Plädoyer für die E-Mobilität

Plädoyer für die E-Mobilität

4500 Elektroautos rollen derzeit über Deutschlands Straßen. Das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Wagen mit dem E-Antrieb auf die Straßen zu bringen, scheint unmöglich. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier versucht, in Zusammenarbeit mit dem Umweltzentrum (UWZ) der Handwerkskammer die Akzeptanz zu erhöhen.

Trier. Immer noch genießen die kleinen Elektrofahrzeuge den Ruf des Exotischen. Dabei haben die Elektroautos eine lange Tradition. Darauf weist Heinz Schwind von der IHK bei der Eröffnung der Veranstaltung Elektromobilität hin: "1901 wurden in New York 50 Prozent der Fahrzeuge elektrisch angetrieben, im Jahr 1912 bauten 20 Hersteller fast 34 000 Elektrofahrzeuge." Doch die Batterien waren den Verbrennungsmotoren hoffnungslos unterlegen, bis heute. Aber die Hoffnung auf eine saubere und für die Verbraucher attraktive Lösung steigt. IHK und UWZ geht es in ihrer Veranstaltung um die Kopplung von regenerativen Energien mit Mobilität. Das Ziel ist ein echtes "Null-Immissionsfahrzeug", wie Schwind betont. Die neuen Trends bieten der regionalen Wirtschaft große Chancen findet zudem UWZ-Leiter Axel Bettenfeld.
Diesem Thema hat sich Rainer Schmitz, Haustechnik Schmitz aus Hillesheim, verschrieben. Der mittelständische Betrieb aus der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Branche, sieht seine Schwerpunkte in den regenerativen Energien. Unter den 26 Fahrzeugen führt Schmitz auch zwei E-Autos, "in einer topographisch schwierigen Region wie der Eifel". Seine Erfahrungen zu einem Fiat 500 und einem Renault Kangoo mit E-Antrieb sind unterschiedlich. Von dem kleinen, 50 000 Euro teuren Fiat ist der Chef ganz angetan. "E-Mobilität ist ohne Elektrohandwerk nicht möglich", sagt Schmitz, der für dezentrale Lösungen einsteht. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, vielleicht ein Windrad und das Elektroauto in der Garage würden sich glänzend ergänzen. Die Diskussion über die Reichweite der Fahrzeuge mag er nicht annehmen. "Autos stehen im Schnitt 22 Stunden am Tag, und wir glauben, dass 70 bis 85 Prozent der Aufladungen zu Hause stattfinden können." Für den Eifeler Unternehmer spricht ein weiteres wichtiges Argument für eine dezentrale Selbstversorgung. "Wir spüren den Wunsch der Kunden sich von Abhängigkeiten zu lösen, beim Tanken, beim Heizen und beim Strom."
Florian Grätz vom Energieversorger RWE sieht indes den Konzern als wichtigen Baustein für den Erfolg von E-Mobilität an. RWE hat bisher 1400 Ladestationen für E-Autos in Deutschland installiert, 70 in Rheinland-Pfalz, gut 200 in Berlin. Vor allem in Städten gebe es bereits eine hohe Akzeptanz. In Amsterdam können die Kunden einer RWE-Tochter an fast 400 Ladestationen vorfahren. Die Vision sei es, die dezentrale Energieerzeugung mit der Mobilität zu kombinieren. Doch allein für den Ladestationsaufbau wären bundesweit drei bis vier Milliarden Euro nötig.
Falko Willmes von den Stadtwerken Trier berichtete aus dem gemeinsamen Pilotprojekt, das die SWT mit den Stadtwerken Aachen, Osnabrück, Duisburg, Sylt, Kempten und Leipzig betreiben. Ziel sei es, dank regenerativer Energien die Wertschöpfungskette in der Region zu halten. In dem Projekt Nachhaltige Mobilität für Städte und Gemeinden entwickeln die SWT das Parkhaus der Zukunft. Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach, einer stationären Batterie (Cellcube) und Ladestationen für Elektroautos soll das City-Parkhaus in Trier zum autarken Energieversorger werden. "Die spannende Aufgabe ist es, alle Bereiche zu vernetzen. So könnten wir erreichen, dass der Kunde den Strom dann verbraucht, wenn er regenerativ erzeugt wird", sagt Willmes. Frank Blumenstatt von Görlitz AG in Koblenz sieht aber noch viele Hürden: "Noch ist die Politik bei der E-Mobilität der Markttreiber. Es gibt viel Marketing, aber wenig Markt." Um dies zu ändern, seien einige Paradigmenwechsel nötig. Die Tankstelle, an der man tankt, Brötchen kauft und die Zeitung holt, gehöre dann der Vergangenheit an. Mobilität müsse neu definiert werden, weg vom Fahrzeugbesitz zum Car-Sharing und auch die Energiewirtschaft müsse anders aufgestellt werden.
Für Heinz Schwind und Axel Bettendorf steht fest, dass bei diesem Trend die Region Trier profitieren müsse. "Hier liegen große Chancen für das Handwerk und unsere regionalen Firmen", sagt Schwind. Das Thema Elektromobilität wollen UWZ und IHK deshalb mit weiteren Aktionen unterstützen.Extra

Gleich mehrere Fahrzeuge haben Umweltzentrum (UWZ) und IHK Trier für Probefahrten besorgt. Thorsten Kaiser vom UWZ begleitet die E-Auto-Neulinge in einem Peugeot Ion. "Sind sie schon einmal Automatik gefahren?", fragt er vor dem Start. "Dann wissen sie schon alles, was sie zum Losfahren brauchen." Nur Gas und Bremse, den linken Fuß darf man vergessen. Beim Starten surrt der 3,50 Meter lange Kleinwagen ganz leise los. Er bringt eine Leistung von 67 PS, hat eine Reichweite von 150 Kilometern und soll in der Spitze 130 km/h schnell sein. Beim Anfahren zeigt sich das kleine Gefährt sehr sportlich. "An der Kreuzung hängen Sie damit jedes Auto ab", meint Kaiser. Ein Elektromotor bringt im Gegensatz zu einem Verbrennungsmotor sofort seine gesamte Leistung auf die Räder. Am Kreisel macht sich die Dynamik bemerkbar, das Einordnen ist mit dem kleinen E-Flitzer überaus einfach. Nach zehn Minuten Probefahrt durch die Stadt macht das E-Auto Lust auf mehr. Was abschreckt: Die E-Autos sind in der Anschaffung noch sehr teuer. Rund 30 000 Euro kostet der Kleinwagen. hw