unter Druck

Der Arbeitsmarkt in Luxemburg leidet unter der weltweiten Krise: Nie gab es im Großherzogtum mehr Arbeitslose. Dabei tauchen die Grenzgänger nicht einmal in der luxemburgischen Statistik auf. Der Luxemburger Christliche Gewerkschaftsbund (LCGB) schlägt nun Alarm.

LCGB-Präsident Robert Weber hat im luxemburgischen Parlament in einer Anfrage die Situation der Grenzgänger bei Arbeitsminister Nicolas Schmit angefragt. Das Ergebnis bereitet dem Gewerkschaftsbund Sorgen, denn die Situation am luxemburgischen Arbeitsmarkt ist offensichtlich angespannter, als es die nackten Zahlen widerspiegeln. Im Oktober gab es in Luxemburg mit gut 14 000 offiziellen Arbeitslosen eine Arbeitslosenquote von sechs Prozent.

Arbeitslosengeld gibt es nur im Wohnland



Dabei fallen bisher die Grenzgänger durch die meisten statistischen Erhebungen. Zwar beschäftigt Luxemburg mit rund 147 000 Pendlern (der insgesamt 335 700 Arbeitnehmer) vor allem aus Frankreich, Belgien und Deutschland im Verhältnis so viele "Gastarbeiter" wie kaum ein anderes Land auf der Welt, doch entlassene Grenzgänger müssen sich in ihrem Wohnland arbeitslos melden, um auch dort ihr Arbeitslosengeld zu beziehen. Offizielle Zahlen darüber gibt es nicht.

Der LCGB hat nun über einen Umweg die Dramatik am Arbeitsmarkt dargestellt. Gekündigte Arbeitnehmer können Ansprüche beim Arbeitsamt nur anmelden, wenn sie eine Arbeitsbescheinigung des Arbeitgebers (Formular E 301) vorlegen können. Rund 22 000 Pendler haben innerhalb von zwölf Monaten - von Oktober 2008 bis Oktober 2009 - ein solches Formular beantragt. Vor allem französische Pendler scheinen momentan von Arbeitslosigkeit in Luxemburg bedroht zu sein: Denn laut LCGB haben rund 16 500 Franzosen sich arbeitslos gemeldet.

Die Agentur für Arbeit in Trier bewertet die Zahl für deutsche Pendler vorsichtig: "3516 Urkunden E 301 für Grenzgänger aus Deutschland liegen im üblichen Bereich der Meldungen. Wir verzeichnen bisher keinen besonderen Zustrom an Meldungen von Arbeitnehmern, die zuvor in Luxemburg gearbeitet haben", sagt der Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Trier, Thomas Mares. Deutsche Arbeitnehmer arbeiteten zudem in Luxemburg überwiegend im Dienstleistungssektor. Dieser sei aber bisher von Entlassungen aufgrund der Wirtschaftskrise noch nicht so stark betroffen. Dass der Luxemburger Arbeitsmarkt aber viel von seiner Dynamik eingebüßt hat, zeigt sich an einer anderen Zahl, die der LCGB ins Feld führt: "Seit August stagniert die vorher stetig steigende Beschäftigung in Luxemburg. Die Anzahl der Grenzgänger ist dabei leicht zurückgegangen. Vorher sind zwischen 60 und 70 Prozent der neuen Stellen von Grenzgängern besetzt worden. 2009 waren es lediglich 39 Prozent", so der LCGB-Lagebericht. Dass LCGB und deutsche Arbeitsagentur sich nicht widersprechen, erklärt ein Experte: "Ein Banker, der in Luxemburg seinen Job verliert, sucht in Frankfurt, London oder New York einen neuen Job, nicht aber in der Region Trier."